Das "Alte Sudhaus": Genießen in ehrwürdigen Gemäuern

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Wirt Joe Ferner am Eingang zum Biergarten des „Alten Sudhaus“ in der Heubacher Hauptstraße. Foto: dav
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Was den Brauereigasthof „Goldener Hirsch“ und das benachbarte „Alte Sudhaus“ einzigartig macht, was auf der Speisekarte steht und worauf die Gäste abfahren.

Heubach. Tradition spürt der Besucher hier in jeder Ecke. Die Brauereigaststätte „Goldener Hirsch“ und das „Alte Sudhaus“ haben eine lange Geschichte. Da passt Betreiber Joe Ferner gut rein. Der 67-Jährige ist, wie er sagt, „Wirt mit Herzblut“. Sein Vater betrieb das Ratscafé und das Ratsstüble in Gmünd, schon mit 17 Jahren habe er dort mitgeschafft, erinnert sich Joe Ferner. In der Stauferstadt begann auch seine eigene Gastronomen-Karriere, im Pavillon und in Joes Pup. 1996 übernahm er das „Alte Sudhaus“ in der Heubacher Hauptstraße, kurz darauf auch den damals leerstehenden Hirsch.

Gutes Personal zu finden ist auch für Joe Ferner eine Herausforderung. Aktuell bestehe das Team, einschließlich aller Teilzeitkräfte, aus rund 30 Leuten. In der Küche sind es sechs, drei davon fest angestellt. „Wir sind sehr international“, so Ferner. Die Kolleginnen und Kollegen kommen aus der Ukraine, Vietnam, Mexiko, Polen oder Griechenland. Vor allem Köche seien Mangelware. „Wer will das noch machen, an Feiertagen arbeiten, dazu Doppelschichten mittags und abends?“, fragt Joe Ferner. Bis Corona habe es im Sudhaus und im Hirsch jeweils eine Küche gegeben, die im Sudhaus bleibt seither kalt. „Wir können das mit einer Küche einfach besser koordinieren“, sagt Joe Ferner. Die Wege, zumal im Sommer, seien ja auch nicht weit.

Eine Küche, zwei Speisekarten

Dennoch gebe es weiter zwei Speisekarten. Im Hirsch wolle man ein ganz klassischer, gutbürgerlicher Brauereigasthof sein. Schmankerl sei das „Heubacher Leckerle“, Schweinemedaillons mit Champignonrahmsoße und Spätzle. Auch die Tagesessen, die dienstags, mittwochs und donnerstags von 11 bis 14 Uhr angeboten werden, kämen gut an, etwa bei Außendienstlern oder Mitarbeiter lokaler Firmen. Diesen oder den Ausflugstouristen, die am Wochenende nach Heubach kommen, bietet der Hirsch zehn Hotelzimmer samt Frühstück an. Einen klassischen Stammtisch gebe es im Hirsch nicht. Rechts neben dem Eingang zum Sudhaus indes prangt eine Plakette an der Wand: „Dohoggaddiawoällaweildohoggad“. Sie verweist auf die „Stammtheke“, wo die Stammgäste auf Barhockern Platz nehmen.

Im Sudhaus gebe es zwar Schnitzel und Zwiebelrostbraten, aber eben auch Briegel, Wurstsalat, Fleischkäse. „Bistroküche, ein bisschen einfacher“, meint Joe Ferner. Genießen kann man das entweder draußen im Biergarten, wenn’s regnet auch in der „Scheune“, oder drinnen im speziellen Sudhaus-Ambiente samt historischem Braukessel.

Bierproduktion bis 1954

Eine Eisentreppe führt hoch zum „Kühlschiff“, wo zu Zeiten der Bierproduktion bis ins Jahr 1954 der Gerstensaft in einer großen Kupferwanne gekühlt wurde. Heute können hier bis zu 60 Gäste sitzen, an historischen Stühlen und Tischen, gesammelt von der Brauereifamilie Caliz in den 1970er-Jahren in verschiedenen Wirtshäusern, als diese auf vermeintlich moderne Plastikmöbel umgestiegen seien, berichtet Joe Ferner. Über eine Steintreppe geht‘s runter in den „Malzkeller“. Bei den „After-Work-Partys“ steht hier die Bar, an Wochenenden flimmert Bundesligafußball über den großen Fernseher an der Wand.

Dank der Biergärten kann sich der Betreiber von Hirsch und Sudhaus über die laufenden Geschäfte nicht beschweren, wie er sagt. Die Corona-Zeit habe dennoch ihre Spuren hinterlassen. „Ohne die staatliche Hilfe hätten wir nicht überlebt“, betont er. Mit gemischten Gefühlen blickt der Wirt auf den anstehenden Herbst. Er sei noch vorsichtig. Die von vielen sehnlich herbeigesehnten, berühmt-berüchtigten „After-Work-Partys“ wolle er erstmal noch sein lassen.

Goldener Hirsch, Sudhaus und Heubacher Brauerei

Eng verbunden mit der Geschichte des Stadt Heubach ist die Entwicklung der Hirschbrauerei. Zwar führen Chronisten ihre Entstehung auf die Zeit um 1600 zurück, urkundlich nachgewiesen ist jedoch, dass der „ältesten Braustatt“ erst 1725 die Konzession einer Schildwirtschaft „Zum Hirsch“ verliehen wurde. Seit damals befindet sich die Brauerei im Privatbesitz. Erster Besitzer war die Familie Jakob Hornegger. 1849 brannte das Anwesen in der Beurener Straße - nieder und wurde an seinem heutigen Platz neu aufgebaut.

1874 erwarb die Familie Leonhard Mayer Brauerei und Gasthof „Zum goldenen Hirsch“.

Im Sudhaus-Biergarten gibt's für bis zu 80 Personen Platz, 60 im Hirsch. Im Inneren des Sudhaus gibt es insgesamt 80 Plätze, im Hirsch 70 in den Nebenräumen und bis zu 50 im Hauptgastraum.

Teuerstes Hauptgericht im Sudhaus ist der Zwiebelrostbraten für 20,50 Euro. Günstigstes Hauptgericht ist der Fleischkäse mit Braumeisterbrot für 6,80 Euro. Das 0,3-Liter Heubacher Pils kostet 3,10 Euro, ebenso eine alkoholfreie Limo. ⋌dav

Bis ins Jahr 1954 wurde im Sudhaus noch Bier gebraut. Heute können die Gäste das spezielle Ambiente genießen.
Gegenüber liegt die Hirschbrauerei, die in drei Jahren ihr 300-jähriges Bestehen feiert.

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