100 Jahre Heubacher Bier ausgeschenkt

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Thomas Mayer (l.) und Alexander Caliz (r.) bedanken sich bei den Jubilaren für 100 Jahre Treue: (v. l.) Anita und Albert Jettinger, Gerda Bittermann, Dietmar Drochner, Vorstand Gerd Schneider und Hans-Peter Vogel. Unten (von links) historische Aufnahmen

Seit jeweils 100 Jahren beliefert die Hirschbrauerei den „Deutschen Kaiser“, den Heuchlinger „Adler“ und das Naturfreundehaus Himmelreich. Ein Blick auf die Geschichte dreier ganz unterschiedliche Gastronomien.

Heubach

Das gab es vorher noch nie, sagen die Geschäftsführer der Hirschbrauerei in Heubach, Alexander Caliz und Thomas Mayer. „Gleich drei von unseren Kunden dürfen wir in diesem Jahr seit 100 Jahren zu unserem Kundenstamm zählen.“ Eigentlich wäre es im Januar so weit gewesen, die Jubilare zu würdigen, allerdings befand sich zu dieser Zeit die komplette Gastronomiebranche coronabedingt im Lockdown. Zwar ist die Corona-Situation erneut sehr angespannt, doch man wollte unbedingt noch in diesem Jahr einen Termin zur Würdigung und Übergabe der Urkunden finden. Wer wird denn nun seit 100 Jahren mit Bier aus der Heubacher Brauerei versorgt? Der „Deutsche Kaiser“ in Heubach, die Gaststätte „Adler“ in Heuchlingen und das Wanderheim Naturfreundehaus auf dem Himmelreich. „Alle drei Objekte werden seit 1921 in unserem Kundenstamm geführt und erhielten regelmäßig Ware – und das bis heute“, stellt Alexander Caliz fest.

Deutscher Kaiser:

Hans Peter Vogel, der seit mehreren Jahrzehnten Betreiber des Hotelgasthofs „Deutscher Kaiser“ am Heubacher Marktplatz ist, erzählt: „David Vogel, mein Großonkel, übernahm 1921 die im Jahre 1860 von seinem Schwiegervater eröffnete Gastwirtschaft mit Metzgerei. Ersterer war es auch, der vor mittlerweile einhundert Jahren das erste Hirschbräu Bier geliefert bekam. 1932 ließ er dann im Rahmen eines großen Umbaus einen Saal im ersten, sowie Fremdenzimmer im zweiten Obergeschoss errichten. Mein Vater, Paul Vogel, übernahm den Betrieb im Jahre 1953 und kümmerte sich als Metzgermeister vornehmlich um die Metzgerei. Das Restaurant wurde in den Jahren 1975 bis 1989 in enger Zusammenarbeit mit der Hirschbrauerei verpachtet, weshalb auch in dieser Zeit kräftig Heubacher Bier ausgeschenkt wurde“, sagt der Küchenmeister, der diese Tradition seit 1989 ununterbrochen fortführt.

Adler Heuchlingen

Beim „Adler“ in Heuchlingen wurde bis 1921 die Adler-Brauerei betrieben. Metzgermeister Albert Jettinger muss schmunzeln, wenn er davon berichtet, denn eigentlich existiert der „Adler“ bereits seit dem 14. Jahrhundert und ist wohl das älteste noch bestehende Gebäude in Heuchlingen mit seinen 655 Jahren – sogar älter als die Hirschbrauerei, die im Jahre 2025 das 300-jährige Bestehen feiern wird. „Do seid Ihr Jongspond dagegen, mit Eure 300 Johr“, lacht er. Der Großvater von Albert Jettinger ließ in die Räume der alten Brauerei im Jahr 1921 eine Metzgerei einbauen. Man konzentrierte sich auf die Fleischverarbeitung anstatt der Verarbeitung von Hopfen und Malz. Seitdem existiert die Metzgerei und die Kundenbeziehung zur Hirschbrauerei, von der man fortan das Bier bezog. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge berichtet Jettinger von seinen jüngst bekannt gewordenen Plänen der Übergabe seines Betriebs an den Gmünder Fleischermeister Kilian Nagel: „Leider geht die Tradition der Gastronomie mit Festen und Veranstaltungen im Adler nun zu Ende. Meine Frau und ich freuen uns jedoch sehr, dass wir in Zukunft mehr Zeit für uns haben werden und wissen unsere Metzgerei in guten Händen.“

Naturfreundehaus Himmelreich

Das Naturfreundehaus Himmelreich wird vom Verein Naturfreundehaus Himmelreich betrieben, dessen Vorsitzender, Dietmar Drochner stets auf der Suche nach neuen Mitgliedern und Helfern ist, die bereit sind, Hüttendienste an den Wochenenden zu übernehmen. „Es ist schade, dass wir diese gemütliche Ausflugsgaststätte in einem herrlichen Wandergebiet bisweilen einfach geschlossen lassen müssen, da uns schlichtweg die Helfer fehlen“, bedauert er.

Dabei habe der Verein und das Naturfreundehaus eine bewegte Geschichte, in der es immer wieder darauf ankam, über von Idealismus geprägte Mitglieder zu verfügen, die bereit waren, auch in sehr schwierigen Zeiten dem Verein zur Seite zu stehen, berichtet Gerd Schneider, Vorstand der Naturfreunde, Ortsgruppe Schwäbisch Gmünd. Allein die Wiederbelebung der Naturfreunde nach dem Ersten Weltkrieg war alles andere als selbstverständlich. 1920 errichtete man ein Wanderheim auf dem Himmelreich, das neun Jahre später einem Brand zum Opfer fiel und fast vollständig zerstört wurde. Unter größten Anstrengungen begannen die Mitglieder das Haus wieder aufzubauen und feierten 1930 die Einweihung des heutigen Naturfreundehauses.

Vor und während des Zweiten Weltkriegs wurde der Naturfreunde-Verein verboten, deren Haus von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und in „Hermann-Göring-Haus“ umbenannt. Mit der Hilfe von alten und jungen Mitgliedern wurde danach das durch die Enteignung demolierte Haus renoviert und ab 1946 als Wandergaststätte und Wanderherberge betrieben. Es folgten weitere Meilensteine, etwa der Anschluss an die Bargauer Wasserversorgung Anfang der Sechzigerjahre, was durch den immer größer werdenden Zustrom an Wanderern notwendig wurde. Ein Haus mit Geschichte also, welche stets durch die Hirschbrauerei begleitet wurde. Sei es durch die Zurverfügungstellung von Wirtschaftsmöbeln oder den Einbau einer neuen Thekenanlage.

Konstanz als „Pfeiler“

„Die Heubacher Brauerei bedankt sich bei allen Jubilaren für das in den vergangenen 100 Jahren entgegengebrachte Vertrauen – dieser Dank gilt sowohl mehreren Generationen der Inhaberfamilien als auch Generationen von Vereinsmitgliedern, welche uns und unseren Vorfahren bereits das Vertrauen als Lieferant geschenkt haben“, danken die Geschäftsführer. In der heutigen schnelllebigen Zeit tue Konstanz so gut. Trotz vielen Veränderungen, sowohl im Privatleben als auch im geschäftlichen Bereich, seien solch langjährige Kundenbeziehungen gewisse Pfeiler im Leben, an denen man Orientierung habe und aus denen man auch als Unternehmen in schwierigen Zeiten Kraft schöpfen könne. „Die regionalen Handwerker, Landwirte, Metzger, Bäcker, Gastwirte und Vereine stärken unsere Region und schaffen für uns und unsere Nachkommen ein lebenswertes und zukunftsfähiges Umfeld“, betonen die Brauerei-Geschäftsführer. Neben den Urkunden dankten die Brauer mit 100 Liter Freibier.

Mehr historische Fotos vom Naturfreundehaus gibt's auf www.tagespost.de.

Naturfreundehaus Himmelreich
Adler Heuchlingen, Hochzeit der Familie Mezger im Jahr 1920.
Naturfreundehaus Himmelreich
Naturfreundehaus Himmelreich
Naturfreundehaus Himmelreich
Naturfreundehaus Himmelreich
Naturfreundehaus Himmelreich
3 x 100 Jahre Bierbelieferung
Naturfreundehaus Himmelreich
Deutscher Kaiser Heubach um 1920/30,

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