100 Tage Bürgermeister Alemazung: Ideen, Konzepte und eine Putzaktion

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Seit 3. Januar sitzt Dr. Joy Alemazung auf dem Chefsessel im Heubacher Rathaus. Was hat er bislang angepackt und was hat er noch vor?
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Was Dr. Joy Alemazung in den ersten 100 Tagen im Amt angepackt hat, was er für Heubach vorhat und wie ihm die Bürgerinnen und Bürger bisher begegnen. Ein Interview.

Heubach

Am 3. Januar hatte Dr. Joy Alemazung seinen ersten Arbeitstag im Heubacher Rathaus. Wie laufen die Amtsgeschäfte für den neuen Bürgermeister? Was hat er für Heubach vor?

Herr Dr. Alemazung, bereuen Sie schon, dass Sie angetreten sind?

Joy Alemazung: Natürlich nicht. Es ist eine Ehre, Menschen zu dienen und dieses Privileg habe ich nun. Warum sollte ich dies denn bereuen?

Was ist genau so, was ist vielleicht völlig anders, als Sie es sich vorgestellt hatten?

Die viele Anfragen und Bedürfnissen der Mitbürgerinnen und Mitbürger ist genauso wie ich mir vorgestellt habe. Zuständigkeiten und formale Wege und Heubacher Spezifika sind dagegen etwas anders als ich mir vorgestellt habe.

Es gibt Heubacher, die sagen, sie hätten Sie noch gar nicht persönlich kennengelernt.

In der Tat spielt hier Corona eine Rolle. Schon bei meiner Amtseinsetzung hatten meine Mitbürgerinnen und Mitbürgern aufgrund der strengen Verordnungen im Dezember die tolle Möglichkeit nicht bekommen, bei der Feier anwesend zu sein, mich persönlich zu treffen und kennenzulernen. Doch sehe ich hinter diesen Anfragen und Reflexionen keine persönliche Kritik.

Wird das ohne die Beschränkungen anders ?

Trotz Corona und vielen Terminen ist es mir wichtig, dass ich meinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern begegnen kann und mit ihnen kommuniziere. Deswegen werde ich noch mehr dafür sorgen, dass ich persönlich öfter bei ihnen sein kann. Ich habe schon einige Veranstaltung geplant, wo wir die Möglichkeit haben werden, uns kennen zu lernen. Nicht zuletzt deswegen bin ich häufig zu Fuß unterwegs in der Stadt. Aber auch Aktionen sind hierbei wichtig.

Zum Beispiel?

Ich lade am 1. Mai meine Mitbürgerinnen und Mitbürger zur gemeinsamen Putzaktion in der Stadt mit Start ab 15 Uhr ein. Wir wollen das Bewusstsein schärfen, auf dass wir unsere Stadt sauberer halten und die Tatsache, dass wir alle dafür verantwortlichen sind. Am 2. Juni ist Aktionstag der Städtebauförderung und wir werden diese Gelegenheit nutzen, meine Amtseinsetzung nachzufeiern und die Initiative „meiner Gemeinde etwas zurückgeben“ offiziell starten. Außerdem werde ich in den nächsten Monaten eine Bürgersprechstunde einführen.

Wie begegnen Ihnen die Menschen bisher bei Ihren Amtsgeschäften?

Die Heubacherinnen und Heubacher haben mich sehr gut aufgenommen. Ich bin sehr dankbar, denn sie haben ihren Bürgermeister nicht nur gut aufgenommen, sondern sie wollen und sie gestalten Heubach mit. Es gibt schon Ideen und Vorschlägen von Mitbürgerinnen und Mitbürger, die wir gerade entwickeln und die Umsetzung vorbereiten, um Heubach noch liebens- und lebenswerter zu gestalten.

Werden Sie nach Heubach ziehen?

Ich arbeite daran. Ich muss noch eine passende Bleibe für mich und meine Familie finden.

Sie sagten im Wahlkampf, Sie würden gerne „die Arbeiten und Aktionen, die Frederick Brütting ins Leben gerufen hat, mit neuen Akzenten weiterführen“. Haben Sie dafür ein Beispiel?

Natürlich: Ein Beispiel ist die Nahwärmeversorgung. Diese bauen wir aus und starten mit Wärmleitplanung und entwickeln ein Nachhaltigkeitskonzept mit verschiedenen Standbeinen: saubere Energieversorgung, Ökokonto, Glasfaser- hier starten wir nun mit Lautern und Beuren - nachhaltiger Tourismus, Fairer Handel, um nur einiges zu erwähnen.

Haben Sie noch ein Beispiel?

Ein weiteres konkretes und sehr wichtiges Beispiel ist die Initiierung des Jugendparlaments. Die Jugendlichen sollen beim bisherigen 8-Rat noch stärker und breiter gefördert werden, damit sie frühzeitig nicht nur Verantwortung erlernen, sondern auch bewusst ihre Gemeinde mitgestalten. Das Jugendparlament wird ein Forum-Charakter haben. Hier werden die Jugendlichen ihre Wünsche, Anregungen und Ideen mit ihrem Bürgermeister und dem Stadtrat besprechen und Maßnahmen für ein liebens- und lebenswertes Heubach umsetzen.

Am Wahltag sagten Sie, Sie wollten Heubach noch schöner machen. Welche konkreten Schritte haben sie dazu unternommen?

Die Vorbereitung dafür laufen und Gespräche und Mitstreiterinnen sind schon vorhanden. In den letzten 100 Tagen haben wir vielen Ideen besprochen und Vorschläge von Mitbürgerinnen und Mitbürgern erhalten. Es geht um Erholungs- und Begegnungsorte bis hin zur stärkeren Partizipation von Jugendlichen, auch von Mitbürgerinnen und Mitbürger mit internationalen Wurzeln. Alles steckt noch in den Kinderschuhen, deswegen können wir gerade noch nicht viel darüber erzählen.

In unserem „Ostalbcheck“ kam die Klage auf, dass es in Heubach keine ebene, auch für Senioren und bei Nacht sichere, Möglichkeit zum Spazierengehen gebe. Als positives Gegenbeispiel wird der Böbinger Park aufgeführt.

Es gibt auch viele positive Beispiele in Heubach, vom Rosenstein bis zum Himmelreich. Allerdings gibt es viel Luft nach oben, deswegen arbeiten wir daran, einiges besser zu machen. Wir haben schon eine Initiative im Rahmen von „Meiner Gemeinde etwas zurückgeben“ gestartet, um unsere Stadt, angefangen vom Stadtkern, besser zu gestalten und attraktive und schöne Begegnungsorte zu entwickeln für Jugendliche und Senioren. Hier laufen schon Vorbereitungen und wir haben schon ein paar Orte im Blick.

Dr. Joy Alemazung ist nach eigener Aussage „Gmünder mit kamerunischen Wurzeln“. Er ist Jahrgang 1974 und wohnt in Lindach. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Vor seiner Wahl war der promovierter Sozialwissenschaftler Referent beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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