500 Jahre Beurener Kapelle! Oder?

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Die Wendelinskapelle in Beuren ist eine Mischung aus spätgotischer und barocker Baukunst. Eine exakte Altersbestimmung ist deswegen schwierig, auch wenn das Schild rechts unter der Laterne selbstbewusst vom Jahr 1520 spricht. Wobei: Man kann sich schon darauf einigen ...
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Warum eine genaue Einordnung der Entstehungszeit der Wendelinskapelle im Heubacher Teilort nicht ganz so einfach ist – und warum es sich trotzdem lohnt, der Frage nachzugehen.

Heubach

Das Schild neben der Kapelle in Beuren verkündet eine eindeutige Botschaft: Demnach wurde das Gotteshäusle "im Jahr 1520 erbaut". Aber hallo! Dann kann man ja wohl gratulieren. Zum runden Jubiläum. Zum 500-jährigen Bestehen. Oder? Ganz so eindeutig ist die Sache wohl nicht. Eine Spurensuche.

Der Stadtarchivar kann in diesem Fall leider nicht weiterhelfen. "Leider gibt es im Stadtarchiv Heubach nichts dazu", sagt Dr. Michael Hensle. Der Experte vermutet trotzdem, dass "das mit dem 500-Jahre-Jubiläum der Wendelin-Kapelle in Beuren wohl richtig" sein könnte.

Wenn's einer wissen muss, dann ja wohl der Hausherr. Also die katholische Kirche. Pfarrer Bernhard Weiß will sich nicht sich so richtig auf das Jahr 1520 festnageln lassen. "Meine Recherchen haben ergeben, dass das Datum 1520 wohl eine ziemlich im Nebel gefangene graue Katze ist, die auch gleich wieder abhaut", sagt der Geistliche. Zur geneigten Lektüre empfiehlt er die geschichtliche Abhandlung von Alois Kuhn. Erschienen in den "Gmünder Heimatblättern", Jahrgang 21, Nummer 5.

Alois Kuhn beschreibt zunächst die idyllische Lage des Gotteshäusles: "In der Dorfmitte erhebt sich, umgeben von einem kleinen Platz, flankiert von den Bauernhäusern und umrahmt, ja förmlich beschützt von den umliegenden Bergeshöhen, die Dorfkapelle."

Dann widmet sich der Autor den Besitzverhältnissen: Zwar sei die Kapelle katholisch, die evangelischen Bewohner Beurens aber Miteigentümer. Dies bekräftigt eine Tafel im Inneren der Kapelle, gleich rechts des Eingangs an der Wand: "Die Beurener Kapelle entstand um 1520 als Stiftung der Bewohner Beurens", heißt es dort.

Das Alter des Altars scheint klar

Das Datum 1520 ist wohl eine ziemlich im Nebel gefangene graue Katze, die gleich wieder abhaut.

Bernhard Weiß, Pfarrer

Noch ein Blick ins Werk des Alois Kuhn. Die Kapelle biete mit dem barocken Dach und dem barocken Dachreiter einen "sehr gefälligen Anblick". Der Grundriss der Kapelle zeige aber eine "gotische Anlage". Auch das Flügelaltärchen sei der Spätgotik zuzurechnen. Doch sei damit über das Jahr der Entstehung keinesfalls eine Aussage möglich. Denn: "Würde die Beurener Kapelle aus der nämlichen Zeit stammen, aus der das Dach und der Dachreiter herrühren, dann würde auch der Grundriss barocke Formen aufweisen." So aber müsse angenommen werden, dass Kapelle und Altar in der Spätgotik entstanden, aber nachträglich "barockisiert" wurden. Und weiter: "Sollte die Kapelle in ihrer jetzigen Form aber aus einer späteren Zeit stammen als der Altar, so müsste vor 1551, dem Jahr der Reformationseinführung in Heubach, in Beuren bereits eine Kapelle bestanden haben." Wäre die Kapelle nach 1551 gebaut worden, dann sie es nach der Schlussfolgerung von Alois Kuhn "schwerlich einzusehen", weshalb die evangelischen Bauern Miteigentümer sind – da wohl nicht anzunehmen sei, dass sie dann an einem katholischen Kapellenbau mitgewirkt hätten. Das Miteigentum können nur dadurch erklärt werden, so Kuhn , dass die Kapelle vor der Einführung der Reformation von den Bürgern Beurens errichtet worden sei. Diese Schlussfolgerung beweist der Autor in der Folge, indem der die Beurener Kapelle mit anderen Kapellen in der Gmünder Umgebung vergleicht.

Werk eines Gmünder Künstlers

Alois Kuhn nimmt jetzt den Flügelaltar samt der Figuren, ihre Machart und speziellen Eigenheiten in den Blick. Daraus schließt er auf den Hersteller: Meister Valentin Schopf, einen Gmünder Künstler, dem er auch den Bau des Altares in der Bucher Kapelle zurechnet. Das Herstellungsjahr des Altares beziffert Alois Kuhn sodenn auf "1519, spätestens 1520". Bei der Kapelle selbst grenzt er ein: "Die Erbauung der Wendelinskapelle (...) fügt sich zwanglos in die Zeit des spätmittelalterlichen Kirchen- und Kapellenbaus (1450-1520) und in die Blütezeit der Wendelinsverehrung (1400-1520) in unserem Gebiet ein." Er schließt mit der Hoffnung, dass diese Altertümer erhalten blieben und entsprechend gewürdigt würden.

Wer das tun möchte, kann sich bei einem Besuch der Kapelle selbst ein Bild machen. Rundes Jubiläum hin oder her – das lohnt sich auf jeden Fall.

Eine Tafel an der Wand: Miteigentümer sind die Beurener.
Der Blick ins Innere zeigt das schmucke Flügelaltärchen.
Die Beurener Kapelle ist St. Wendelin geweiht.

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