Blutige Laken und Selbstversorgung?

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Das Stauferklinikum in Mutlangen.
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Eine Tagepost-Leserin aus Heubach schildert Erfahrungen eines Aufenthalts im Stauferklinikum. Was dessen Pressesprecher dazu sagt und um was es der ehemaligen Patientin geht.

Heubach

Katja Grau aus Heubach musste vor Kurzem ins Krankenhaus nach Mutlangen. Was sie dort nach eigener Aussage erlebte, hat sie so fassungslos und ärgerlich gemacht, dass sie sich an die Gmünder Tagespost gewandt hat. Sie schreibt: „Unser Gesundheitssystem ist eine Katastrophe. Wer im Krankenhaus liegt, wird kaum noch richtig versorgt, weil es kein Fachpersonal mehr gibt. Außerdem Ärzte, die kein Deutsch verstehen.“ Sie habe nachts nach einer Schwester geläutet und eineinhalb Stunden auf Hilfe warten müssen. „Ich selbst hatte nur Schmerzen, aber was wäre gewesen, wenn es lebensbedrohlich gewesen wäre?“, fragt Katja Grau.

Außerdem, berichtet sie, habe es an Pflegemitteln, wie Pflaster oder Hilfsmittel für Toiletten gefehlt. „Patienten liegen oft eine Woche auf blutigen Laken, weil kein Personal da ist. Oder müssen, so weit sie können, sich selbst mit Wasser oder Toilettenpapier versorgen.“ Und das im „reichen Deutschland“, dessen Bürgerinnen und Bürger hohe Beiträge für die Krankenkasse bezahlten, um so „behandelt“ zu werden. Katja Grau sagt, sie wisse, dass die Krankenhäuser mit Personalmangel zu kämpfen haben. Sie wolle den Schwarzen Peter keinesfalls auf die Schwestern und Pflegekräfte abwälzen. Aber hier müsse sich dringend etwas ändern, meint sie.

Die Redaktion nahm diese Erfahrungen zum Anlass, im Stauferklinikum nachzufragen, und hat Pressesprecher Andreas Franzmann einen Fragenkatalog geschickt. Hier die Antworten.

Kann es wirklich sein, dass eine Patientin nachts läutet und dann eineinhalb Stunden auf Hilfe warten muss?

Andreas Franzmann: Auf den großen Stationen sind jeweils drei Pflege-Mitarbeiter im Nachtdienst. In den letzten Wochen waren dies aufgrund der hohen Personalausfälle teilweise auch nur zwei Kolleginnen oder Kollegen. Dadurch kann es durchaus vorkommen, dass ein Patient etwas länger warten muss, wenn unser Pflege-Personal gerade zu zweit etwa einen anderen Patienten versorgen und lagern muss. Allerdings sind 1,5 Stunden sicherlich etwas hoch gegriffen.

Wie kann das Klinikum hier gegensteuern?

Indem wir, wie zuletzt immer häufiger, unsere Leistungen reduzieren, das heißt, indem wir Betten schließen und planbare Eingriffe absagen. An diesem Punkt sind wir nach zwei Jahren Pandemie nun wieder angelangt und es wird deutlich: Wir müssen die Gesundheitsversorgung im Ostalbkreis dringend neu aufstellen, um die Situation langfristig für Patienten und Mitarbeiter zu verbessern.

Trifft es zu, dass Pflegemittel wie Pflaster oder Toilettenpapier oder gar Trinkwasser fehlen und sich die Patienten selbst versorgen müssen?

Nein, Hilfsmittel fehlen nicht, Dinge wie Pflaster, Toilettenpapier und natürlich auch Trinkwasser sind selbstverständlich vorhanden. In der aktuell angespannten personellen Lage kann es aber durchaus sein, dass fitte Patienten mehr in die Eigenverantwortung gehen müssen. Die Pflege arbeitet nach dem Defizit-Pflegeprinzip, das heißt, es werden primär Arbeiten übernommen, die der Patient aufgrund der akuten Erkrankung nicht übernehmen kann. Dadurch kann es vor allem in der momentanen Situation schon sein, dass ein gehfähiger Patient sein Trinkwasser selbst holen muss. Manche Patienten gehen von Hotelleistungen aus, das können wir jedoch nicht leisten.

Trifft es zu, dass die Laken, selbst wenn sie blutig sind, eine Woche nicht gewechselt werden?

Das ist eher unwahrscheinlich. Es ist immer schwer, ohne einen konkreten Fall dazu etwas zu sagen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, dem Personalmangel zu begegnen? Was kann das Klinikum selbst angehen und wo sehen Sie die Politik in der Pflicht?

Soweit es möglich ist, werden bereits jetzt Tätigkeiten, die nicht originär Pflegetätigkeiten sind, wie etwa das Austeilen des Essens, an Hilfskräfte ausgelagert. Dies wäre auch ein guter Ansatz in Richtung Politik, denn es sollte dafür auch eine redundante Gegenfinanzierung von Hilfskräften zur Entlastung der Pflege geben. Weitere Ansätze, den Pflegeberuf attraktiver zu machen, wären eine bessere Bezahlung der Nacht- und Wochenenddienste, möglicherweise auch Dinge wie ein früherer Renteneintritt bei Vollzeitarbeit und ähnliches. Ganz allgemein gesprochen: Vor allem die überbordende Bürokratie muss angegangen werden, Pflegekräfte müssen wieder die Zeit haben, sich um ihre Patienten zu kümmern.

Nicht überzeugt

Katja Grau ist von diesen Antworten nicht überzeugt. Es ärgere sie, dass sie als „nörgelnde Patientin“ dargestellt werde, die „Hotelleistungen“ erwarte. Sie selbst sei ja vergleichsweise mobil gewesen. Ihre beiden Mitbewohnerinnen allerdings nicht. Und diesen habe sie geholfen, zum Beispiel Wasser geholt. Sie frage sich: „Was ist mit Patienten, die sich und anderen nicht helfen können?“ Katja Grau sagt, es gehe ihr nicht um ihre Annehmlichkeiten. „Sondern um das Wohl aller Patienten.“

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