Corona bremst Fahrlehrer und Fahrschüler aus

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Klaus und Marc Tiede (von links) betreiben Fahrschulen in Heubach, Mutlangen, Lorch und Schwäbisch Gmünd. Sie könnten sofort mit dem Fahrschulunterricht beginnen, wenn es die Corona-Regeln erlauben.
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Die Fahrschulen sind seit Wochen geschlossen. Schüler und Lehrer sitzen in den Startlöchern. Fahrlehrer Klaus Tiede erzählt.

Heubach

Der einzige, der sich über den Lockdown freut, ist mein Hund", sagt Klaus Tiede und lacht. Seinen Humor hat der Fahrlehrer trotz der Corona-Pandemie nicht verloren. Die Fahrschulen sind zu, weder Fahrstunden im Auto, noch Theorieunterricht in den Räumen der Fahrschulen sind möglich. Das sorgt für viel Frust: auf Seiten der Fahrschüler und auf Seiten der Fahrlehrer. "Eine richtig blöde Situation", beschreibt es Klaus Tiede, der mit seinem Sohn Marc Fahrschulen in Heubach, Mutlangen, Schwäbisch Gmünd und Lorch betreibt.

Klaus Tiede bekommt viele E-Mails und Anrufe von Fahrschülern, die mit dem Unterricht weitermachen oder endlich starten wollen. Ein Fahrschüler warte beispielsweise dringend auf die Fahrprüfung, weil er derzeit eine Ausbildung zum Automechaniker macht, nennt Klaus Tiede ein besonders ärgerliches Beispiel. Der Betrieb würde den jungen Mann übernehmen, wenn er denn einen Führerschein hat. "Wir würden gerne unterrichten, aber uns sind die Hände gebunden", erklärt der Fahrlehrer. Zudem seien beim TÜV derzeit auch keine Prüfungen möglich. Was geht, ist Online-Unterricht. Den bietet die Fahrschule Tiede jetzt für alle Interessierten an. Zudem sind geführte Motorradtouren und Fahrertrainings für Auto und Motorrad geplant. Trotzdem: Die Wochen des Stillstandes könnten so nicht abgefedert werden.

Elf Fahrstunden am Tag

Klaus Tiede erzählt von der Zeit zwischen den Lockdowns: Da seien er und seine Kollegen im Dauereinsatz gewesen. elf Fahrstunden am Tag zu je 45 Minuten – mehr sei gesetzlich nicht möglich. Aber: In dieser Zeit durften die Fahrlehrer nur jeweils einen Fahrschüler im Auto sitzen haben. Das bedeutete für die Fahrlehrer: viele Fahrten im leeren Fahrschulauto, viel Zeit, die auf der Strecke blieb. Auch die Fahrschüler profitierten davon, bei anderen Fahrschülern mit im Auto zu sitzen, zu schauen, wie ein Autofahrer in bestimmten Situationen reagieren muss oder wo es in der Stadt knifflige Stellen gibt. All das fiel weg in den vergangenen Monaten. Fahrschüler bräuchten Routine. Wenn ein Fahrschüler jetzt wieder wochenlang ohne Fahrpraxis sei, sei der Einstieg beschwerlich, erklärt Tiede.

Wir würden gerne unterrichten, aber uns sind die Hände gebunden.

Klaus Tiede, Fahrlehrer

Theorieunterricht sei zwischen den Lockdowns möglich gewesen – unter Einhaltung der Corona-Regeln, mit viel Abstand zwischen den Schülern. Wo beispielsweise in Heubach normalerweise rund 30 Fahrschüler in einem Raum sitzen, waren es in dieser Zeit zwölf bis 13 Schüler, erklärt Klaus Tiede. Über Whatsapp hätten sich die Schüler für die Theoriestunden anmelden können. Das habe sich bewährt und gut funktioniert. Jetzt ist die Fahrschule Tiede auf Online-Unterricht umgestiegen. Die Fahrschulautos stehen still. Die angestellten Fahrlehrer und die Bürokraft mussten die Tiedes in Kurzarbeit schicken. Finanzielle Hilfen vom Bund gibt's bislang nicht. Klaus Tiede hofft auf einen Zuschuss zu den Fixkosten. Das seien im ersten Lockdown 9000 Euro gewesen. Zu wenig, aber immerhin. Schließlich liefen Leasingraten für die Autos und Mietkosten weiter, und für den Lebensunterhalt brauche auch der Inhaber einer Fahrschule Geld. "So viel kannst du nicht zurücklegen", sagt Klaus Tiede, der trotzdem optimistisch bleibt. Es sei gerade in keiner Branche leicht, Geld zu verdienen.

Sofort loslegen

Seine Hoffnung: Da die Fahrschulen in Corona-Zeiten wie Schulen behandelt würden und zu den freien Bildungseinrichtungen zählten, hofft er auf den Neustart, sobald die weiterführenden Schulen öffnen. "Wir könnten sofort loslegen", sagt der Fahrlehrer und freut sich auf einen vollen Terminkalender. Für ihn sei es auch nicht einfach, von 100 auf null herunterfahren zu müssen. Auch wenn er gerade mehr Zeit fürs Gassi gehen mit seinem Hund hat.

Die Fahrschule Tiede gibt es seit 1987

Klaus Tiede (63) ist seit 1979 Fahrlehrer. 1987 hat er seine eigene Fahrschule in Heubach eröffnet. Sein Sohn Marc ist seit 2009 als Fahrlehrer tätig. Die Tiedes betreiben Fahrschulen in Heubach, Mutlangen, Lorch und Gmünd. Im Moment beschäftigen sie einen Fahrlehrer in Vollzeit und einen Aushilfsfahrlehrer. Außerdem haben sie eine Fachkraft im Büro angestellt.

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