Das Jubiläumsgeschenk kommt aus Berlin

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Das Heubacher Schloss soll nun restauriert werden.

Vor 30 Jahren wurde der Verein Schloss Heubach gegründet. Am Mittwoch kommt die Zusage über eine Förderung von 470 000 Euro.

Heubach

Ein besonderes Jubiläumsgeschenk geht nach Heubach. Der Verein Schloss Heubach ist in diesem Jahr 30, der Bund bezuschusst die anstehende Sanierung des Schlosses mit 470 851 Euro.

Es ist Sommer 1991, Stadträte und geschichtsinteressierte Bürger aus Heubach unternehmen eine Rundfahrt mit Professor Kurt Kramer vom Landesdenkmalamt, sehen alte Gemäuer in Bietigheim und Neuffen, auch den restaurierten Kornspeicher in Tübingen. In der Stadt unterm Rosenstein wartet ein zentrales Gebäude auf die Sanierung: das Schloss, das seit 1985 im Besitz der Stadt ist. Mehreren Teilnehmern der Studienfahrt liegt das geschichtsträchtige Gebäude ganz besonders am Herzen: Sie gründen den Verein Heubacher Schloss. Stadtrat Helmut Klotzbücher wird zum Vorsitzenden gewählt, zu den Gründungsmitgliedern zählen auch schon seine Nachfolger Albrecht Vogel und Gabriele Leib. Der Verein könnte jetzt sein 30-jähriges Bestehen feiern. Ob es im Corona-Jahr dazu kommen wird, lässt Gabriele Leib noch offen. Sicher ist aber ihr Bemühen, das Projekt Schlosssanierung mit Nachdruck zu unterstützen. Ein zweites Jubiläum wartet schon: 2025 ist das Heubacher Schloss 500 Jahre alt. „Es wäre schön, wir könnten dann durch das sanierte Schloss gehen“, sagt sie.

Noch ist nicht alles in trockenen Tüchern. Architekt Harald Stock legt dem Heubacher Gemeinderat nach intensiven Prüfungen eine Kostenberechnung auf den Tisch: 6,9 Millionen Euro sind aus heutiger Sicht nötig. Die Räte beauftragen die Stadtverwaltung, sich um die Zuschussmöglichkeiten zu kümmern. Voraussetzung, dass das Vorhaben für Heubach finanzierbar wird. An diesem Mittwoch kommt grünes Licht für einen ersten Zuschuss. Die Gmünder Bundestagsabgeordneten Norbert Barthle (CDU) und Christian Lange (SPD) geben die Förderung aus dem zehnten Denkmalschutz-Sonderprogramm in Höhe von fast einer halben Million Euro bekannt.

Bürgermeister Frederick Brütting ist zufrieden: „Das Heubacher Schloss ist nicht nur für die Stadt Heubach, sondern für die ganze Region von großer Bedeutung. Deswegen freue ich mich sehr über den Zuschuss für unser Heubacher Schloss. Das ist eine gute und notwendige Grundlage zum Jubiläum des Schlosses.“ Die Sanierungsmaßnahme soll in den Jahren 2022 bis 2026 durchgeführt werden.

In einem Brief an die Mitglieder des Vereins Schloss Heubach blickt die Vorsitzende des Schloss-Vereins auf drei Jahrzehnte Arbeit zurück. Dabei erinnert sie an die Bedeutung des Gebäudes, das schon 1912 in die Liste der Denkmäler aufgenommen wurde. Und sie erinnert an die vielen Aktionen des Vereins, die nicht nur das Bewusstsein für historische Werte schärfen, sondern auch Geld in die Kassen spülen. Unzählige Stadtführungen zählen dazu, aber auch Aktionen im Schloss selbst.

Verein bringt auch Geld

Dort finden die Bibliothek, das Miedermuseum und die Sammlung „Geschichtssplitter“ von Gerhard Kolb Platz. Auch das Trauzimmer ist im Schloss. Im Dachstuhl erinnern Exponate an die Heubacher Textiltradition. Webstühle aus früheren Jahrhunderten sind dort zu sehen. Dieser Dachstuhl hat es in sich. Für eine gute Durchlüftung sind mittelalterliche Dächer nicht komplett abgedichtet. „Oft haben wir im Winter Schneewehen rund um die Webstühle im Dach beseitigt“, sagt Gabriele Leib. Auch das sei eine Leistung des Vereins Schloss Heubach, der mit der Verwendung der Finanzen vermutlich einmalig im Ort ist: „Wir sind der Verein, der von der Stadt kein Geld bekommt, sondern Geld gibt“, sagt sie und verweist auf Zuschüsse für Restaurierungen, etwa von Renaissance-Truhen im Schloss. Auch ein Holz-Gutachten sei schon bezuschusst worden.

Die eigentliche Renovierung ist aber für den Verein um viele Hausnummern zu groß, auch wenn die 44 Mitglieder ihre Beiträge zahlen, manchmal Spenden eingehen. Gabriele Leib hofft nun, „dass wir 2021 nicht wieder die Fehler der Restaurierung der 1990er-Jahre machen“. Falsche Sparsamkeit habe zu Folgeschäden geführt. So wurden im Fachwerk Holzteile nicht durch Eiche ersetzt, sondern durch Fichte. Die ist weniger widerstandsfähig. Vermutlich gab es auch Fehler bei den Farben. Historische Farben waren atmungsaktiv, neue Farben verschließen die Fläche darunter. Und beim Ausmauern der Gefache sei nicht immer nach historischem Vorbild gearbeitet worden. „Sogar Beton wurde verwendet.“

Schäden an den Giebelseiten erforderten jetzt eine erste Sicherung. Teile der Fassade sind derzeit verhüllt. Inzwischen habe die Stadt für die Untersuchungen und Planungen schon einen sechsstelligen Betrag aufgewendet. Würde man die Sanierung nun zeitlich verschieben, seien all die Arbeiten noch einmal erforderlich.

Das ist eine gute Grundlage.“

Frederick Brütting,, Bürgermeister

Seit 1985 im Besitz der Stadt Heubach

Die Sanierung kostet aus heutiger Sicher 6,9 Millionen Euro. Davon sind rund drei Millionen Euro für das Bauhandwerk nötig, samt Schreiner-, Schlosser- oder Zimmerarbeiten. Die Technik kostet 550 000 Euro, die Restaurierungen belaufen sich auf 1,7 Millionen Euro, die Baunebenkosten 1,6 Millionen Euro.

Im Jahr 1525 kaufte Georg VII. von Woellwarth das Gelände und errichtete einen dreigeschossigen Rechteckbau. Nach dessen Tod diente das Schloss eine Zeit lang als Witwensitz seiner Gemahlin Barbara Eckbrecht von Türckheim. 1726 ging das Schloss an Württemberg. 1737 wurde es für 3100 Gulden an den Heubacher Wundarzt Johann Knauß versteigert. Im 19. Jahrhundert wurde es zwischen mehreren Besitzern aufgeteilt. Im Jahr 1985 entschloss sich die Stadt Heubach zum Kauf des fast zerfallenen Gebäudes.

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