Der Ostfelsen wird zur Streichholzlandschaft

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Der 35 Tonnen schwere "Woodcracker" kappt derzeit die Kronen von 150 Buchen auf dem Rosenstein.

Auf dem Rosenstein werden rund 150 Buchen gekappt, bevor sie durch herabstürzende Äste zur Gefahr für Waldbesucher werden.

Heubach

Wohin man am Ostfelsen des Rosensteins auch blickt, überall dasselbe Bild: Dürre, vertrocknete Baumkronen bei den vielen Buchen. Sanierungsversuche des Forst BW im Staatswald hatten keine Chance. "Schweren Herzens mussten wir bereits im Februar das ganze Gebiet absperren", beschreibt Förster Henning Fath. Er kann sich in seiner 30-jährigen Berufserfahrung nicht erinnern, jemals ein solches Buchensterben gesehen zu haben. Zum einen liege es an der Hitze im Sommer, zum anderen an der Trockenheit, erklärt der Waldexperte. Der Baum habe einfach nicht mehr genug Kraft, den Saft hoch in seine Krone zu pumpen. Die Folge: Die Baumkronen sterben ab und werden dürr.

Gefahr für viele

Problematisch an der Sache ist, dass herabfallende Äste zur Gefahr werden. "Und wir haben hier eine große Gemengelage", zählt Fath auf: Archäo-Pfad, Fauna-Flora-Habitat-Gebiet, Strecke für Mountainbiker, Waldrefugium, beliebte Wanderwege und einiges mehr. Es sei klar gewesen, dass dringender Handlungsbedarf besteht.

Seit der Sperrung des Waldgebietes am Ostfelsen waren Gutachter unterwegs, um die Bäume unter die Lupe zu nehmen. "Hier findet sich eigentlich alles, was artenschutzrechtlich Rang und Namen hat", spricht Fath von Wanderfalken, Mopsfledermäusen und Co. Und aus diesem Grund konnte im Sommer nichts gegen die absterbenden Buchen unternommen werden. "Da sind Setz- und Brutzeiten." Auch der Start im November musste verschoben werden. Grund hierfür waren Mopsfledermäuse, die sich in Schlitzen an den Stämmen immer noch aufhielten.

So wurde es nun Mitte Dezember, bis die Aktion für die Gefahrenbeseitigung startete. Hierfür kam ein sogenannter "Woodcracker" zum Einsatz Er schneidet die vertrockneten Baumkronen ab. Die Stämme bleiben stehen. "Die werden jetzt weiterfaulen" und zu einem späteren Zeitpunkt beseitigt, erklärt Fath.

Mit viel Fingerspitzengefühl sitzt derweil Roger Hobi am Steuer des "Woodcrackers". Er ist Mitarbeiter der gleichnamigen Firma "Hobi Forst", die sich um diese spezielle Art des Kappens von Kronen kümmert. Er sorgt dafür, dass der Baumstamm auf einer vom Forst und den Gutachtern vorgegebenen Höhe abgeschnitten wird. Ein großes Messer durchtrennt den Stamm wie Butter, wobei die Krone gehalten wird. Ist der Stamm durchtrennt, wird die Krone behutsam auf die Erde gelegt.

In zehn Jahren wieder grün

Das Erstaunliche ist, dass das Spezialfahrzeug keine üblen Reusen auf dem Waldboden hinterlässt. Obwohl es satte 35 Tonnen wiegt. "Ich bin selbst wirklich hocherfreut", beschreibt Henning Fath. Er habe Roger Hobi gebeten, mit dem "Woodcracker" keine geraden Linien zu fahren. So wollte er eine Schneise im Wald verhindern. "Aber das hier könnte man mit einem Rechen wieder hinkriegen", stellt er zufrieden fest.

Die gekappten Kronen bleiben auf dem Boden liegen. "In einem Waldrefugium wird nichts weggeräumt. Das Totholz ist wichtig für die Tiere", so Fath. Die von ihrer Krone getre Henning nnten Baumstämme wirken wie überdimensionale Streichhölzer. Doch Fath beruhigt: "Durch die Naturverjüngung ist hier in spätestens zehn Jahren wieder eine grüne Wand."

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