Der „Rosenstein-Doktor“ lag wohl richtig

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Rekonstruktion der Befestigung des „Wall C“ in ihrer ersten Bauphase. Der Blick geht von Südosten über die Wehrmauer und die Traufkante des Rosensteins hinaus bis ins Remstal. Quelle: LAD; Faber-Courtial
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Welche Erkenntnisse die Grabungen ergeben haben, die zwischen 2016 bis 2019 auf dem Mittelberg und dem Rosenstein liefen, und welche Rolle sie bei einer aktuellen Ausstellung spielen.

Heubach

Von 2016 bis 2019 waren Archäologen der Denkmalpflege auf dem Mittelberg und dem Rosenstein zugange. Ihre Forschungen sind nun Teil einer Wanderausstellung, die von Sonntag, 6. Februar, bis Sonntag, 21. August, in Rottenburg am Neckar zu sehen ist. Welche Erkenntnisse brachten die Grabungen? Für die Forschenden um Grabungsleiter Dr. Christian Bollacher zeichnete sich immer deutlicher ab, dass es sich auf dem Mittelberg und dem Rosenstein „um ein einzigartiges Ensemble keltischer Höhenbefestigungen aus der Frühlatènezeit“, genauer aus dem 5. Jahrhundert vor Christus handle.

Die Ausgrabungen am „Wall C“, einer Befestigungslinie,die den westlichen Teil des Rosensteinplateaus an einer natürlichen Engstelle abriegelt, haben nach Ansicht der Forschenden Einblicke in ein besonderes Konstruktionsprinzip keltischer Wehrbauten eröffnet. Systematisch sei Kalktuff verwendet worden, ein poröses Sedimentgestein aus den Schichtquellen der Albtrauftäler. Es könne leicht abgebaut werden und verfestige sich bei Austrocknung zu einer Art Mörtel – ein Effekt, den die keltischen Baumeister am Rosenstein für die Stabilisierung ihrer Wehrmauer nutzten.

Der Nachweis, dass sich die Kelten an den Sinterterrassen und Tuffbänken der Karstlandschaft zu schaffen machten, werfe ein neues Licht auf ein altes Rätsel, so die Forschenden. Angesichts der hervorragenden Gestaltungsmöglichkeiten, die der Kalktuff als Werkstoff eröffne, dränge sich die Frage auf, ob das in Wall C nachgewiesene Baumaterial das Zielprodukt der Baumeister gewesen sei oder ob man nicht eher von einer Werksteinproduktion ausgehen müsse. In diesem Fall wäre der Gesteinsbruch aus Wall C lediglich als Abfallprodukt zu deuten, das bei Steinmetzarbeiten anfällt und das man beim Walle C noch als primitiven Mörtel genutzt habe.

Schon Franz Keller, der Heubacher „Rosenstein-Doktor“, der sich vor einem Jahrhundert um die Erforschung des Rosensteins verdient gemacht hat, berichtete, dass ihm bei seinen Grabungen am Hauptwall immer wieder exakt gearbeitete Tuffsteinquader aufgefallen seien. Er habe diesen „ein prähistorisches Alter zugebilligt“. Entgegen dieser Annahme sei die vorherrschende Meinung der jüngeren Forschung gewesen, dass diese Steine ins Mittelalter gehörten.

Forschung gibt Keller recht

Das Team um Dr. Christian Bollacher verortet sie hingegen nun in der Latènezeit. Faszinierend sei freilich die Frage, wie man sich die Hauptbefestigung des Rosensteins unter Berücksichtigung der darin verbauten Tuffsteine wohl vorzustellen hat – es wäre reizvoll, sich im Rahmen künftiger Forschungen einer Antwort anzunähern, meint das Forscherteam.

Die Grabung am Wall C ergab außerdem diverse Siedlungsbefunde im Bereich des inneren Wallfußes, darunter Siedlungs- und Pfostengruben, deren detaillierte Auswertung noch bevorstehe. Sie seien größtenteils der keltischen Besiedlung zuzuordnen, umfassten aber auch Spuren eines spätmittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Pfostengebäudes, das zur Ökonomie der Burg Rosenstein oder zu einem später hier bezeugten Besoldungsgut der Heubacher Keller oder Oberamtmänner gehört haben mag.

Aus dem reichhaltigen Fundmaterial seien einige Frühlatènefibeln, also Gewandnadeln, hervorzuheben, außerdem eine Bernsteinperle sowie Fragmente früher Graphittonware und einer stempelverzierten Linsenflasche.

Zeit des Umbruchs

Grundsätzlich sei die damalige Zeit wohl eine des krisenhaften Umbruchs gewesen, meinen die Forschenden. Vorangegangen war die Hallstatt-Zeit, bekannt sind deren Fürstensitze, etwa auf der Heuneburg, am Ipf oder am Hohenasperg. Irgendwann kollabieren diese Fürstensitze und auch die Zeit der großen Hügelgräber endet. In dieser Zeit, so die Ansicht der Forschenden, ziehen sich die Kelten in Großbefestigungen auf den Bergen zurück, auch auf den Mittelberg oder den Rosenstein. Im Gegensatz zu den Fürstensitzen seien dies wohl eher die Siedlungen der normalen Bevölkerung gewesen.

  • Der Rosenstein in der Wanderausstellung
  • Die Wanderausstellung „Die Kelten in Baden-Württemberg“ ist von 6. Februar bis 21 August im Römischen Stadtmuseum Sumelocenna in Rottenburg am Neckar zu Gast. Es handelt sich um eine „Flachwarenausstellung“. Sie zeigt Bilder von Funden und Fundorten sowie Texte dazu. Dem Rosenstein ist einer der elf Leuchtrahmen gewidmet.
  • Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16.30 Uhr sowie an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 10 bis 16.30 Uhr geöffnet.

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