Die Natur erleben geht nicht digital

+
An große Zeltlager oder das traditionelle Pfingstfest war wegen Corona lange nicht zu denken. Virtuelle Angebote gab es zwar, konnten aber echte Erlebnisse, wie eine Fahrradtour zum Eisessen mit den Pfadi-Jungs, nicht ersetzen.
  • schließen

Wie die Heubacher Pfadfinder in Pandemiezeiten die Gemeinschaft pflegen und wie sie die Herausforderungen der „anderen Zeit“ gemeistert haben.

Heubach

Der Stamm der Heubacher Pfadfinder Sankt Bernhard ist in die Altersstufen der Biber, Wölflinge, Jungpfadfinder, Pfadfinder und Rover eingeteilt. Die Vorstände, Danielle Griswold, Fabien Friedel und Julian Hegele, erzählen über die Herausforderung, das Pfadfinderleben, dass sich im Normalfall im Freien abspielt, über die langen Monate der Pandemie am Leben zu erhalten.

PC-Müdigkeit erkennbar

Die Schulschließungen im vergangenen März „gingen Hand in Hand mit der Absage von Gruppenstunden in Präsenz“. Die wöchentlichen Gruppenstunden seien aber eine der „wichtigsten Säulen“ der Pfadfinderarbeit. Digitale Gruppenstunden wurden ins Leben gerufen. Um die Mitglieder bei „der Stange zu halten“ gab es auch die Stammtische, die Leiterrunden und Sitzungen auf digitalem Weg. Dass diese „Alternativen“ über einen solch langen Zeitraum gehen sollten, daran hatte keiner der Pfadfinder jemals geglaubt. Mit immer neuen Ideen und Anregungen versuchten die „Oberpfadfinder“, ihre Schützlinge zu motivieren, an den Gruppenstunden teilzunehmen. „Nach einiger Zeit stellte sich eine gewisse PC-Müdigkeit und Lustlosigkeit bei den Kids ein“, nicht verwunderlich, wie sich die Vorstände einig sind, stundenlanger Schulunterricht am Computer und abends noch digitale Gruppenstunden waren einigen der Kinder zu viel und, der wichtigste Faktor, „Natur lässt sich nicht digital erleben“.

Einer der Höhepunkte der Heubacher Pfadfinder ist das jährliche Ferienlager in der ersten Woche der Sommerferien. Dass die Verordnungen kein Zeltlager in Frankreich zulassen, stand außer Frage. In wenigen Wochen wurde eine Alternative ins Leben gerufen, die den Kindern eine unbeschwerte Zeltlagerwoche ermöglichte, die Sicherheit und Gesundheit aber trotzdem oberste Priorität hatte. Vier „homogene“ Gruppen konnten an vier Orten in Deutschland das Lagerleben genießen, „die Begeisterung der rund 50 Kids war greifbar“. Eine kurze Erleichterung brachte der Herbst mit sich, der Plan der Heubacher Pfadfinder „die digitale Phase möglichst lang außen vor zulassen“, fiel bald den steigenden Infektionszahlen zum Opfer.

Den Winter über versuchten die Gruppenleiter über immer neue Angebote mit den Kindern im Austausch zu bleiben. Da gab es Pakete mit Spielen, Rätseln, Experimenten und Versuchen, die zuhause die Zeit überbrücken sollten. Kleinstgruppen konnten bei Geocaching, GPS-Schnitzeljagd genannt, auf Schatzsuche gehen, es gab virtuelle Bastelstunden und gemeinsames Kochen über den PC am heimischen Herd. Die Fantasie und das Engagement der Pfadfinder haben sich gelohnt, die Vorstände sind „stolz darauf, keinen Mitgliederschwund zu verzeichnen“. Dabei rücken die Mitgliedsbeiträge nach hinten, der so erkennbare Rückhalt der Gemeinschaft durch die Familien und Unterstützer, sowie das Netzwerk, gewoben aus Pfadfindern, der Stadt Heubach, der katholischen Kirchengemeinde, sei viel wertvoller.

Krise? So stark heraus wie hinein

Mit großem „Herzschmerz“ mussten die Heubacher Pfadis in ihrer fast 40-jährigen Tradition kürzlich zum zweiten Mal das größte Tagesfest und wichtigste Einnahmequelle, das Pfingstfest, absagen. Neben den Einnahmen vermissen die Pfadis „die tolle Gemeinschaft“, die über die Jahre mit den vielen Helfern und Besuchern entstanden sei. Auch hier gelte, „Gemeinschaft kann nicht digital ersetzt werden“. Jetzt mit den sinkenden Zahlen blicken Danielle Griswold, Fabien Friedel und Julian Hegele positiv in die Zukunft. Seit Mitte Juni dürfen wieder Präsenzgruppenstunden abgehalten werden, mit unglaublichem Aufwand werden die Treffen organisiert. Es gibt „Spiele mit Abstand“. Wichtig sei: „Die Kids sollen vor Ort Pfadfinder sein.“ Zum Rückweg zur Normalität gehört das Sommerzeltlager an der Hammerschmiede, „einige Plätze sind noch frei“. Die Krise habe den jugendlichen Hauptverantwortlichen gezeigt: „Zum Krisen bewältigen müssen wir zusammenrücken und wir gehen aus der Pandemie so stark heraus, wie wir hineingegangen sind.“

Zurück zur Übersicht: Heubach

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare