Ein Hungerschwarm auf Durchreise

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Eine Biene im Anflug.
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Wie ein Hobby-Imker einen Bienenschwarm an einem Baum in Heubach bewertet.

Heubach.

In einer Heubacher Facebook-Gruppe hat ein User Ende vergangener Woche ein Foto von einem Bienenschwarm an einem Baum an der Ecke Gmünder Straße/Ziegelwiesenstraße veröffentlicht. Dazu die Bitte: Falls ein Imker in der Gruppe sei, möge der sich das doch einmal anzuschauen.

Fabian Pradel hat das getan. Er ist Hobby-Imker aus Heubach. Übernommen hat er sowohl die dazu nötigen Gerätschaften als auch die Leidenschaft für die Tiere von seinem Großvater, der seit 67 Jahren im Gmünder Imkerverein aktiv ist. „Meine Mädels“, nennt er seine Bienen, um 30 Völker kümmert er sich. Nebenher, wann immer es sein Beruf im Klinikum Mutlangen zulässt. Vergangenen Freitag hat er von dem Schwarm erfahren. Sein Opa und er haben ihn sich angeschaut, auch, weil bei der direkten Nähe zum Gehweg durchaus einen Gefahr für Allergiker bestehen könnte. Sie gehen davon aus, dass es sich bei den Bienen um Tiere auf der Durchreise handle, einen sogenannten Hungerschwarm. „Wenn die Bienen an ihrem angestammten Platz kein Futter finden, hauen sie ab, um sich eine neue Umgebung zu suchen“, erläutert Fabian Pradel. Denn das Wetter in diesem Jahr sei ganz und gar kein Bienen-Wetter. Zu unbeständig, zu viel Regen, zu kalt. Und: „Die Grundfeuchte in der Luft ist zu gering, als dass die Blüten genügend Nektar beinhalten“, so Pradel. „Mein Opa, der ja viele Jahrzehnte im Geschäft ist, meint, so ein Jahr hatten wir noch nie.“ Weil der Schwarm immer nur so viel Futter dabei habe, wie er für die Übersiedlung brauche, müsste ein Imker, der ihn mitnähme, die Tiere durchfüttern. Das kann Fabian Pradel, der mit seinen 30 Völkern ohnehin schon am Limit ist, nicht leisten.

Ein anderer möglicher Grund für den Aufbruch des Schwarms: Der Druck im Volk durch den Schädling Varroamilbe wird zu groß. In dem Fall würde aber jeder Imker, der die Bienen umsiedelt, riskieren, sich den Befall auf seine gesunden Völker mit nach Hause zu nehmen.

Der Hobby-Imker geht davon aus, dass der Heubacher Schwarm an dem Baum nur einen Zwischenstopp eingelegt hat, von alleine weiterzieht und sich, etwa in einem hohlen Baum, eine neue Heimat sucht. Dazu sende der Schwarm Kundschafter aus, um am Ende mehrheitlich zu entscheiden, wohin die Reise gehen soll. „So ähnlich wie im Bundestag“, meint Fabian Pradel lachend. So ist es wohl auch gekommen. Er habe am Montagmittag noch einmal nachgeschaut, da sei der Schwarm nicht mehr da gewesen. David Wagner

  • So geht's den Bienen im Land
  • Bei der Honigbiene hat sich die Bestandssituation in Baden-Württemberg nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums zahlenmäßig gut entwickelt. Im Jahr 2020 gab es nach Zahlen der zwei Imkerverbände in Baden und Württemberg rund 186 000 Bienenvölker im Land. Im Vergleich zum Vorjahr bedeute dies einen Zuwachs von rund 6000 Völkern. In den letzten zehn Jahren sei die Anzahl der Bienenvölker sogar um rund 25 Prozent angestiegen. Bei den Wildbienen seien die Bestände dagegen rückläufig. Allein in Deutschland gelte jede Dritte der 560 Wildbienenarten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. 39 Arten seien sogar schon ausgestorben, so das Ministerium.

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