Ein iPad für jeden ab Klasse fünf

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Tablets an Schulen.
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Alle Schüler der weiterführenden Schulen in Heubach sollen ab dem kommenden Jahr mit dem eigenen Tablet im Unterricht arbeiten können. Hierfür investiert die Stadt rund 142 000 Euro.

Heubach

Die Umfrage ist ausgewertet: Die Mehrheit der Eltern an den Heubacher Schulen hat sich für das Projekt „1 Schüler - 1 iPad“ ausgesprochen. Die Idee dahinter: Ab dem kommenden Jahr sollen sämtliche Schüler ab der fünften Klasse an den Heubacher Schulen ein iPad für den Schulunterricht erhalten. Zwei Möglichkeiten gibt's zur Auswahl: Die Stadt stellt jedem Schüler entweder für schulische Zwecke ein iPad als Leihgerät kostenlos zur Verfügung oder sie bezuschusst den privaten Kauf eines iPads mit 100 Euro pro Schüler. Die Bedingung: Mindestens 70 Prozent der Eltern müssen sich für die Kaufoption entscheiden. Für maximal 30 Prozent kann die Stadt Leihgeräte anschaffen. Deshalb hat die Verwaltung eine Umfrage gestartet, wer für sein Kind ein iPad kauft und wer eines leihen möchte. Die Hürde ist genommen: 743 Eltern kaufen ihrem Kind nun ein Tablet, die Stadt schafft 251 Tablets als Leihgeräte an.

Die Info-Briefe wurden versandt, im November müssen die Eltern die Geräte online bestellen und bezahlen. Auf sie kommen pro iPad mit Zubehör rund 400 Euro an Kosten zu, auf die Lehrer der weiterführenden Schulen neue Herausforderungen. „Jede Neuerung bringt zusätzliche Arbeit mit sich“, sagt Gabriele Straubmüller, Schulleiterin der Realschule. „Wir freuen uns jedoch über die Möglichkeiten, die sich durch die iPads ergeben.“ So könne Unterricht noch schülerfreundlicher, vielfältiger und zukunftsorientierter gestaltet werden.

Dies bestätigt ihr Kollege Thorsten Krischke, Schulleiter der Schillerschule. Im vergangenen Schuljahr arbeiteten die Schulen bereits mit Leihgeräten. „Nun entfallen noch die Probleme, die das Weitergeben der Tablets unter anderem bei Einstellungen, Anmeldedaten und Speicherung der Dateien mit sich brachte.“  

Auf Seiten der Schüler ist die Freude über die Tablets groß, berichten alle Schulleiter. Schon jetzt fragten viele, wann die neuen Geräte denn endlich kommen. „Manche erkennen allerdings noch nicht die Notwendigkeit, über, mit und am Medium zu lernen“, berichtet Christoph Huber, Schulleiter des Rosenstein-Gymnasiums. Viele Schüler hätten bereits Apps mit Ratespielen wie etwa Kahoot oder die Möglichkeit von Film- und Tonaufnahmen im Sprachunterricht kennen- und schätzen gelernt.

Digital-Lehrplan muss her

Der meiste Arbeitsaufwand für die Lehrer werde nun beim Erstellen eines Digital-Lehrplans anfallen. Dieser soll laut Christoph Huber technische  Basiskompetenz, fachspezifische Inhalte und Medienkompetenz beinhalten. „Es ist in der Tat notwendig, das Medium iPad pädagogisch sinnvoll zu nutzen.“ Dessen Einsatz könne das schülerzentrierte Lernen wirksam fördern, ergänzt Gabriele Straubmüller. Im Moment liege der Fokus darauf, neue Methoden und Apps zu erproben, berichtet Thorsten Krischke. „Wir müssen herausfinden, wo die Arbeit mit den Tablets einen pädagogischen Mehrwert bietet und wo dagegen analoges Lernen einen besonderen Wert hat.“

Schule ohne Hefte und Bücher? Nein. Es werde gerade bei Heften mit Notwendigkeit weiterhin „analog“ zugehen, sagt Huber. Für die Bücher ist am Gymnasium eine digitale Lizenz jeweils vorgesehen. „Sie bleiben uns noch erhalten, trotzdem werden die Schultaschen viel leichter.“ An der Realschule werden die Lehrkräfte die digitalen Lehrwerke zunächst in den Hauptfächern verwenden. Je nach Fach, den Einsatzmöglichkeiten und den vorhandenen finanziellen Mitteln sollen weitere digitale Lehrwerke eingesetzt werden. Straubmüller: „iPad-Notizen und Ordnerstrukturen werden die klassische Heftführung teilweise ersetzen.“ Auch die Schüler der Schillerschule haben schon Erfahrungen mit iPad-Notizen gesammelt, an die die Schule anknüpfen möchte.

Schule ohne Heft und Buch?

Dennoch werde es auch Bereiche geben, in denen ein Heft aus Papier weiterhin seine Berechtigung hat, erläutert Krischke. „Bei den Schulbüchern werden wir auch Printausgaben haben, alleine schon, um sie bei der Arbeit neben das Tablet legen zu können.“ Ergänzend sichte das Kollegium die Lizenzbedingungen der Schulbuchverlage, „da wir auch die Schultaschen entlasten möchten“.

Der Einsatz von Tablets biete in nahezu jedem Fach zusätzliche Möglichkeiten der pädagogischen Arbeit, ergänzt Heubachs Bürgermeister Dr. Joy Alemazung. Es habe sich aber gezeigt, dass eine umfassende und regelmäßige Einbindung dieses Mediums nur möglich ist, wenn jedem ein eigenes iPad zur Verfügung steht. Die Stadt habe bewusst eine Strategie mit Elternbeteiligung gewählt, um dadurch, abgekoppelt von temporären Landes- oder Bundeszuschüssen, dauerhaft digitale Endgeräte den Schülern anbieten zu können. Dafür investiert sie etwa 142 000 Euro.

Der Großteil der Elternschaft sehe dem Projekt positiv entgegen, berichten die Schuleiter. Bei den Informationsabenden habe es kristische Stimmen und viele Fragen gegeben, die nach und nach geklärt werden konnten. Entscheidend sei die Erkenntnis, dass Medienerziehung nur als gemeinsamer Bildungsauftrag von Eltern und Schule gelingen kann, findet Huber.

WLAN an allen Schulen

Die technische Ausstattung an den Schulen passt: Sie sind laut Bürgermeister in Sachen WLAN alle gut aufgestellt. Die Stadt und das Zentrum für Schulqualität haben Schulungen für die Lehrkräfte angeboten, schulintern gebe es ebenfalls Fortbildungen, ergänzen die Schulleiter. Denn an allen Schulen gibt's die volle Bandbreite. Sehr versierte Kolleginnen und Kollegen, aber auch solche, die erst im vergangenen Jahr mit den Leihgeräten in Kontakt mit iPads gekommen sind.

Digitalisierung an Schulen: Wer soll das bezahlen?

Im Rahmen der Digitalisierung der Heubacher Schulen wurde von den Schulleitungen immer wieder die 1:1-Ausstattung der Schüler mit Tablets angesprochen. Derzeit sind verteilt auf die fünf Heubacher Schulen insgesamt 263 Schüler-iPads im Einsatz. Ab 2023 soll jeder Schüler ab Klasse fünf sein eigenes Tablet erhalten - teilweise finanziert von der Stadt, größtenteils aber durch die Eltern. 743 Eltern kaufen nun an den weiterführenden Schulen iPads für ihre Kinder, die Stadt schafft 251 Tablets an. Sie investiert rund 142 000 Euro.

„Die Landesregierung muss sich schnellstens mit den kommunalen Landesverbänden einigen, wie die schulische Digitalisierung zukünftig finanziert werden soll“, heißt es in einer Pressemitteilung des Philologenverbands Baden-Württemberg. Dessen Landesvorsitzender Ralf Scholl stellt fest: Für die aus Bundesmitteln angeschafften Tablets gibt es bislang kein tragfähiges Wartungskonzept. Noch weniger gebe es ein Konzept dafür, wer die fehlenden etwa 45 000 Lehrerrechner und die rund eine Million fehlender Schülerrechner im Land bezahlen soll. „Klar ist, dass generell die Kommunen die Sachkostenträger der Schulen sind.“ Klar ist aber auch, dass die Ausrüstung mit Notebooks oder Tablets eine neue und sehr teure Aufgabe ist. Dass die Kommunen dafür Geldzuweisungen vom Land wollen, könne jeder nachvollziehen, dem klar ist, dass es um Beträge im mittleren dreistelligen Millionenbereich geht. Scholl: „Ob es angesichts solch massiver Kosten überhaupt sinnvoll ist, jeden Schüler mit einem Tablet auszurüsten, ist eine völlig offene Frage.“ Erste Studien zeigten, dass es bislang pädagogisch nicht automatisch Vorteile bringe, wenn Schüler mit Tablets oder Notebooks arbeiteten. Nachweislich sei das handschriftliche Arbeiten gedächtniswirksamer als reines Tippen und Wischen. Digitale Endgeräte könnten aber die Methodenvielfalt zusätzlich bereichern und seien an den geeigneten Stellen nicht mehr wegzudenken. Aus Sicht des Philologenverbands wäre es sinnvoller, Gelder nicht vorrangig in Hard- und Software, sondern in zusätzliche Lehrkräfte zu investieren und so die Klassen deutlich zu verkleinern.

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