Ein Weinhandel der besonderen Art öffnet in Heubach

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Lecker Wein mit toller Aussicht: Martin Barth (rechts) möchte ab Ende August in den ehemaligen Räumen von "betten.de" einen Weinhandel eröffnen. Vermieter Ulrich Carsten und Simone Schurr als städtische Leerstandsbeauftragte freut's.
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Warum Martin Barth in den ehemaligen Räumen von "betten.de" in der Adlerstraße einen Weinhandel eröffnen will und welche Strategie der Stadt gegen Leerstände dahintersteckt.

Heubach

Na dann, Prost!" Leise klirren die Weingläser beim Anstoßen. Martin Barth, Simone Schurr und Ulrich Carsten nehmen einen kleinen Schluck Rotwein. Schmeckt wunderbar, darin sind sich alle einig. Ebenso darin, dass die Aussicht phänomenal ist. Die drei stehen in der Adlerstraße 17 an einem rustikalen Stehtisch aus Holzpaletten, sie blicken Richtung Bernhardskirche, Fernsehturm und Ruine Rosenstein. Ein echtes Heubach-Panorama.

"Fast bereue ich es, hier ausgezogen zu sein", scherzt Ulrich Carsten. Von 2003 bis 2019 war in dem Gebäude der Kundenservice seiner Firma "betten.de" untergebracht. Irgendwann war zu wenig Platz für das wachsende Unternehmen: "betten.de" wechselte ins "weiße Haus" in der Hauptstraße, das die Firma Triumph frei gemacht hatte. Seitdem stand Adlerstraße 17 leer. Das wird sich Ende August ändern. Dann will Martin Barth hier einen Weinhandel eröffnen.

Weinwanderung in Heubach?

23 Jahre lang war Martin Barth bei Triumph angestellt. Jetzt will er etwas Neues wagen. Und alles rund ums Thema Wein habe ihn schon immer fasziniert. Dazu hat er verschiedene Fortbildungen absolviert. An der "Kellerbar" in seinem Elternhaus in der Hauptstraße veranstaltet er seit Jahren am Gründonnerstag ein "Wein-Event" samt Blindverkostung. Vom Weingut Hirsch aus Heilbronn habe er ein großes Sortiment. Zunächst plante er den Weinhandel in jener Kellerbar. Weil das Gebäude aber in einem reinen Wohngebiet liegt, ging der Antrag auf Befreiung vom Bebauungsplan im Januar nicht durch den Bauausschuss.

Gut, dass Ulrich Carsten was frei hatte. Er könne nur jeden Immobilienbesitzer ermutigen, innovativen Ideen eine Chance zu geben. "Wir müssen die Hürden für neue Geschäfte und Ideen möglichst niedrig halten und die Leute auch mal etwas versuchen lassen", betont Carsten. Deshalb sei die Miete für den Weinhändler zumindest am Anfang eher symbolisch. Um den Start zu erleichtern. Zu viele Vermieter sitzen nach Meinung Carstens auf "ihrem hohen Ross" und ließen Räume lieber leer stehen, als dass sie auf etwas verzichteten. "Dabei gewinnen bei einem neuen Laden doch alle", sagt Carsten – der Unternehmer, der Vermieter, die Stadt. Für ihn sei klar: "Lieber etwas Innovatives unterstützen, als einen Leerstand zu haben." Bei jedem neuen Unternehmen brauche es viel Willen, Ideen und die Bereitschaft, Energie reinzustecken. All das sehe er bei Martin Barth. "Er hat eine große Affinität zu dem Thema und ein super Gespür", findet Carsten. Zudem sei Barth bodenständig, mit den Kunden auf Augenhöhe. "Der braucht kein Gehabe."

Martin Barth bestätigt, er wolle "ein etwas anderer Weinhändler sein". Zum Beispiel? Ein Schreiner baue gerade einen Leiterwagen um. Der könne dann als Gefährt für Weinwanderungen benutzt werden. "Das gibt es bei uns meines Wissens bislang nicht", meint Barth. Und das bei dieser Landschaft vor der Haustüre, sagt Barth und verweist auf den Rosenstein, den Scheuelberg, den Sand. Auf dem Marktplatz wären kleine Weintreffs denkbar, "nette, zwanglose Zusammenkünfte", meint Barth. Vor Corona habe die Stadt bereits Zustimmung signalisiert.

Viel umbauen oder sanieren muss der neue Mieter in der Adlerstraße nicht. Im Eingangsbereich neue Böden, dazu die Wände neu streichen. Die Theke, an der künftig Wein zur Verkostung kredenzt werden soll, stand bereits bei "betten.de". In einem Raum mit Glasfront mit Blick Richtung Rosenstein kann sich Martin Barth prima eine Lounge vorstellen. "Zum Whiskey probieren und Zigarren rauchen", sagt er. Aber das sei noch Zukunftsmusik. "Es gibt jedenfalls ein top Be- und Entlüftungssystem. Das würde also funktioniert", bekräftigt Ulrich Carsten.

Leerstände füllen

Simone Schurr schaut sich in den noch leeren Räumen um, auf dem Boden Eimer mit Wandfarbe und ein Malerteppich. "Ja", sagt sie, "ich kann mir das richtig gut vorstellen". Auch Veranstaltungen sieht sie schon vor ihrem inneren Auge: "Weingut Hirsch und Hirschbrauerei – da geht doch was", scherzt sie.

Simone Schurr arbeitete ebenfalls bei Triumph, seit Anfang des Jahres ist sie als "Kümmerin" bei der Stadt mit dafür zuständig, Leerstände zu füllen. Wie Martin Barth und Ulrich Carsten – also Mieter und Vermieter – zusammengefunden haben, das ist für sie genau die richtige Vorgehensweise. "Das ist eine feine Sache, genau so geht das."

Neue Ideen ermöglichen

Wie bringt man Vermieter und an einem Unternehmen Interessierte zusammen? Genau diese Schnittstelle bearbeitet Simone Schurr als städtische Kümmerin für Leerstände. Auf der Internetseite der Stadt Heubach gibt es unter "Wirtschaft" einen Gewerbe-Immobilien-Service. Hier sind die Exposés, der derzeitig zur Verfügung stehenden Leerstände in Heubach ersichtlich. Vermieter und Interessenten können sich bei Simone Schurr oder im Rathaus melden, Mail: simone.schurr@heubach.de. dav

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