Ekbert Hering: Der Erfolgsautor verrät sein Geheimnis

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Ekbert Hering mit einem seiner erfolgreichen Bücher
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Prof. Dr. Dr. Ekbert Hering über seine 123 Bücher, die im Regal 3,60 Meter ausmachen, und seinen Bestseller über Physik für Ingenieure.

Heubach

Der Physiker und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Dr. Ekbert Hering war von 1997 bis 2007 Rektor der Hochschule Aalen. Er hat zahlreiche technische und wissenschaftliche Fachbücher verfasst. Über seine Autorentätigkeit hat er mit Bernhard Hampp gesprochen.

Ihr Gesamtwerk als Autor kann sich sehen lassen. Wie viele Bücher sind es inzwischen?

Inzwischen habe ich 73 Bücher veröffentlicht, dazu kommen etwa 50 Neuauflagen. Diese 123 Bücher machen, chronologisch geordnet, in meinem Regal 3,60 Meter aus.

Was ist das erste Buch in dieser Reihe?

Das ist der Band „Taschenrechner für Wirtschaft und Finanzen“, den ich 1981 gemeinsam mit Prof. Hans-Peter Kicherer veröffentlichte. Der Vieweg-Verlag suchte einen Autor, der Finanzmathematik und betriebswirtschaftliche Kennzahlen erklärt und mit dem Rechner ermittelt, um den Absatz dieser Finanztaschenrechner anzukurbeln. Der Rechner kam mir dann auch selbst bei der Finanzierung des Neubauvorhabens „Burren“ der Hochschule Aalen zugute. Das Finanzministerium hatte nämlich irre Zahlen aufgestellt, die ich nun nachrechnen und korrigieren konnte.

Weitere Fachbücher folgten. An welche erinnern Sie sich besonders?

Einer früher Bestseller war das Buch „Software-Engineering“ von 1984, das sich etwa 100.000 mal verkaufte. Anschließend war ich maßgeblich am Aufbau einer ganzen Reihe Computerbücher im Vieweg-Verlag beteiligt. Das waren Bücher wie „Mathematische Probleme der Betriebswirtschaft“, „Marketing mit dem PC“ und viele mehr, die zwischen 1986 und 1993 erschienen sind. Programmierbücher und Bücher zu Softwarepaketen folgten. Zu dieser Zeit erlernte ich das Hochgeschwindigkeitsschreiben.

Bis heute am Markt halten konnte sich neben anderen Ihr Lehrbuch Physik für Ingenieure von 1988.

Ja, dieses Buch ist soeben in der 13., überarbeiteten Auflage erschienen. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hatte sich damals entschieden, ein praxisnahes Lehrbuch speziell für seine Mitglieder, die Ingenieure, herauszubringen, geschrieben aus der Sicht des Anwenders. Dieses Werk hat fast alle anderen ähnlichen Bücher vom Markt verdrängt und sich an Universitäten, Hochschulen und als Nachschlagewerk in der Praxis etabliert. Das Vorwort schrieb damals der deutsche Physiknobelpreisträger Klaus von Klitzing. Außer durch viele Anwendungsbeispiele zeichnet es sich durch grafisch anspruchsvolle Gestaltung aus. 1989 wurde es deshalb bei der Internationalen Buchkunstausstellung in Leipzig mit der Silbermedaille ausgezeichnet. So habe ich die letzte Verdienstmedaille der ehemaligen DDR erhalten.

So lange hielten sich viele ihrer andere Bücher nicht am Markt.

Nein, viele Computerbücher waren nur kurze Zeit aktuell. Eines davon, „Unternehmensanalyse mit Javelin“, war bereits überholt, als es auf der Cebit vorgestellt werden sollte, weil die Softwarefirma verkauft und das Programm aus dem Markt genommen wurde. Bücher zu Software gibt es heute kaum noch, weil die Programme eigentlich immer eine Hilfsfunktion besitzen. Kein Mensch braucht etwa heute noch ein Word-Buch.

Und Fachinformationen kann man bequem im Netz finden. Warum gibt es überhaupt noch Fachbücher?

Ein Buch ist ein Kompendium, das Zusammenhänge strukturiert vermittelt und eine Übersicht bietet. Hier kann knapp und konzentriert das Wesentliche erklärt und mit Beispielen vertieft werden.

Welchen Rat würden Sie angehenden Fachbuch-Autoren geben?

Auf dem Gebiet der Technik gilt es, am Puls der Zeit zu sein und ein Netzwerk von Experten in der Praxis aufzubauen.Wichtig ist: kurz, treffend, strukturiert, anschaulich und einprägsam zu schreiben sowie anhand von praktischen Beispielen die Zusammenhänge zu erklären, ohne Reklame für bestimmte Produkte.

Woran arbeiten sie zurzeit?

Zum einen entsteht gemeinsam mit der Hochschule Aalen ein Explorhino-Begleitbuch zum Verstehen und Weiterdenken. Außerdem bearbeite ich gerade die Übersetzung meines Buches über „Sensoren in Wissenschaft und Technik“ ins Englische. Und schließlich – ich bin ja seit mehr als 40 Jahren in der Aalener Fastnacht tätig – ein Buch mit meinen gesamten literarisch-politischen Büttenreden als „Deutscher Michel“.

Was planen Sie für die Zukunft?

Mit 73 Büchern gebe ich mich nicht zufrieden, 80 sollten es schon werden. Ein Herzenswunsch wäre, meine Familiengeschichte als literarisches Kompendium zu veröffentlichen. In mein Computerbuch „Operation Research mit dem PC“ habe ich ja bereits einen Teil der Hering´schen Familiengeschichte hineingeschmuggelt. Ich sammle gerade Material für ein umfassendes Buch, aber dafür benötigt man wirklich sehr viel Zeit.

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