Erster Heubacher Turm Opfer der Albuchstürme

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Von Soldaten des 13. Württembergischen Pionier-Bataillons im Jahr 1905 errichtet: der Aussichtsturm auf dem Heubacher Hochberg. Knapp zehn Jahre stand er dort. Foto-Repro: jhs
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Im Heubacher Gemeinderat geht es erneut um das Projekt eines Holzturmes auf dem Utzenberg – Schon einmal hatten die Heubacher einen Aussichtsturm.

Heubach

Ob das etwas wird mit dem Projekt Albturm in Heubach: Es wird sich zeigen. Es wäre dann das dritte große Turmprojekt, das in Heubach auf den Weg gebracht wurde – nach dem Fernsehturm, der in den 60er-Jahren gebaut wurde und der stolze 162,5 Meter maß, bevor er vor einigen Jahren um rund 20 Meter gestutzt wurde. Und es gab schon viel früher einen besonderen Turm in Heubach, errichtet zu Beginn des 20. Jahrhunderts, im Jahr 1905. Denn zu dieser Zeit, Württemberg war damals ein Königreich, da gab es das "Königlich Württembergische Pionierbataillon No. 13", stationiert in Ulm, damals noch versehen mit dem Attribut "Festungsstadt". Denn Ulm hatte Europas größte Festungsanlage, erbaut in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus den Erfahrungen der napoleonischen Kriege heraus. Pioniere, das sind die Bauspezialisten in der Truppe. Ganz vereinfacht gesagt: Sie kümmern sich darum, dass die eigene Truppe dorthin kommt, wo sie hinkommen soll. Gräben ausheben, Wege bauen oder Quartiere: Das ist der Job und den muss man üben. Im Zusammenhang mit einer solchen Übung kam es zum Heubacher Turmbau, wie der langjährige Heubacher Stadtarchivar Gerhard Kolb in einem Aufsatz für die Schriftenreihe "Ostalb Einhorn" notiert hatte.

Pioniere in Heubach: Am 8. Februar 1905, so hat es Kolb herausgefunden, habe der Kommandeur des Pionierbataillons, ein Major Dinkelacker, das Angebot des königlichen Forstamtes Gmünd angenommen, eine Waldübung in Heubach durchzuführen. Ziel der Übung sei es gewesen, die "kriegsmäßige Ausbildung der Mannschaften in den technischen Dienstzweigen" zu fördern durch die "Herstellung von Brücken, Anlagen und Wegen, Durchhauen von Schneisen und Bau von Aussichtstürmen". 20 Offizieren und 400 Mannschaftsdienstgrade kamen dazu nach Heubach, lagerten am Glasenberg – und bauten in der Zeit ab Mai 1905 bis ins Jahr 1906 den heute noch bestehenden Pionierweg auf den Rosenstein - die Straße, auf der Besucher von Heubach hinauf fahren können auf die Hochfläche zum Rosensteinparkplatz. Dies habe einem "längst im Herzen der Einwohnerschaft schlummernden Wunsch" entsprochen, die einen Fahrweg auf den Rosenstein und nach Lauterburg gewollt habe. Die Pioniere bauten zudem einen Steg, der von der sogenannten "Steinschraube" hinüber zum Heubacher Staatswald führte – und eben jenen Turm auf dem Hochberg, der je nach Quelle, zwischen 12 und 27 Meter hoch gewesen sein soll und den ein "Leutnant Baas" nach einem "dreifachen Hoch auf seine Majestät den König" in das "Eigentum, die Fürsorge und die Obhut der Stadtgemeinde Heubach" übergab.

Es soll danach noch ein wenig Händel gegeben haben – aber auf höherer Ebene ausgetragen, zwischen Bataillonskommandeur und Gmünder Forst. Ums liebe Geld ging es und die Frage, wer was bezahlen soll. Den Heubachern war dies schnurz. Sie freuten sich über den Turm, wenngleich nicht lange. Der Chronik nach habe dieser "Pionier-Turm", gebaut aus "den stärksten Buchen des Gemeindewaldes", nicht lange gestanden. "So fest sein Fuß gegründet und durch Cement befestigt war, hielt der Turm den Albuchwinterstürmen nicht stand, sondern tat im Winter 1914/15 einen jähen Fall", heißt es dort.

Dem Steg ist es ähnlich ergangen. Der Pionierweg jedoch, den gibt es heute noch. Major Dinkelacker soll sich beim Abmarsch der Soldaten aus der Rosensteinstadt bedankt haben für die große Gastfreundschaft der Heubacher. Und wer weiß, vielleicht hat der eine oder andere Heubacher sogar ein bisschen Ulmer Blut in seinen Adern. Heute noch erinnert der sogenannte "Pionier-Felsen" am Pionierweg an die Zeit, als die Zweite Kompanie des Pionierbataillons in Heubach zugange war.

Das neue Projekt: Das Thema Turm lässt die Heubacher nicht locker. Den höchsten Holzturm Deutschlands will Heubach auf dem Utzenberg auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände bauen – nicht weit weg vom Hochberg. Bisher steht dort auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände ein ebenso hoher Funkturm, 2017 hat die Stadt den gekauft. Die Idee eines Holzturmes stammt von Jürgen Graf, Professor und Bauingenieur aus Heubach. Statischer Kern des Aussichtsturms ist der bestehende Funkturm. Um diesen herum soll sich eine Wendeltreppe nach oben winden, unterbrochen von mehreren Plattformen.

Die Pläne sind schon recht weit gediehen. In der nächsten Sitzung des Heubacher Gemeinderates am Dienstag soll eine weitere Hürde genommen werden. Es geht um "regio-win"-Fördermittel, für die sich die Stadt bewerben möchte.

Wann der Turm fertig ist? Wenn es nach dem Heubacher Bürgermeister Frederick Brütting geht, spätestens im Jahr 2027 zur "Internationalen Bauausstellung" IBA in Stuttgart. Damit es dem Turm nicht so ergeht, wie dem ersten Heubacher Aussichtsturm, der gerade mal zehn Jahre stand, setzt Heubach nun auf neuartige Methoden, das Holz haltbar zu machen. Geplant ist wie vor mehr als 100 Jahren, heimisches Buchenholz zu verwenden. Allerdings modifiziert, um das Holz belastbarer und dauerhafter gegenüber holzzerstörenden Pilzen zu machen. Der Fachmann nennt das Holz dann "acetylierte Buche".

So soll er einmal aussehen: der aus Holz gebaute Albturm, den die Stadt auf dem Utzenberg bauen will. Fotomontage: Stadt Heubach

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