Eschen: Sind die Fällungen in Heubach gerechtfertigt?

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Rund ums Schützenhaus mussten, laut Forstverwaltung aus Sicherheitsgründen, viele Eschen gefällt werden.
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Am Heubacher Bärenhaldeweg beim Schützenhaus wurden viele Eschen gefällt. Ist die Maßnahme wirklich nötig? Und wer verdient eigentlich daran? Antworten vom Forstdezernat.

Heubach

Entlang des Bärenhaldewegs Richtung Schützenhaus und weiter gen Lautern hat die Forstverwaltung in den vergangenen Tagen Eschen fällen lassen. Mit dem Ausmaß sind nicht alle einverstanden. Tagespost-Leserin Elke Buchsteiner hat sich deswegen an die Redaktion gewandt.

Sie schreibt: „Unter dem Deckmantel des Eschentriebsterbens werden in der Bärenhalde in Heubach zur Zeit massive Baumfällaktionen durchgeführt. Statt einzelne kranke Eschen zu entfernen, werden zu beiden Seiten des Weges breite Schneisen abgeholzt. Dabei werden nicht nur zahlreiche weitere Bäume gefällt, sondern auch biologisch wertvolle Lebensräume wie Hecken und Waldsäume sinnlos zerstört.“ Der Einsatz großer Maschinen beschädige außerdem teilweise die Rinde gesunder Bäume, eine ideale Eintrittsstelle für Pilze. Damit sei ein weiteres Absterben der Bäume dort programmiert.

Angesichts dieses „Kahlschlages“ und der großen Holzberge stellten sich ihr zwei Fragen: „Wer verdient an dem gefällten Holz und wie viele Menschen wurden denn bisher von umfallenden Eschen in der Bärenhalde verletzt? Meiner Meinung nach rechtfertigt das Eschensterben nicht solch ein starkes Eingreifen in die Natur, die durch den Klimawandel bereits sehr unter Druck steht.“

Die Tagespost hat diese Fragen an die Forstverwaltung weitergeleitet. Wolf Noack vom Forstdezernat sagt: „Die Formulierung 'unter dem Deckmantel' lasse den Rückschluss zu, dass hier angenommen werde, die Stadt Heubach und die Forstverwaltung hätte anders gerichtete Ziele, die mit dem Eschensterben getarnt werden sollten.“ Das sei mitnichten der Fall, so Noack. Die Maßnahme am Bärenhaldeweg sei enorm aufwendig, kostenintensiv und zeitraubend und es wäre für alle Beteiligten wesentlich einfacher, gar nichts zu machen – was unter dem Aspekt Verkehrssicherheit aber keine Option sei.

Im besagten Gehölzstreifen entlang des Weges stehen laut Noack zu 80 bis 90 Prozent Eschen. Das liege am Standort, dem Nordhang und dem kalkreichen Boden, der für die Esche optimal sei. „Leider sind die Eschen flächendeckend vom Eschentriebsterben befallen und sterben in großer Zahl und sehr rasch ab. Wir haben überall die Situation, dass nach einem stärkeren Wind und gelegentlich auch unvermittelt Eschen umfallen. Wald und Baumbesitzer haben eine Verkehrssicherungspflicht entlang von Straßen oder Wegen, daher können sie besonders kritische Situationen nicht sehenden Auges ignorieren. Im Schadensfall haftet der Besitzer“, betont Noack.

Kein Gewinn zu erwarten

Ganz bewusst seien einzelnen Bäume, Baumgruppen, Gehölze, die keine Eschen sind, stehengelassen worden, so der Sachgebietsleite. Umso bedauerlicher, als die Esche eine ideale Baumart wäre, um mit den veränderten Klimabedingungen zurechtzukommen, da sie auch auf trocken-warmen Kalkstandorten eine ökologische Nische habe.

„Der Eingriff wurde entlang des Weges durchgeführt und muss natürlich auch auf einer gewissen Tiefe stattfinden, da die Bäume ja hoch sind und beim Umfallen den Weg erreichen können“ so Noack weiter. Im Wesentlichen handle es sich bei den Bäumen um „Sukzession“, die auf einem Streifen im Übergang zwischen Grünlandnutzung und Weg aufgelaufen und im Laufe der Jahre zu größeren Bäumen durchgewachsen seien. „Bereits kranke Eschen zu fällen, ist aus Arbeitssicherheitsgründen hochproblematisch. Die Maschine kann das sicherer, schneller und wirtschaftlicher erledigen“, so Noack. Die Rindenverletzungen seien sicher nicht im großen Stil vorhanden, ansonsten kaum vermeidbar. Faulhöhlen seien im Übrigen auch wertvolle Habitatstrukturen.

Zur Frage, wer mit dem Holz Gewinn macht, antwortet Wolf Noack: „Wenn es ganz optimal läuft, kann die Maßnahme über den Verkauf des Brennholzes und der Hackschnitzel gegenfinanziert werden. Ein Gewinn ist nicht zu erwarten. Die gewonnene Biomasse kann aber zumindest auf kurzen Wegen einer klimaneutralen Verwertung zugeführt werden.“

Mehr Bilder gibt's online auf www.tagespost.de.

Im Schadensfall haftet der Besitzer.“

Wolf Noack,, Leitung Forstdezernat
Forstarbeiten am Heubacher Schützenhaus.
Forstarbeiten am Heubacher Schützenhaus.
Rund ums Schützenhaus muststen, laut Forstverwaltung aus Sicherheitsgründen, viele Eschen gefällt werden.
Forstarbeiten am Heubacher Schützenhaus.

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