Fahrrad-Museum: Auch das E-Bike sieht echt alt aus

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Historische Tandems findet Thilo Krauß spannend: Im Vordergrund ein Gericke Renntandem, Baujahr 1927, mit Schwerlastspeichen.
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Fahrrad-Geschichte und Sammler-Geschichten: Thilo Krauß führt durch sein kleines Museum in der Heubacher Hauptstraße.

Heubach

Vielleicht sind seine Eltern schuld: Als Thilo Krauß zur Konfirmation ein Fahrrad bekam, war es nicht das Jungherz mit Rennlenker, das er eigentlich haben wollte - zu teuer, fanden seine Eltern. Oder es liegt an seinem Kumpel, der einige Jahre darauf, mit 18, ein altes Herrenrad von einem Bauern geschenkt bekam.

Heute ist Thilo Krauß Fahrradsammler, Ausstellungsmacher, Museumschef. Sein erstes historisches Rad war ein NSU, Baujahr 1943, das er als 18-Jähriger per Zeitungsannonce in Gmünd gesucht und gefunden hat. Seitdem sind zig Räder dazugekommen. 20 davon stellt der heute 48-Jährige zur Zeit in seinem Pop-up-Museum in der Heubacher Hauptstraße aus. Eröffnung war bei den Regionaltagen in Heubach, bis zum Ende des Jahres kann man Führungen vereinbaren.

Der Museumsführer Thilo Krauß fängt gern klassisch an - mit der Geschichte des Fahrrads, und dass sie in Heubach ziemlich früh begonnen hat. „1897 haben junge Heubacher den ersten Heubacher Radfahrverein gegründet“, erzählt er. Es war Jugendbewegung, kaum anders als in unserer Zeit: Jetzt treffen sich die Kids bei der Pumptrack in Heubach; um die vorvergangene Jahrhundertwende war es in, Sportvereine zu gründen. Die Elterngeneration schaute kritisch auf die Jungen, die den Trend aus den Großstädten nachahmten und ihre Schaffenskraft lieber beim Radfahren oder Fußball spielen einsetzten als bei der Arbeit.

Thilo Krauß‘ Schwerpunkte von Sammlung und Ausstellung liegen etwa in der Mitte zwischen Anfängen und Gegenwart: Alltagsräder von 1920 bis in die 50er-Jahre, wie sie Millionen Deutsche als wichtigstes Verkehrsmittel hatten, Rennräder vor allem aus den 70er- und 80er-Jahren - und rund 100 Jahre alte Tandems. Für eines davon ist Thilo Krauß extra nach Berlin gefahren, um dort das rote Gericke Renntandem, Baujahr 1927, zu kaufen. „Das wollte ich unbedingt haben.“

Berlin ist eher die Ausnahme, viele der Räder hat Krauß in Heubach und Umgebung gefunden. Seit er mit seinem Hobby bekannt ist, bekommt er immer wieder alte Räder geschenkt. Und inzwischen vergrößert sogar die Ausstellung die Ausstellung: Ein Fahrrad hat der Sammler von Ausstellungsbesuchern aus Lorch geschenkt bekommen, es ist das modernste Rad im Raum, das aber schon sehr alt aussieht - ein 20 Jahre altes E-Bike von Yamaha.

Thilo Krauß verknüpft Rad-Geschichte mit eigenen Geschichten, erzählt wie er bei neu hinzugekommenen Rädern deren Herkunft erforscht, zum Beispiel mit Hilfe alter Polizeikataloge, in denen früher alle Modelle in Deutschland und ihre Merkmale aufgelistet waren, um damit Fahrraddiebstähle aufzuklären. Dass das eine große Angst war in früheren Zeiten, als Arbeitende viel länger auf ein Rad sparen mussten als heute, zeigt der so genannte Express-Lenker, den Krauß an einem österreichischen „Steyr-Waffenrad“ vorführt: Mit einem Hebel konnte man den Lenker abnehmen und mitnehmen - Wegfahrsperre von vor 100 Jahren.

Ein Hochrad, wie es vor 150 Jahren in Mode gekommen war, gibt es keines in der Heubacher Ausstellung. Aber Geschichten darüber hat Thilo Krauß natürlich auch parat. Und die Erkenntnis, dass sich seitdem nicht viel geändert hat: „Ein Hochrad war ein Statussymbol, das war cool. Wie wenn heute ein Jugendlicher mit dem 7000 Euro teuren E-Bike vorfährt.“

Info: Anfragen wegen Führungen unter Tel. 0160-2218628

Ein Hochrad war ein Statussymbol, wie heute ein 7000-Euro-E-Bike.“

Thilo Krauß ,, Fahrradsammler und -aussteller

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