Geldmangel wegen Corona?

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Schloss Heubach
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Wirkt sich die Pandemie direkt auf die Finanzen der Gemeinden aus? Die Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein geben Antworten.

Heubach

Viele Branchen leiden unter Corona, Gastronomie, Hotels und Dienstleister besonders. Auf die Finanzen der Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein hat das bis jetzt nicht durchgeschlagen. Dort sind selbst die Gewerbesteuer-Einnahmen stabil oder durch Umlagen kompensiert. Die Bürgermeister aus Heubach, Bartholomä, Böbingen, Heuchlingen und Mögglingen rechnen durchweg mit einem guten Jahresabschluss 2021. Für die Jahre danach hält sich der Optimismus in Grenzen. „Die Zukunft ist ungewiss“, sagt Adrian Schlenker aus Mögglingen.

Heubach kann sich über gute Zahlen im Finanzzwischenbericht freuen, der neulich auf den Tisch kam. „Wir liegen finanziell im Plan“, sagt der designierte Aalener Oberbürgermeister und derzeitige Verwaltungschef in Heubach, Frederick Brütting. Die Einnahmeseite habe sich um 900 000 Euro verbessert, das resultiere auch wegen Nachzahlungen aus dem Jahr 2019. In der Stadt beobachtet er Veränderungen in einzelnen Branchen, dennoch fließt die Gewerbesteuer. Entsprechend kann die Stadt unterm Rosenstein auch ihre geplanten Hausaufgaben erledigen. Dazu zählt in diesem Jahr der Umbau des „Übelmesser“-Gebäudes in eine Kita, die Kosten dafür belaufen sich auf 1,8 Millionen Euro. Investiert hat die Stadt in die Erschließung des Gewerbegebiets „Erlen“, die fast fertig ist. Wichtig sind Frederick Brütting der Ausbau der Nahwärmeversorgung und das große neue Wohngebiet „Auhölzle“. Dort soll im Herbst die Erschließung beginnen. Die Kosten des Grunderwerbs werden durch die Erträge aus dem Verkauf der Bauplätze in Kürze wieder ausgeglichen. Eine große Aufgabe wird die Sanierung des Schlosses werden. Im September möchte Brütting den ersten Schritt dazu unternehmen und ein Ingenieurbüro beauftragen. Die eigentliche Sanierung wird 2021 nicht mehr zu Buche schlagen.

Zeitplan verschiebt sich

Bartholomä spürt „derzeit noch keine finanziellen Auswirkungen wegen Corona“, sagt Bürgermeister Thomas Kuhn. In der Gemeinde seien viele Handwerksbetriebe ansässig, die auf starke Auslastung setzen könnten. So könne man auch die großen Vorhaben umsetzen, allen voran „unser Topthema Breitbandausbau“. 1,8 Millionen Euro nimmt man dafür in die Hand. Dabei spielt nun doch Corona eine Rolle. Nicht wegen der Finanzen, sondern wegen des Tempos. Man konnte nicht wie geplant im Herbst eine große Infoveranstaltung machen, auch die Gespräche mit betroffenen Grundstückseigentümern seien nur verzögert möglich gewesen. Also werde sich das Vorhaben auch noch ins nächste Jahr hineinziehen. Beseitigt werden sollen „alle weißen Flecken mit weniger als 30 Mbit/sec. Das ist vor allem in den Außenbereichen der Fall. Thomas Kuhn hat weitere Aufgaben angepackt: neue Bestattungsformen auf dem Friedhof, ein Gemeinschafts- Urnengrabfeld. Hergestellt habe das weitgehend der Bauhof. Dann setzt Bartholomä weiter auf Tourismus, hat das Konzept „Puls 3“ auf die Beine gestellt mit dem Dreiklang aus Wanderwegen, Radtour-Angeboten und Nordic. Dazu gibt es neue Ausschilderungen, Parkplätze und Aussichtspunkte. Am Wirtsberg steht dann ein überdimensionaler Sessel, von dem aus ein toller Ausblick in die Landschaft möglich sei. Für die Kosten in Höhe von 140 000 Euro gibt’s einen 40 000-Euro-Zuschuss aus dem Tourismusprogramm des Landes.

Böbingen investiert kräftig in die Bildung, vier Millionen wurden fürs Bildungszentrum angesetzt. Auch die Pausenanlagen sind ein Thema. Vor allem wegen des Baustoffmangels kam es zu Verzögerungen. „Stockt ein Gewerk, müssen alle folgenden warten“, sagt Bürgermeister Jürgen Stempfle. Finanziert ist auch der Anbau an das Feuerwehrgerätehaus, 450 000 Euro hat die Gemeinde dafür bereitgestellt. Ganz wichtig ist dem Bürgermeister, das kulturelle Angebot aufrecht zu erhalten. „Seit Ende Juni steht die Zeltüberdachung im Bürgerpark, wir hatten schon eine Reihe schöner Veranstaltungen.“

Hier kann nichts einbrechen.

Heuchlingen spürt mögliche finanzielle Auswirkungen von Corona nicht direkt. „Bei uns kann nichts einbrechen, weil wir bei der Gewerbesteuer auf einem ganz niedrigen Level liegen“, sagt Bürgermeister Peter Lang. Die wichtigste Einnahmequelle ist der Finanzausgleich und da gelte für Heuchlingen das Motto: „Geht es Baden-Württemberg gut, geht es uns gut.“ Die Investitionen laufen wie geplant. Das Baugebiet Lindenbrunnen ist auf dem Weg, in einem ersten Bauabschnitt können 24 Plätze bereitgestellt werden. Die neue Kita ist fertig und gut 300 000 Euro kostet ein Gerätewagen für die Feuerwehr. Auch beschlossen ist der Kauf eines Fahrzeugs für den Winterdienst, macht 200 000 Euro.

„Mögglingen spürt 2021 keine finanziellen Auswirkungen auf die Projekte“, sagt Bürgermeister Adrian Schlenker. Einen Corona-Einbruch spüre man nicht. Wichtigstes Vorhaben ist für ihn das Medizinische Versorgungszentrum, das im Herbst fertig sein soll. Außerdem steht der Umbau an der Einmündung zur Westtangente an. In der Planung, aber ohne Auswirkungen auf den Etat 2021: das neue Feuerwehrhaus, die Kita und die Ortskernsanierung.

„Geht es Baden-Württemberg gut, geht es uns gut.“

Peter Lang , Bürgermeister

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