Heubach verabschiedet Brütting

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Landrat Dr. Joachim Bläse (rechts) dankte Brütting ebenso wie dessen Familie, Ehefrau Yeliz Ayvaz-Brütting und Sohn Ilyas.
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Viele lobende Worte der Anerkennung und des Dankes gab es am Freitagabend in der Stadthalle für den scheidenden Bürgermeister. Und einen Überraschungsfilm der Heubacher Bürgerinnen und Bürger.

Heubach. Doch, es gab Skepsis am Anfang. Damals im Jahr 2011, als ein 28-Jähriger namens Frederick Brütting Bürgermeister der Stadt Heubach werden wollte. „Der kommt mitm Fahrrad und hat koi Krawatt“, zitierte Landrat Dr. Joachim Bläse einen Zeitgenossen. Auch Brütting selbst erinnert sich an einen Leserbrief aus jener Zeit. Die Verfasserin befürchtete, dass man in Heubach „unter diesem Jungsozialisten bald nicht mehr 'Grüß Gott' sagen dürfe“. Dass diese Skepsis nach neun Jahren Amtszeit Anerkennung, Wertschätzung und Dankbarkeit gewichen ist, war den Beiträgen anzumerken, die am Freitagabend in der Heubacher Stadthalle zu hören waren.

Zuvor hatte der Noch-Bürgermeister alle geladenen Gäste persönlich am Eingang begrüßt, zu den Klängen der Werkkapelle Spießhofer & Braun. Zwischen den Reden zeigte das Klavierduo „Duo Motus“ mit Melis Ertürk und Türkü Su Dilan Özkaya sein Können.

„Kante gegen Extremismus“

Landrat Dr. Joachim Bläse meinte, Frederick Brütting stehe für ein starkes Ehrenamt, Kinder- und Jugendarbeit, Integration und Vielfalt, Beharrlichkeit, Zielstrebigkeit, Verbindlichkeit und Werte. Sich für andere einzusetzen, ziehe sich wie ein roter Faden durch seinen Lebenslauf. In Heubach habe er „Außerordentliches bewegt“. Als Beispiele nannte Bläse den Erhalt und die Weiterentwicklung der Wirtschafts- und Gewerbestruktur, die in Heubach einen „guten Mix“ bilde. Als „bekennender Klimaschützer“ sei es ihm aber überdies gelungen, zu zeigen, dass eben auch ein Bergrevival zu Heubach gehöre. „Er kann große Entwicklungen anschieben und trotzdem den Menschen Freiräume lassen“, meinte Bläse. Und trotz vieler Projekte habe Brütting die Finanzen der Stadt verantwortlich verwaltet und werde seinem Nachfolger „eine gut bestellte Stadt hinterlassen“. Großen Applaus erntete der Landrat mit der Feststellung, Frederick Brütting habe gegen jegliche Form von Extremismus „klare Kante gezeigt“ und beweisen, dass „unsere Demokratie wehrhaft“ sei.

„Ist das Turbo-Freddy?“

Heuchlingens Bürgermeister Peter Lang sprach für die Amtskollegen in der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein. Brütting habe vom ersten Tag an „Vollgas“ gegeben. „In Aalen nennt man das wohl Turbo-Freddy“, mutmaßte Lang. Dabei habe er aber alle Beteiligten mitgenommen und nie jemanden überfahren, sondern seine Aufgaben mit „Herz, Hand und Verstand“ erfüllt.

Julia Gaiser dankte als Gemeinderätin und stellvertretende Bürgermeisterin für „oft lange, aber oft so kurzweilig wie mögliche, Sitzungen und bilanzierte: „So macht Kommunalpolitik Spaß.“ Dann ließ sie die Leinwand herunter und, wie sie sagte, die Stadt sprechen. Auf einem mehr als halbstündigen Video erinnerten sich Heubacherinnen und Heubacher an erste Begegnungen oder denkwürdige Momente mit ihrem Bürgermeister. Pfarrerin Sabine Löffler-Adam etwa dachte zurück an seinen Antrittsbesuch im Pfarrhaus. Da habe er vier große Stück Hefezopf gegessen. Naja, meinte die Pfarrerin, „wie einer isst, so schafft er auch“. Selbst der meist kritisch nachfragende Stadtrat Günther Lux konstatierte, Brütting habe sich an die meisten seiner Versprechen gehalten ...

Frederick Brütting dankte den Gemeinde- und Ortschaftsräten für die Zusammenarbeit, die Sitzungen seien „bestimmt ein gutes Training“ für die sieben Teilorte in Aalen. Dankende Worte richtete er auch an die Feuerwehr sowie an die „tollen Amtsleiter und das starke Team im Rathaus für zehn wunderbare Jahre“.

Vor allem drei große Themen habe es gegeben in seiner Amtszeit, meinte Brütting: den Strukturwandel der Wirtschaft, den Klimawandel und die demografische Entwicklung. Heubachs Leitspruch sei „vielfältig, naturverbunden und innovativ“. „Ich denke, das stimmt alles“, bilanzierte Brütting und betonte: „Es war mir eine Ehre, Ihr Bürgermeister sein zu dürfen.“

Übrigens: Die Gäste begrüßte er anfangs mit einem „herzlichen Grüß Gott.“

Eine volle Stadthalle bei der Verabschiedung.
Der Noch-Bürgermeister begrüßte alle geladenen Gäste vor der Stadthalle persönlich.

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