Heubacher helfen Kollegen in Kiew

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Das Gebäude in der Kiewer Innenstadt, in der sich das Büro befindet
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Der Online-Fachhändler „betten.de“ ist über die Raumschmiede GmbH eng mit Mitarbeitenden in Kiew verbunden. Über ihre Situation berichtet Inhaber Ulrich Carsten.

Heubach

Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sind auch in Heubach zu spüren. Der Online-Händler „betten.de“ aus Heubach ist Teil der Raumschmiede GmbH. Diese sei unmittelbar vom russischen Überfall auf die Ukraine betroffen. „Seit 2020 arbeiten wir vor allem in den Bereichen Entwicklung, Stammdaten, Grafik, 3D-Datenerstellung und Kundenservice eng mit rund 40 Kolleginnen und Kollegen in Kiew zusammengearbeitet“, berichtet Gründer und Inhaber Ulrich Carsten.

Aus den Kollegen seien in der täglichen engen Zusammenarbeit auch Freunde geworden. „Seit wenigen Tagen erleben wir anhand dieser Menschen beispielhaft, welche dramatischen Veränderungen der Krieg für sie bringt. Wenn ein Kollege, der vor kurzem noch an einer internen Videokonferenz teilnahm, heute als Soldat für sein Land kämpft oder eine Kollegin über Nacht aus Kiew flüchten muss, macht uns das alle tief betroffen.“

Hilflos sei man allerdings nicht. Und erst recht nicht untätig. Das Unternehmen habe einen eigenen Krisenstab eingerichtet. „Unsere Hilfestellung reicht von der Organisation der Reise einschließlich der Übernahme aller anfallenden Reisekosten bis zum Finden einer Wohnung sowie der Finanzierung des Lebensunterhalts einschließlich einer Erstausstattung mit Dingen des täglichen Bedarfs“, sagt Ulrich Carsten. Seien die Menschen an ihrem vorläufigen Zufluchtsort angekommen, unterstütze man sie bei der eventuell nötigen Bürokratie vor Ort. Dies umfasse Behörden ebenso wie etwa die medizinische Versorgung oder die Einrichtung eines Bankkontos. „Zur finanziellen Absicherung bezahlen wir alle Gehälter weiter, unabhängig davon, wie und wo die Menschen zukünftig tatsächlich für uns arbeiten können.“

Enges Netzwerk eingerichtet

Die Raumschmiede beobachte die Situation fortlaufend und sei in täglichem, engem Kontakt zu den Menschen der ukrainischen Unternehmensfamilie. Man werde sie in ihren jeweiligen Bedürfnissen bestmöglich unterstützen.

„Wir haben zum Beispiel das Kind einer Kollegin, das auf einer Sportveranstaltung in Albanien war, über Wien nach Augsburg evakuiert und die Reise der Mutter über Polen und Tschechien nach Deutschland organisiert.“

Der Standortleiter in Kiew habe bei der Hilfsaktion „Großartiges geleistet“, so Carsten. Binnen kürzester Zeit sei für die Ausreise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Netzwerk in der Ukraine und in Polen eingerichtet und über Chatgruppen koordiniert worden. „Darüber wurden dann sichere Routen festgelegt und Informationen eingeholt, gefiltert und schnellstmöglich aktualisiert – etwa zu sicheren Mitfahrgelegenheiten und freien Grenzübergängen.“

Die Raumschmiede sei aktuell dabei, für die geflüchteten Menschen Wohnungen in Polen und Deutschland anzumieten. Sobald die Unterbringung gesichert und wieder ein bisschen Ruhe in den Lebensalltag eingekehrt ist, wäre sogar auch wieder eine Weiterarbeit möglich, um für diejenigen, die es möchten, zumindest ein winziges Stückchen dringend benötigte Normalität wiederherzustellen, hofft Ulrich Carsten.

Die gesamte Belegschaft der Raumschmiede nehme sehr großen persönlichen Anteil an der Situation der ukrainischen Kolleginnen und Kollegen und habe ein großes Bedürfnis zu helfen. Ein eigens eingerichtetes Spendenkonto werde rege gefüllt, zusätzlich gingen viele Sachspenden und weiterführende, persönliche Hilfsangebote ein.

Update am Donnerstagabend: „Es haben mittlerweile weitere Mitarbeiterinnen aus Kiew mit Kindern die Flucht über die Grenze nach Polen geschafft, diese sind an unseren Standort nach Posen gekommen, an dem wir ein Lager und ein Großraumbüro unterhalten“, berichtet Ulrich Carsten. „Wir haben ein großes Wohnhaus in Posen angemietet, an dem die Mitarbeiter mit Familien wohnen können.“ Man müsse sich das vorstellen: Einige der Mitarbeiter seien nicht davon abzubringen gewesen, bereits am Tag nach der Ankunft von dort aus zu arbeiten, obwohl sie freigestellt wären. Einfach, um wieder etwas Struktur, Normalität und Ablenkung in ihren Alltag zu bekommen. Die ersten Kinder seien auch bereits auf polnischen Schulen angemeldet. Man richte sich dort auf einen längeren Aufenthalt ein. „Dass der Krieg bald vorbei ist, scheint von unseren Kollegen kaum jemand zu glauben“, so Carsten.

Wenn ein Kollege heute als Soldat für sein Land kämpft, macht uns das alle tief betroffen.“

Ulrich Carsten,, Gründer betten.de

Betten.de und Raumschmiede GmbH

  • Die Raumschmiede GmbH betreibt nach eigenen Angaben die branchenführenden Online-Fachgeschäfte Garten-und-Freizeit.de (Garten- und Freizeitmöbel) und Betten.de (Matratzen und Schlafzimmermöbel) sowie den Onlineshop Piolo.de (Wohnungseinrichtung).
  • Die bayerische Zentrale der Raumschmiede in Genderkingen werde von den Standorten in Heubach und Kiew in der Ukraine unterstützt, schreibt das Unternehmen auf seiner Homepage. Alle logistischen Operationen würden sowohl im polnischen Posen als auch in der Zentrale in Genderkingen getätigt.
  • Die Raumschmiede GmbH ist Teil der Weko-Unternehmensgruppe.
Die Abteilungsleiterinnen des Kiewer Teams zusammen mit dem Kiewer Standortleiter Karl Dietrich.
Der Standort von Betten.de in Heubach.

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