Heubacher Schloss bekommt keinen Aufzug

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Das Heubacher Schloss bekommt keinen Aufzug.
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Heubacher Gremium diskutiert am Dienstagabend kontrovers über die alternativen Möglichkeiten. Bei der Abstimmung kommt es zu einem Patt. Was das nun bedeutet.

Heubach

Die Pläne zur anstehenden Sanierung des Heubacher Schlosses werden ohne einen Aufzug fortgeführt. Das ist das Ergebnis der Abstimmung im Gemeinderat am Dienstagabend in der Stadthalle.

Die Vorgeschichte

Bis zum Frühjahr war die vorherrschende Meinung im Gemeinderat, dass es im Schloss keinen Aufzug braucht, weil das Gebäude ohnehin nie ganz barrierefrei sein könne. Im März kam das Thema bei einer Klausurtagung aber erneut auf, mit der Konsequenz, dass der verantwortliche Architekt Harald Stock die Möglichkeiten für einen Aufzug prüfen solle. Diese Optionen legte der Fachmann dem Gremium am Dienstag vor.

Die Möglichkeiten

Der Architekt sah zwei Varianten: entweder einen Aufzug in den ohnehin notwendigen Treppenturm außen oder einen Aufzug im Inneren, im Bereich der Bibliothek. Stock empfahl die Variante im Inneren. Zum einen werde der Treppenturm im Außenbereich durch einen Aufzug noch wuchtiger, auch die Störungsanfälligkeit und der Wartungsaufwand sei größer. Zudem gebe es offene Fragen hinsichtlich der Benutzung: Wäre der Aufzug immer zugänglich? Und wer öffnet die Türen zu den oberen Stockwerken?

Der Aufzug in der Bibliothek hingegen sei eine „sehr gute Alternative“, so Stock. In diesem Bereich gebe es kaum historische Substanz, so dass es aus Sicht der Denkmalpflege eine verträgliche Lösung sein könnte. Das Modell wäre ähnlich wie der Aufzug im Rathaus, das durch seine großflächige Verglasung filigran wirken werde. Beide Varianten würden rund 200 000 Euro kosten, so der Architekt.

Stadtbaumeisterin Ulrike Holl berichtete, dass sie bezüglich des Aufzuges einen Termin mit der zuständigen Mitarbeiterin des Denkmalamts gehabt habe. Diese sei zunächst von der grundsätzlichen Idee eines Aufzugs am Schloss „entsetzt“ gewesen. Das Konzept im Inneren habe sie aber gar nicht so schlecht gefunden. „Sie sagte, sie wolle noch mal in sich gehen“, berichtete Ulrike Holl. Für die Verwaltung sei wichtig, dass in der heutigen Sitzung eine Entscheidung falle, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Auch Bürgermeister Dr. Joy Alemazung äußerte die Befürchtung, dass die Sanierung mit der Zeit immer teurer werden könne. Er plädierte dafür, die Pläne ohne Aufzug weiter zu verfolgen. Architekt Stock betonte allerdings, dass es selbst bei einer Entscheidung gegen den Aufzug etwa drei Monate dauern könne, bis alle Beteiligten wieder intensiv in die Planungen eingestiegen seien.

Die Diskussion

Dominik Frey meinte, wenn man schon in die Sanierung investiere, solle man den Aufzug gleich mitplanen. Immerhin werde das Schloss dadurch „barriereärmer“ und mehr Menschen werde die Nutzung ermöglicht. Schließlich sei das Schloss keine alte Ritterburg, die man kurz anschaue und dann nach Hause fahre. Sondern ein Gebäude, „das wir im Alltag gebrauchsfähig haben wollen“, so Frey. Dem schloss sich Frank Schührer an, erst recht, wenn es sowieso keine größeren zeitlichen Verzögerungen gebe. Günther Lux sagte, Ulrike Holl solle möglichst Einfluss nehmen auf „die sture Beamtin vom Denkmalamt“. Dann solle man rasch ans Werk gehen.

Gerhard Kuhn wiederum vertrat die Ansicht, dass das Schloss als historisches Gebäude keinen Aufzug benötige. Im Gegensatz zum Argument von Dominik Frey verwies er darauf, dass es im Schloss keine zu starke Nutzung geben solle. „Je zugänglicher, desto größer die Gefahr von Schäden“, meinte Kuhn. Ein Aufzug sei „nicht notwendig“. Wer heiraten wolle und Gäste habe, die keine Treppen steigen könnten, solle dies eben nicht im Schloss tun.

Karl Grötzinger betonte, dass seine Fraktion sich uneins sei. Er wollte wissen, ob es möglich sei, den Aufzug planerisch und statisch zwar vorzusehen, aber später einzubauen, um jetzt Kosten zu sparen. Architekt Stock nannte das „theoretisch möglich“, bezweifelte aber große finanzielle Einsparungen. Lukas Klotzbücher bestärkte Gerhard Kuhn: „Eine Hochzeit steht und fällt nicht dadurch, dass sie unbedingt im ersten Stock des Schlosses sein muss.“ Zudem müsse die Stadt sparen und die 200 000 Euro für den Aufzug würden anderswo fehlen. „Mir persönlich ist es das nicht wert.“

Die Abstimmung

Die Außen-Variante strich Bürgermeister als Option, weil sie niemand wollte. Bei der Abstimmung erhielten dann sowohl die Innen-Variante des Aufzugs als auch die Möglichkeit, die Pläne ohne Aufzug weiter zu verfolgen, jeweils acht Stimmen. Wie Hauptamtsleiter erläuterte, müsse nun zuerst über den „weitergehenden Antrag“ abgestimmt werden. Dies war die Variante mit Aufzug. Für diesen stimmten acht Stadträte, dagegen ebenfalls acht. „Bei einem Patt ist der Antrag abgelehnt“, so Häffner. Im Ergebnis bedeute das: Die Schloss-Sanierung wird ohne Aufzug weitergeplant.

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