Heubachs bekanntester Pizzabäcker ist gestorben

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Gino Bruni Clementelli.
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Luigi Bruni Clementelli – besser bekannt als Gino – wurde 68 Jahre alt. Die Pizzeria bleibt geöffnet.

Heubach. Eigentlich heißt er Luigi und eigentlich heißt seine Pizzeria "La Marinella". Doch ganz Heubach nennt ihn Gino. Und wer Pizza und Pasta mag, der geht auch "zum Gino". Am vergangenen Samstag ist Luigi Bruni Clementelli nach schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren gestorben.

Vor gut 50 Jahren kam die Familie Bruni Clementelli von Italien nach Deutschland. In ihrer Heimat – Matera in Süditalien – hatte die Familie ein Baugeschäft. Doch in der Krise 1968 ging es den Italienern schlecht, die Bauwirtschaft lag am Boden. Die Familie konnte ihre Angestellten nicht mehr bezahlen und wanderte aus nach Gmünd. Ein Glücksfall für alle, die italienische Kost lieben. Denn die Bruni Clementellis eröffneten in Schwäbisch Gmünd ihre erste Gaststätte, die "Pizzeria Harmonie". Es folgten in Gmünd das "Torstüble", die "Pizzeria Napoli", das Restaurant "Da Bruni" und die "Kanne". "Da wohnten wir im selben Haus oben drin", erinnert sich Ginos Tochter Bianca Bruni Clementelli.

1981 eröffnete Gino mit seinem Bruder Pino die Pizzeria im Hochhaus in der Karlsbader Straße 4 in Heubach. Dort ist Gino von da an Tag und Nacht zu finden, immer freundlich, immer gut gelaunt und immer mit bis zur Hälfte aufgeknöpftem Hemd, großen klimpernden Goldketten und Armbändern.

In der Küche werkelt Pino. Die beiden servieren Pizza Opa, Pizza Onkel, Rigatoni Mafiosi und natürlich Pizza Gino – mit Thunfisch, Shrimps und Silberzwiebeln. Sie bereiten frische Muscheln zu, schenken italienische Weine aus und plaudern mit ihren Gästen. "Bin ich wieder mal Onkel geworden", scherzt Gino, wenn Familien mit neugeborenem Baby in die "Marinella" kommen. "Viertelstund'", sagt Gino immer, wenn Kunden ihre Pizza am Telefon zum Mitnehmen bestellen.

"Die Pizzeria war sein zweites Zuhause", erzählen die Kinder. Für Urlaube mit der Familie sei deshalb kaum Zeit gewesen. Wenn Gino von der Arbeit kam, waren die beiden Töchter Bianca und Jenni und Sohn Roberto schon im Bett, morgens in der Schule. Obwohl wenig Zeit übrig war, tat Gino alles für seine Familie, zu der mittlerweile auch acht Enkelkinder gehören. "Er war eine Frohnatur – nicht nur in der Pizzeria, sondern auch daheim", sagen die Familienmitglieder, die in diesen Tagen viele Beileidsbekundungen erhalten – von der großen Verwandtschaft, von Freunden und Gästen der Pizzeria. Die Beerdigung von Luigi Bruni Clementelli fand am Donnerstag im engsten Familienkreis statt.

Die Heubacher Pizzeria führt Pino Bruni Clementelli mit seinen Angestellten weiter. Nur Gino wird fehlen, wie er am Tresen steht und seine Gäste begrüßt, oder wie er an seinem Stammplatz in der Ecke gleich links vom Eingang sitzt und ein letztes "Ciao, danke!" zum Abschied ruft.

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