In der Zeltstadt zählt Gemeinschaft

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Zwar kein richtiges Kidstown mit 150 Teilnehmern, aber das etwas kleinere Alternativprogramm „Plan C²“ in der Stellung unterm Rosenstein läuft seit Montag.

Was in Heubach als Alternative zum traditionellen Kidstown geboten wird, zeigt ein Rundgang am ersten Tagdes Ferienlagers.

Heubach

Eigentlich ist in diesem Jahr alles anders als sonst in der Kinderferienfreizeit „Kidstown“. Keine florierende Kinderstadt, in der sich die Kids durch ihrer eigenen Hände Arbeit die „Oschis“, sprich Ostalb-Euros, die offizielle Kidstown Währung erarbeiten müssen. Keine „Polizei“, die gewissenhaft ihrer Arbeit nachgeht und „Gangster und Verbrecher“ dingfest macht. Kino, Presse, Radio – Fehlanzeige. Aber eigentlich ist in der Heubacher Stellung alles doch wie in den Jahren zuvor.

Die Zeltstadt steht

Weiße Zelte dominieren den Anblick. Klar, die Ferienfreizeit heißt heuer alternativ zu Kidstown „Plan C²“, aber die Kinder sind immer noch dieselben, die mit Begeisterung das Alternativprogramm annehmen und umsetzen. Statt Verbrecherjagd, Bankgeschäften und Unterhaltungsbranche, gibt es in diesem Jahr mehrere „Handwerksbetriebe“. „Eigentlich haben wir denselben Aufwand wie beim traditionellen Kidstown“, erklären Sara Badawyia und Manuel Huber vom Stadtjugendring, statt der üblichen 150 jungen Teilnehmer wurde die Anzahl auf 50 gesenkt, aber „die Kids haben eine Ferienfreizeit verdient“, meinen Sara und Manuel.

Reges Treiben

In der Zeltstadt in der Stellung herrscht reges Treiben, Klopfgeräusche dringen aus der Schreinerei. Hier entstehen unter Anleitung der Betreuer Udo und Stephen kleine Staffeleien, es wird gehämmert und geschliffen. Trotz vorgegebener Arbeitsabläufe kommt die Kreativität nicht zu kurz, alles wird verwertet und die zehnjährige Kiara formt aus Sägemehl und Leim kleine Holzkugeln.

Julius pausiert gerade in einem Holzstuhl und absolviert eine „Schweigeminute“. Der Holzstuhl sei der „Wartesaal“ in der Schreinerei, scherzt Betreuer Udo und „ganz sicher keine Strafe“.

Im blauen Zelt, in der Kreativwerkstatt, wird mit höchster Konzentration gearbeitet. Der siebenjährige Erik ist fast ein bisschen stolz darauf, „die dreckigsten Finger“ zu haben, sein bemalter Tontopf dient später als Heimat für Kressesamen. „Es ist wichtig, dass die Kinder etwas Selbstgefertigtes mit nach Hause nehmen können“, meint Sara.

Die Freundinnen Lilly und Nina sind mit der Verzierung ihrer Tontöpfe fertig und freuen sich auf das Mittagessen, Spaghetti gehen immer. „Das Essen ist immer prima“, loben die zwei Mädels. Dass jeden zweiten Tag ein Corona-Test gemacht werden muss, stört sie nicht, „das kitzelt nur etwas in der Nase“, die Selbsttests sind für die Kidstown-Teilnehmer genauso selbstverständlich wie das Tragen der Masken außerhalb ihrer Werkstätten.

Im grünen Zelt wird Salzteig geknetet und eingefärbt, im Salzteigbearbeiten sind die elfjährigen Freundinnen Pia und Jojo „alte Hasen“, die Mädchenfraktion am Arbeitstisch ist sich einig: „Wir formen Herzen.“ Drücken gilt in der Malerwerkstatt nicht, „Malmuffel“ erhalten Alternativaufgaben, meint Betreuerin Saskia. Der elfjährige Vic macht gerade eine „kreative Pause“, Rike und Lou hingegen waren fleißig und präsentieren ihre Kunstwerke, die von den anderen Kindern mit Beifall bedacht werden.

Tolle Werkstätten

Mit höchster Konzentration sitzt der elfjährige Debil an der Nähmaschine und zaubert aus einem karierten Stoff ein Nackenhörnchen. Er habe bereits „Näherfahrung“ bei seiner Mama gesammelt meint er. Nebenan kämpft ein Junge mit dem Unterfaden an der Nähmaschine, der einfach nicht „mitgenommen“ werden will.

Die neunjährige Anna ist froh darüber, wieder in der Stellung zu sein. Zwar gebe es in diesem Jahr kein gewohntes Stadtleben, aber dafür tolle Werkstätten. Dass kein Geld zu verdienen ist, kann Anna verschmerzen. Dafür sei alles in diesem Jahr umsonst. Und überhaupt: „Die Gemeinschaft ist das Wichtigste. “

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