Keine „lahme Ente“, oder?

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Heubachs Noch-Bürgermeister Frederick Brütting auf der Großbaustelle am ehemaligen Triumph-Areal an der Mögglinger Straße. im Hintergrund die wachsenden Gebäude der Städtischen Wohnbau und die neue Klotzbachbrücke.
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Was Heubachs Bürgermeister Frederick Brütting in der Stadt unterm Rosenstein noch zu Ende bringen will, was er vermissen wird und was er nicht durchsetzen konnte.

Heubach

Die Amtszeit von Frederick Brütting als Heubachs Bürgermeister endet am 30. September. Danach geht er als frisch gewählter Oberbürgermeister nach Aalen. Wie er die Zeit bis dahin nutzen will, auf was er stolz ist und was er nicht erreicht hat und wie die Haus-Suche in Aalen läuft, darüber spricht er im Tagespost-Interview.

Herr Brütting, scheidende Regierungschefs werden manchmal als „lame duck“ bezeichnet, weil sie in der verbleibenden Zeit nicht mehr viel anpacken. Sind Sie auch eine lahme Ente?

Frederick Brütting: Im Gegenteil. Es ist eher so, dass viele Bürger kommen und sagen, dies und das müsse aber noch erledigt werden, solange ich da bin! Wir haben gut zu tun, gestern Abend gab's etwa ein intensives Gespräch zum Thema Nordumfahrung mit den betroffenen Landwirten. Von daher: Es fühlt sich überhaupt nicht so an, als wäre ich auf dem Absprung. Es sind ja auch noch ein paar Monate.

Was wollen Sie denn in der Zeit erledigen?

Es gibt eine Reihe kleinerer Projekte, die ich bislang einfach nicht geschafft, den Heubachern aber zugesagt hatte. Etwa WLAN an der Sporthalle oder für die Jugendinitiative Lautern oder neue Spielgeräte für den Spielplatz in den Rodelwiesen. Was ich zugesagt habe, will ich halten. Das betrifft auch ein paar Sachen für mein Rathauspersonal.

Die großen Projekte sind alle durch?

Nein, viele sind gerade voll im Werden, etwa das Triumph-Areal. An einiges, was ich zu Anfang meiner ersten Amtsperiode zugesagt habe, etwa die Sanierung der Stadthalle oder der Mehrzweckhalle Lautern, konnten wir aber einen Haken machen. Aktuell bin ich froh, dass wir jetzt das neue Baugebiet „Auhölzle“ zwischen Heubach und Buch mit fast 30 Bauplätzen beschließen konnten. Da gab es von den Bauwilligen eine berechtigte Erwartungshaltung, da konnten wir liefern. Ein weiteres Thema, das ich nicht abschließen kann, aber zumindest den nächsten Schritt noch begleiten, ist die Sanierung des Schlosses.

Wie ist da der Stand?

Wir haben wichtige Zuschüsse vom Bund bekommen, haben die Baugenehmigung und die denkmalschutzrechtliche Genehmigung, vom Land hoffen wir noch auf einen Zuschuss. Bis meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger so richtig angefangen hat, ist das jetzt ein gute Phase, die für die Planung genutzt werden kann. Das Geld im Übrigen ist da.

Es gibt Heubacher, die nicht so viel Geld ins Schloss pumpen möchten.

Wir können es doch nicht verfallen lassen. Die sieben Millionen Euro, die wir investieren müssen, werden ja verteilt auf sechs bis sieben Jahre, dazu die Zuschüsse. Bei den Finanzen sieht es derzeit auch gut aus. Das kann Heubach sich leisten.

Welche Projekte gelangen nicht?

Wir haben in der Gmünder Straße und der Hauptstraße durch die Förderprogramme viele Möglichkeiten für Privatleute geschaffen, ihre Gebäude zu modernisieren. Da hätten mehr mitziehen können, so günstig war das noch nie. Darüber ärgere ich mich schon. Auch die drei Windräder auf dem Utzenberg habe ich nicht durchsetzen können. Das wären für die Stadt immerhin 700 000 Euro seit 2014 gewesen.

Was werden Sie vermissen?

Freunde und Kollegen im Rathaus natürlich an erster Stelle. Wahrscheinlich auch den Gemeinderat ... Und einfach das Gefühl, durch die Stadt zu gehen und überall zu sehen, was wir über die Jahre angepackt haben.

Was bringt einen überhaupt dazu, so einen Posten sozusagen mittendrin aufzugeben?

Jedenfalls war es nichts, was mich von Heubach weggetrieben hätte. Die Herausforderung einer größeren Stadt ist schon reizvoll. Es waren also eher Pull- als Push-Effekte.

Was sagen Sie Heubachern, die darauf bestehen, Sie 2019 für weitere acht Jahre gewählt zu haben und sich verraten fühlen?

Das habe ich so ehrlich gesagt nie gehört. Viele sagen, sie sähen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich habe jedenfalls immer gesagt, dass ich für eine zweite Amtszeit antreten werde, das habe ich gehalten.

Wie geht es innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein weiter?

Mein Stellvertreter, der Heuchlinger Bürgermeister Peter Lang, wird den Vorsitz wohl bis zum Frühjahr übernehmen, dann wird der Vorsitzende neu gewählt.

Wann geht's nach Aalen?

Im August habe ich noch zwei Wochen Resturlaub, bleibe danach aber bis Ende September hier. Am 24. September gibt's eine Verabschiedung in der Stadthalle. Umziehen werden wir auf jeden Fall, wir suchen gerade ein Haus in Aalens Kernstadt, was sich bisher als schwierig erweist.

Die Bürgermeisterwahl in Heubach ist am Sonntag, 17. Oktober. Falls keiner der Antretenden die erforderliche Mehrheit erreicht, wäre am Sonntag, 31. Oktober, eine Neuwahl geplant.

Ausgeschrieben werden soll die freie Stelle ab Freitag, 6. August.

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