Manche waren gefühlt ihre halbe Jugendzeit in diesem Haus

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Abschied im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Heubach. Pfarrer Thomas Adam (rechts) und Pfarrer Rudolf Spieth nehmen symbolisch das Heiner-Lucas-Gemälde von der Wand.
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Evangelische Kirchengemeinde verabschiedet sich vom Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Symbolischer Auszug mit einem Kunstwerk von Heiner Lucas.

Heubach

Tische und Stühle sind schon weg, im Saal des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses der Evangelischen Kirche Heubach hängt noch ein einziges Erinnerungsstück an der Wand: eine Collage des in Heubach aufgewachsenen Künstlers Heiner Lucas zum Leben und Denken Dietrich Bonhoeffers. Am Ende einer kleinen Erinnerungsfeier ist auch das Kunstwerk an diesem Ort Vergangenheit. Die Kirchengemeinde hat das Dietrich-Bonhoeffer-Haus verkauft. So manche Gemeindemitglieder nehmen an diesem Nachmittag Abschied von einem Gebäude, das  ihr Leben mehr oder weniger geprägt hat.

Das Wort „Abschied“ kommt immer wieder vor, wenn Pfarrer Thomas Adam und Pfarrer Rudolf Spieth  an die jüngste Vergangenheit der Kirchengemeinde, an Bezüge zum Dietrich-Bonhoeffer-Haus erinnern.  Mit dabei sind auch Heubacherinnen und Heubacher, die den Bau des kirchlichen Gebäudes selbst miterlebt haben.

Es ist noch nicht so lange her: Mitte der 1990er-Jahre wurde es eröffnet. Die Idee dahinter, das weiß der langjährige frühere zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Manfred Gras: Heubach ist damals mächtig gewachsen, hunderte Menschen bevölkerten innerhalb weniger Jahre das neue Wohngebiet Rodelwiesen im Nordwesten der Stadt. „Die Kirche wollte dort ein Angebot machen“, sagt er.

Und dieses Angebot haben viele genutzt. Rudolf Spieth geht dort ein und aus, wohnt gleich nebenan und hat sein Büro im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Gerne erinnert er sich an die vielen Begegnungen mit Konfirmationsgruppen, an Gespräche bei Festen und im Kirchengemeinderat.

Ihn bewegt der Abschied genauso wie Pfarrer Thomas Adam. Auch der ist über die Jahre gerne dort. Das Haus jetzt auszuräumen – viele aus der Gemeinde haben schon vor einer Woche mit angepackt – fällt ihm nicht leicht. Aber er ist zuversichtlich. Er hat die Pläne für ein neues Evangelisches Gemeindehaus in der Klotzbachstraße vor Augen. Der Erlös aus dem Verkauf des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses wird dazu verwendet.

 In einer Machbarkeitsstudie, die jüngst dem Kirchengemeinderat vorgelegt wurde, sind die Ideen fixiert:   Das neue Gebäude  dürfte kleiner ausfallen als das bestehende Gemeindehaus. Vorgesehen ist ein Saal für rund 100 Personen, der auch aufgeteilt werden kann, dazu eine Küche. Außerdem möchte man vier Gruppenräume integrieren, für die Jugend, als Tagungsort für den Kirchengemeinderat und andere Aktivitäten. 

Daran denken die Besucherinnen und Besucher beim Abschied im Dietrich-Bonhoeffer-Haus noch nicht. Sie lassen in einer kurzen Gesprächsrunde erst einmal ihre Erinnerungen wach werden. An schöne Zeiten mit ihren Kleinkindern in der Krabbelgruppe denkt eine Heubacherin, schätzt  die damaligen Begegnungen.

Die hellen Räume

Ein Kirchenchor-Sänger erinnert an Probenabende. „Für uns war es toll, plötzlich einen so hellen und großzügigen Raum dafür zu Verfügung zu haben“, sagt er. Manche verbringen viel Zeit im jetzt verabschiedeten Gebäude. „Ich war oft vier Mal in der Woche da, mit dem Bibelkreis, mit dem Chor, habe gefühlt die halbe Jugend dort verbracht.“ „Schade“ findet es ein Heubacher, „dass sich die Kirche von diesem Gebäude trennen muss“.

Ein bisschen greifbare Erinnerung bleibt. Das Kunstwerk von Heiner Lukas kommt vorerst in die Klotzbachstraße, dort wird über den künftigen dauerhaften Verbleib entschieden.

Ein Kunstwerk, das aus Mitteln finanziert wurde, die am Bau beteiligte Handwerker dafür zur Verfügung stellten, wie sich Manfred Gras erinnert. Rudolf Spieth erläutert die Collage, die am unteren Bildrand das Porträt Dietrich Bonhoeffers zeigt, umgeben von Positionen, die Dietrich Bonhoeffer vertreten hat.

Und noch eine Erinnerung bleibt: Menschen halten ihre Geschichten zum Gebäude auf einem DIN-A4-Papier fest. Die kleine Sammlung soll am neuen Standort um das Heiner-Lucas-Gemälde platziert werden.  

Schade.“

Gemeindemitglied, der Evangelischen Kirche Heubach.

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