Mit 16 PS zum Deutschen Eck

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Hoch auf dem Traktor, immer den Fluss entlang. Karl Heinz Bender und Magdalene Neubauer reisen auf untypische Art.

Heubacher Traktor-Abenteurer erfüllen sich mit einer 1000 Kilometer langen Vier-Flüsse-Reise zur Saar, Mosel, Rhein und Neckar einen Traum.

Heubach

Keine Angst vor schlechtem Wetter, langen Fahrzeiten – und gutes Sitzfleisch. Karl Heinz Bender und seine Lebensgefährtin Magdalena Neubauer haben sich für ihren Ruhestand ein besonderes Hobby ausgesucht. Die Heubacher unternahmen im Sommer eine Rundreise zu den Flüssen Saar, Mosel, Rhein und Neckar. In 13 Tagen legten sie 1035 Kilometer zurück – nur mit 16 Pferdestärken und einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern wohlgemerkt. Denn die Wahl des Fortbewegungsmittels viel nicht auf den Reisebus oder Flussdampfer. Mit einem 68 Jahre alten Traktor, Marke Eicher ED, tuckerten die Oldtimer-Enthusiasten von Heubach aus über die "Württemberger Weinstraße" und die Rheinebene entlang, bestaunten den Kuss von Saar und Mosel in Konz und besuchten das Deutsche Eck. Übernachtet wurde im Hotel. Ihr treuer Traktor trug die beiden Abenteurer über den Rheinischen Sagenweg zum Niederwalddenkmal weiter am Rhein entlang zur Domstadt Worms über Ludwigshafen Richtung Heidelberg durch das Neckartal. Ohne Dach, ohne Klimaanlage und ohne gepolsterte Rückenlehne.

Wie kommt man auf eine solche Wahnsinnsreise? "Seit einigen Jahren, überlegten wir schon, was wir uns wohl für ein gemeinsames Hobby für unsere Zeit nach dem Berufsleben zulegen sollten", erläutert Karl Heinz Bender. Nach dem Besuch eines Oldtimer-Traktor-Treffens vor rund zwei Jahren war die Entscheidung gefallen. Im vergangenen Jahr legten die beiden sich einen Traktor zu. "Die Restaurierung unseres Traktors nahm schon sehr viel Zeit und Geduld in Anspruch", erläutert der 65-Jährige. Mit ein wenig Hilfe von einer Werkstatt wurde der Eicher komplett geschliffen und vom vielen Rost befreit, grundiert und mit Originalfarbe lackiert. Auch die Elektrik musste überholt und der Motor abgedichtet werden. Zu guter Letzt bekam der Traktor zwei neue Hinterräder spendiert.

Eine solch ausgedehnte Reise bedarf gründlicher Vorbereitung. Als Gepäck mussten zwei Reisetaschen, etwas Werkzeug und zwei Liter Motorenöl reichen. Dafür montierte Bender einen Querträger ans Heck und befestigte darauf eine Kiste aus Aluminium. Am ersten August startete die Reise. Karl Heinz Bender nahm am Steuer Platz Magdalene Neubauer hielt sich auf dem Beifahrersitz auf dem linken Hinterrad gut fest. "Da unser Traktor weder über eine Lenk- noch Bremsunterstützung verfügt und auch die Pedale für Magdalena ungünstig angebracht sind, war sie nicht am Steuer", erläutert Bender.

Ohne Gurt und Lehne

Man erlebt durch die langsame Fahrweise Vieles, was man sonst gar nicht sieht.

Karl Heinz Bender, Traktor-Abendteurer

Autobahnen und Kraftfahrstrafen waren für den Traktor tabu. Denn dort gilt eine Mindestgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern. Fünf bis sechs Stunden durchschnittlich verbrachten die beiden "on the road". Sicherheitsgurte? Rückenlehne? Fehlanzeige. Immerhin an Haltegriffen konnte Magdalena Neubauer sich klammern. "Es galt sich gut festzuhalten", beschreibt Bender. Besonders bei holpriger Strecke. "Der Fahrersitz ist zwar gut gefedert und mit einem Polsterkissen überzogen, aber der Beifahrersitz hat eben nur einen fünf Zentimeter dickes Polster." Besonders für Magdalena sei die stundenlange Fahrt daher nicht immer gemütlich gewesen. Fahrkomfort sieht anders aus.

Doch davon ließen sich die Abenteurer die Stimmung nicht vermiesen. "Man erlebt durch die langsame Fahrweise Vieles, was man sonst gar nicht sieht", erläutert Bender. Auch von den meisten anderen Verkehrsteilnehmern gab es nur Zuspruch. "Selbst die Autofahrer, die uns nicht sofort überholen konnten, winkten uns freundlich zu und verabschiedeten sich mit dem Daumen nach oben."

Ihr schönstes Erlebnis hatten die beiden in Koblenz. Auf dem Platz des Deutschen Ecks waren wegen einer bevorstehenden Veranstaltung viele Menschen versammelt. "Sie wollten alles über unseren Eicher wissen und haben viele Fotos mit uns gemacht." Bender erzählt von den vielen Bekanntschaften, die das Paar am Wegesrand gemacht hat und schwärmt von den vielen schönen Eindrücken, die sie während der gemütlichen Fahrt machten – die steile Auffahrt zur Burg Trifels, die Fahrt durch wunderschöne Weinorte entlang der Mosel oder der Besuch des Loreley-Felsens. Das Wetter sei im August bis auf einige Ausnahmen hervorragend gewesen. Nur in zwei Fällen verregnete ihnen das Wetter die Reise. In Mehring an der Mosel mussten sie daher die Abfahrt vom Hotel verschieben. In der Stadt Bernkastel-Kues flüchteten Bender und Neubauer vor einem Wolkenbruch in ein Bus-Wartehäuschen.

Der Eicher habe bei all den Strapazen tapfer durchgehalten, erläutert Bender stolz. "80 Liter Diesel und zwei Liter Motorenöl schluckte der Motor in rund 62 Betriebsstunden", erläutert Bender. Das nächste Ziel für die beiden ist schon gesetzt: "Nächstes Jahr soll es über die Alpen nach Südtirol zum Dorf Tirol in die Nähe von Meran gehen."

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