Parlament für die Heubacher Jugend geplant

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Projekte, die die bisherige Jugendvertretung, der 8er-Rat, erfolgreich umgesetzt hat (v.l. im Uhrzeigersinn): Ruhebänke an der Rosensteinhalle, „Chill-Hütte“ am Jugendpark, Trinkbrunnen beim Jugendbüro und eine Spielinsel fürs Freibad.
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Warum Bürgermeister Dr. Joy Alemazung ein „Jugendparlament“ in der Stadt etablieren will und welche Hoffnungen und Erwartungen er in das Gremium setzt.

Heubach

Bisher war der „8er-Rat“ die kommunalpolitische Vertretung junger Menschen in Heubach. Darin sitzen Achtklässer der Heubacher Schulen. Sie formulieren Wünsche, entwickeln Projekte, und setzen sie gemeinsam mit der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat um. Bürgermeister Dr. Joy Alemazung möchte die Jugendbeteiligung umgestalten. Ihm schwebt, wie er sagt, ein „Jugendparlament“ vor.

Herr Alemazung, warum braucht Heubach ein Jugendparlament?

Dr. Joy Alemazung: Es ist sehr wichtig, dass sich die Jugendlichen in ihrer Stadt engagieren können. Der 8er-Rat ist ja nur für die Achtklässler. Die Frage ist, wie beteiligen wir die Älteren? Diese Lücke müssen wir füllen.

Wird der 8er-Rat abgeschafft?

Nein! Im 8-Rat werden die Schüler im Gemeinschaftskunde-Unterricht an die Kommunalpolitik herangeführt und lernen, ihre Interessen und Bedürfnisse zu artikulieren. Der 8-Rat ist sozusagen die Ausbildung fürs Jugendparlament. Mir ist sehr wichtig, dass die Partizipation der Jugendlichen und damit auch das Erlernen von Verantwortung schon frühzeitig beginnt. Mit Rechten kommen auch Pflichten und Verantwortung.

Wie werden die Jugendlichen denn ausgewählt?

Wir sind gerade dabei, das zu organisieren. Wir wollen, dass Schulen, Vereine, Kirchen, Vertreter schicken. Alle Institutionen, die Jugendliche als Zielgruppen habe, wollen wir gerne einbinden.

Dazu laufen die Gespräche?

Genau. Wir sind aber noch dabei, die Anzahl der Mitglieder und die Auswahlkriterien festzulegen. Bei meinem Treffen mit dem 8er-Rat im Mai habe ich das Thema angesprochen, um die Verantwortung der jungen Menschen für ihre Stadt noch bewusster zu machen. Ich habe da nämlich festgestellt, dass es bei Abstimmungen im 8er-Rat oft Enthaltungen gab, von dem Teil, der nicht direkt betroffen war. Wir brauchen aber ein Jugendparlament, das über alle Menschen nachdenkt und das Gemeinwohl im Sinn hat. Dafür müssen sie aber geschult werden.

Überfordert das die jungen Menschen nicht?

Es funktioniert, wenn man das frühzeitig angeht und wenn man die richtigen pädagogischen und didaktischen Konzepte hat und gut erklärt.

Können Sie das konkretisieren?

Bei meinem Besuch im Kindergarten fragten mich die Kinder, was ein Bürgermeister macht. Ich habe das verglichen damit, dass sich die Eltern bei allen Problemen um die Kinder kümmern. Die Stadt sollte wie eine Familie sein und der Bürgermeister hat die Rolle der Eltern. Bei Gesprächen mit Schülern wurde im Zusammenhang mit Geflüchteten deutlich, dass es guttut, anderen zu helfen. Auch das wollen wir mit dem Jugendparlament fördern.

Und wenn die Jugendlichen unrealistische Erwartungen haben?

Mein Sohn wollte vor einiger Zeit in Zuffenhausen, wo wir gelebt haben, bei einem Jugendparlament mitmachen. Er wünschte sich kostenlosen Eintritt für junge Menschen ins Kino. Ich fragte ihn, wie der Kinobesitzer die Miete und seine Mitarbeiter bezahlen soll. Da fing er an, nachzudenken. Darum geht es.

Ab welchem Alter sollen die Kinder denn einbezogen werden?

Wir planen von 14 bis 21 Jahren. Es sollten auch etwas Ältere dabei sein, die die ganz Jungen an die Hand nehmen können.

Wie groß soll das Parlament sein?

Wir wollen uns an der Größe des Gemeinderats orientieren, vielleicht aber sogar etwas mehr, um die Beteiligung zu fördern.

Und Sie meinen, da machen genügend mit?

Wir versuchen es! Bis jetzt habe ich viele positive Rückmeldungen bekommen. Ich möchte die Jugendlichen für sich selbst motivieren. Es soll auch Ausflüge zu politischen Institutionen geben, ich bin dazu in Kontakt mit Abgeordneten in Land und Bund und in der EU.

Wie genau wollen Sie die Jugendlichen denn ansprechen?

Die wichtigsten Akteure, die das gemeinsam gestalten und begleiten, sind unser Jugendbüro, die Schulsozialarbeit, die Schulleitungen und unser Amt im Rathaus. Natürlich wäre es auch schön, wenn Gemeinderäte, die selbst noch jung sind, wie Lukas Klotzbücher, oder Bezug zu jungen Leuten haben, wie Jürgen Tiede als Lehrer, sich hier als Bindeglieder und Schlüsselpersonen engagieren. Zudem wollen wir uns eng austauschen mit Städten wie Gmünd, die hier schon Erfahrung haben.

Was passiert, wenn das Jugendparlament etwas entscheidet?

Das kommt auf die Kosten des Projekts an. Das Jugendparlament bekommt ein eigenes Budget. Wenn es sich dafür entscheidet, an der Schule einen Automaten mit Fair-Trade-Ware aufzustellen und das kostet 1500 Euro bei einem Budget von 5000 Euro, dann können die das so machen, insofern es laut Gemeindeordnung keine Zustimmung des Gemeinderats braucht. Bei allen Entscheidungen wird aber natürlich der Gemeinderat informiert.

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