Putsch macht es noch schwieriger

  • Weitere
    schließen
+
Mit einer Fotoausstellung von Désirée von Trotha in der Heubacher Stadthalle über geflüchtete Menschen aus Mali erinnerte die Stadt Heubach 2018 an das zehnjährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Anderamboukane.

Heubach pflegt weiter den Kontakt zu Anderamboukane in Mali. Aber gegenseitige Besuche sind wegen Corona und politischer Lage nicht möglich.

Heubach

Es ist eines der ärmsten Länder der Welt, in Mali müssen die meisten Menschen mit einem Pro-Kopf-Einkommen von unter zwei Dollar am Tag leben. Zerrieben zwischen problematischer wirtschaftlicher und nicht erst seit dem erneuten Putsch auch politischen Lage. Im Nordwesten dieses Landes liegt Heubachs Partnerstadt Anderamboukane. Renate Iwaniw, Beauftragte der Stadtverwaltung Heubach für die Städtepartnerschaften, kennt Land und Leute aus eigener Erfahrung. „Ich war bei der Gründung der Partnerstadt in Anderamboukane“, sagt sie und erinnert sich „an sehr herzliche und freundliche Menschen“. Sie hält trotz aller Hürden den Kontakt zur Stadt auf dem afrikanischen Kontinent. „Das ist schon seit Corona schwierig, durch den Putsch ist das noch einmal problematischer.“ Zuletzt hatte Renate Iwaniw vor zwei Wochen Kontakt mit Al Hanane Ag Agaly. Er ist Schmuckgestalter und in Heubach nicht ganz unbekannt. Seine Arbeiten wurden dort schon beim Kugelmarkt und bei den Regionaltagen angeboten. Auch der Bruder des vor acht Jahren erschossenen Bajan Ag Hamatou, einst Bürgermeister von Anderamboukane, stellt gelegentlich Kontakte zur Partnerstadt her. Aktuell überlege man sich, wie der Stadt und ihren Menschen geholfen werden könne, sagt Renate Iwaniw.

Da hat Professor Dr. Georg Klute, Ethnologe an der Universität Bayreuth und inzwischen emeritiert, seine Vorstellungen. Klute steht Heubach seit Beginn der Partnerschaft beratend zur Seite. „Sicher wäre den Menschen am meisten geholfen, wenn Stipendien für die Ausbildung bereitgestellt würden“, sagt er. Die handwerklich-technische Seite sei vernachlässigt. Eine Ausbildung helfe auf Dauer, dass junge Leute von ehrlicher Arbeit leben können, dass sie nicht den Verlockungen extremistischer Gruppen erliegen. Und es sei das effektivste Mittel, Abwanderung zu vermeiden.

Aktuell gibt es ein solches Projekt aus Heubach nicht. Aber Renate Iwaniw erinnert an ein gemeinsames Projekt mit der französischen Partnerstadt Laxou, als die Ausbildung von medizinischem Personal gefördert wurde. Das war damals eine finanzielle Unterstützung, auch um die Impfungen gegen Krankheiten wie Malaria voranzubringen.

Professor Georg Klute war selbst mehrfach vor Ort, in Mali, aber vor allem im Nachbarland Niger. Er ist Vorsitzender des Vereins Tamat, der Hilfsprojekte mit den Menschen der Sahelzone realisiert. Menschen in Mali und Niger setzen die Projekte um, weitgehend selbstständig mit Handwerkern und Experten aus eigenen Reihen und finanzieller Unterstützung durch den Verein. Professor Georg Klute weiß um die Schwierigkeiten, in Mali zu helfen. Die Regierung habe nur Teile des Landes unter Kontrolle. Im Nordwesten im Bereich von Anderamboukane sei der sogenannte Islamische Staat vorherrschend, im Zentrum des Landes die Al Kaida. Sie kassierten auch „Steuern“ von den Bürgern „und wer sich weigert, ist schnell Repressionen ausgesetzt“, weiß der Ethnologie-Professor. Die Versorgungslage der Bevölkerung ist unterschiedlich. Wenn in der Regenzeit genug Niederschlag fällt, kann es zu einer guten Ernte kommen. Regen ist auch in Anderamboukane wichtig, dort leben viele von der Viehzucht. In der Dürre fehle dann das Gras. Während die Landbevölkerung eher selbstständig leben könne, seien Menschen in den Städten oft auf Importe angewiesen.

Die Stadt Heubach sucht bei der Hilfe für Anderamboukane verstärkt den Schulterschluss mit Laxou, auch weil dort die gleiche Sprache gesprochen wird. Ob und wann Projekte auf den Weg gebracht werden können, ist nach Worten von Renate Iwaniw aber noch offen. „Wir versuchen, zu helfen“, sagt sie und unterstreicht: „Die Städtepartnerschaft bleibt auf jeden Fall erhalten.“

Sicher wäre den Menschen am meisten geholfen, wenn Stipendien für die Ausbildung bereitgestellt würden.“

Professor Dr. Georg Klute,, Mali-Experte

Zurück zur Übersicht: Heubach

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL