Schaffen für Touristen und Ziegen

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Einsatz im schwierigen Gelände: Am Küchenschellenweg am Scheuelberg bei Heubach läuft die Entbuschungsaktion. Baggerfahrer Philipp Gloning braucht viel Fingerspitzengefühl.

Am Scheuelberg entlang des Küchenschellenwegs wird entbuscht. Freie Aussicht, Platz für die Wacholderheide und Nischen für Tiere sind das Ziel der Arbeiten.

Heubach

Philipp Gloning hat die Technik im Griff. Mit wachem Auge und viel Fingerspitzengefühl bei der Navigation des Kettenbaggers mit speziellem Fällgreifer geht er ans Werk. Rechts der Steilhang, links die Böschung. Es geht sehr eng zu. Denn auf dem Küchenschellenweg haben Fahrzeuge eigentlich nichts zu suchen. Handelt es sich doch um einen beliebten Spazierweg. Er führt entlang des Naturschutzgebietes auf dem Scheuelberg, und die lilafarbig blühende Blume gab ihm einst seinen Namen.

Platz für die Schafe

Dank des Einsatzes von Philipp Gloning darf man sich über eine noch üppigere Blütenpracht an der Böschung freuen. Warum? Weil er gerade gründlich am Entbuschen ist. Was bedeutet, dass künftig mehr Sonnenlicht auf den Hang scheinen kann. Was auch den Wacholderbüschen gut tut, die dort eigentlich die Kulturlandschaft prägen. Nur wurden sie immer mehr in die Knie gezwungen und zurückgedrängt durch Buschwerk aller Art und Bäume, die das Sonnenlicht stahlen. Jetzt gibt es wieder Platz, auf dem die vierbeinigen Rasenmäher von der Schäferei Kirschbaum in Bartholomä grasen können.

"Auch Ziegen kommen hier auf ihre Kosten", weiß Ralf Worm. Der Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) Ostalb informiert, dass durch diese Arbeiten eine Fläche von rund 6,5 Hektar am Scheuelberg umzäunt werden kann. Und so die Schafe ihr eigenes Gebiet erhalten, wo sie die Wachholderheide "bearbeiten". Fraßresultat ist, dass die Wachholderheide freigehalten wird von nachwachsendem Gebüsch.

Möglich ist dieser Arbeitseinsatz, weil der LEV mit den Grundstücksbesitzern der Realgenossenschaft Beuren den Schulterschluss üben kann. Denn die privaten Eigentümer gaben grünes Licht für diesen Einsatz. Mit im Boot ist das Regierungspräsidium (RP) mit Irina Heißler, der Zuständigen für FFH-Gebiete. Das RP übernimmt die Kosten der Entbuschung. "Weil der Bereich am Scheuelberg ein ökologischer Hotspot ist", wie Oberforstrat Jens-Olaf Weiher von der Forstaußenstelle Schwäbisch Gmünd betont. Gemeinsam mit Revierförster Jörg Hirsch beobachtet er den Arbeitseinsatz. Und erklärt einen weiteren Effekt des Engagements. Denn durch dieses werden Nischen für unterschiedliche Tierarten, etwa Insekten und Fledermäuse, geschaffen. Schließlich taugt ein dunkler, dichter Wald meist nur für Käfer, Pilze und etwa Moose mit seinem Totholz. Doch da, wo Sonnenstrahlen hingelangen, entwickle sich eine Insektenvielfalt. Und die stehe wiederum auf dem Speiseplan der Fledermaus. Für diese Entbuschung gab es daher eine forstliche Ausnahmegenehmigung.

Und es gibt noch einen weiteren Effekt: Der Spaziergänger und Wanderer kann plötzlich eine freie Sicht auf den Heubacher Stadtteil Beuren genießen. "Es gibt also auch einen touristischen Effekt", beschreibt Oberforstrat Weiher.

Refugium für Kleinstlebewesen

Nach Beendigung der Entbuschung kann der Zaun installiert werden, der die Schafe und Ziegen schützt. Rund eineinhalb Meter unterhalb des Weges, in der Böschung, wird dieser angebracht. "Es handelt sich um dasselbe Modell wie es bereits am Jägerhaus zum Einsatz kam", informiert Ralf Worm. Wenn alle Arbeiten erledigt sind, wird der Küchenschellenweg wieder abgeschoben und somit gut begehbar sein. Denn der Kettenbagger mit seinen 13 Tonnen hinterlässt Spuren. Sei erwähnt, dass auch Handarbeit von Philipp Gloning gefragt ist. Denn die Baumstämme werden zwar gekappt, aber die übrigen Stümpfe mit der Motorsäge abgeschnitten. Die Wurzel bleibt drin. Und wird so zum Refugium für Kleinstlebewesen. Vor allem schützen die Wurzeln auch vor Erosion am Hang, wie Jens-Olaf Weiher erklärt. Und die Ziegen mögen das Knabbern an den Stümpfen.

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