Spannende Höhlenfunde auf dem Rosenstein

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Werkzeuge, Zähne, Knochen: nur ein Teil der bisherigen Funde.
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Warum sich ein Team der Landesdenkmalpflege gerade durch Sedimente in der Höhle "Haus" auf dem Rosenstein wühlt, was bisher gefunden wurde und was mit den Funden passiert.

Heubach

Wolfgang Naak und seine Mitstreiter der ehrenamtlichen Hobbyarchäologen des Arbeitskreises Steinzeit durchstreifen regelmäßig die Höhlen auf dem Rosenstein. Nicht immer finden sie etwas. Und wenn, dann geht es nicht immer so schnell wie in diesem Fall, dass sich die Profis dafür interessieren. "Da war die richtige Frau am richtigen Ort", meint Wolfgang Naak.

Er meint Dr. Yvonne Tafelmaier vom Landesamt für Denkmalpflege. Sie war sofort zur Stelle, um die Funde aus der Höhle "Haus" in der Nähe des Ostfelsens fachmännisch zu sichern. Seit Montag sind die Wissenschaftler, unterstützt von Studenten der Uni Tübingen, am Wühlen. Da helfe es sehr, dass die Stadt gleich Unterstützung zugesagt habe. Die Säcke mit den Sedimenten kommen runter zum Bauhof, dort werden sie in einer "Schlemmanlage" durch drei spezielle Siebe gewaschen. "Es wurde Zeit, dass auch diese Höhle professionell untersucht wird", meint Bürgermeister Frederick Brütting. Rund um Heubach sei in Jahrzehnten schon einiges durch "Wild-West-Archäologie" verloren gegangen.

Hauptproblem am "Haus": Die Sedimente sind ein ganz schönes Durcheinander. Die zeitliche Einordnung sei schwierig, weil der Kontext fehle. Die Altersbestimmung laufe über bestimmte Formen, Verzierungen oder bekannte Herstellungsformen. Die Funde, sagt Tafelmaier beim Pressetermin am Donnerstag in der Höhle, reichen von der Altsteinzeit, die etwa von 40 000 bis 12 000 vor Christus dauerte, übers Mittelalter bis heute. Denn zwar liege die Höhle "Haus" etwas abseits, ist aber für Besucher grundsätzlich zugänglich – wie Scherben von Bierflaschen beweisen. Umso wichtiger sei es, die Funde denkmaltechnisch zu sichern. "Wenn wir das nicht machen, werden die Sedimente zerstört und sind für die Wissenschaft nicht mehr verwertbar", sagt Wolfgang Naak.

Welche Funde gibt es?

Das waren hoch mobile Jäger und Sammler.

Dr. Yvonne Tafelmaier, Grabungsleiterin

Da sind Bärenzähne und Überbleibsel von Schaf oder Ziege, Keramikfragmente eher neueren Ursprungs und Steinwerkzeuge aus der Steinzeit. Vor allem die Tierknochen haben es Yvonne Tafelmaier angetan. An manchen nämlich seien längliche Rillen zu erkennen – für die Fachfrau klar ersichtlich Schabspuren von Menschenhand. Zeitlich ordnet sie diese ein in die jüngere Altsteinzeit. "Für die kurze Zeit der Grabungen sind das erstaunliche und viele Funde", betont Yvonne Tafelmaier.

Im Freiland, etwa auf dem Sand, sei man bei der Forschungen rund um Heubach schon gut dabei, meint Wolfgang Naak. Bei den Höhlen tappe man sprichwörtlich noch im Dunkeln. Aber: "Es ist wenig wahrscheinlich, dass die Menschen diese wohntauglichen Höhlen nicht aufgesucht hätten." Das bestätigt Yvonne Tafelmaier und konkretisiert, dass die Menschen nicht dauerhaft in den Höhlen gelebt hätten. "Das waren hoch mobile Jäger und Sammler", sagt sie. Die Höhlen hätten für die in Familien oder Kleingruppen lebenden Menschen ganz unterschiedliche Funktionen gehabt – und zwar von der Altsteinzeit über die Jungsteinzeit und Eisenzeit bis heute.

Noch etwa zehn Tage wollen die Wissenschaftler die Sedimente aus dem "Haus" bergen und waschen. Dann müssen sie die Funde katalogisieren und analysieren. Ein erstes Ergebnis erwartet Yvonne Tafelmaier in etwa einem halben Jahr. Dieses wird auf jeden Fall in irgendeiner Form auch wieder der Öffentlichkeit präsentiert, verspricht Brütting. Immerhin gehe es darum, den Rosenstein als archäologische Fundgrube angemessen zu würdigen, stellt Wolfgang Naak klar. Wobei er und seine Jungs schon die nächste Höhle im Visier haben ...

Blick in die Höhle "Haus" auf dem Rosenstein. Das Landesamt für Denkmalpflege sichert hier erstmals professionell Funde aus verschiedenen Epochen und Erdschichten.
Auf dem Bauhof geht's in die "Schlemmanlage".

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