Therapiehunde Sam und Tammy begeistern Kindergartenkinder

+
Therapiehunde Sam und Tammy Heubach
  • schließen

Im Heubacher Naturkindergarten sind zwei Therapiebesuchshunde fester Bestandteil des Konzeptes. Sam und Tammy lassen sich gerne streicheln. Spaziergänge in den Wald werden zum Erlebnis.

Heubach

Sam ist elfeinhalb Jahre alt und noch immer im Kindergarten. Sam ist ein ganz lieber und ruhiger. Und wenn's ihm zu bunt wird, dann legt er sich ein wenig abseits ins Gras und schaut sich den Trubel aus der Ferne an. Sam ist ein Weißer Schweizer Schäferhund und als ausgebildeter Therapiebesuchshund fester Bestandteil des Heubacher Naturkindergartens. Ein Besuch im Wald.

Es schüttet an diesem grauen Vormittag, und es ist lausig kalt. Das macht den Jungs und Mädels im Naturkindergarten und deren beiden Erzieherinnen Annika Horlacher und Luise Oberlader wenig aus. Sie tragen Regenkleidung. Die Kinder bauen sich aus Holzbrettern eine Regenrutsche, dazwischen schnuppert der große weiße Schäferhund Sam mal hier und mal da. An seiner Seite: Tammy, eine vier Jahre alte Pointer-Mischlingsdame, die auch die Ausbildung zum Therapiebesuchshund absolviert. Hundebesitzerin Luise Oberlader ist immer dabei, wenn Tiere und Kinder beieinander sind. Die Hunde sind gut ausgebildet, sie folgen aufs Wort und haben gelernt, mit vielen verschiedenen Stresssituationen umzugehen. „Sie tun nichts“, da ist sich Luise Oberlader sicher. Trotzdem hat sie immer ein Auge auf Zwei- und Vierbeiner. Sam ist der ruhige Senior. Er hat bereits mit zehn Monaten den Eignungstest zur Ausbildung bestanden, ist seitdem regelmäßig in der Hundeschule und auf dem Hundetrainingsplatz aktiv, ist ausgebildeter Rettungshund, Therapiebesuchshund und seit vielen Jahren im Kindergarten unterwegs.

Was das bedeutet? Luise Oberlader setzt Sam nicht zu gezielten therapeutischen Zwecken ein, sondern „es passiert einfach“, wie die Hundehalterin erklärt. Wilde Kinder, die Probleme haben, zur Ruhe zu kommen, setzten sich zu Sam und streicheln ihn. Innerhalb kürzester Zeit entspannen sich die Kinder und machen Pause. Sam mag aber auch spielen, gibt die Pfote und setzt sich, wenn's die Kinder sagen. Tammy ist die aktivere. Ruhige Kinder lockt sie aus der Reserve, geht auf sie zu und fordert Streicheleinheiten ein, springt in der Luft hoch, um Leckerlis zu ergattern, macht Wettrennen mit den Kleinen und zeigt die Rolle. Das geht so: Ein Kind macht mit der Hand eine Rollbewegung vor, Tammy legt sich hin und rollt sich über Bauch und Rücken einmal um sich selbst. Als Belohnung winkt ein weiteres Leckerli. An diesem grauen Novembertag mag die Rolle nicht funktionieren. „Tammy hat es nicht so mit Regenwetter“, entschuldigt sich die Hundehalterin.

Viele Prüfungen gemeistert

Wenn die Hunde eine Pause brauchen, dann legen sie sich etwas abseits. Ein Zeichen für die Kinder, die beiden ausruhen zu lassen. „Die meisten Kinder wissen das, den anderen erkläre ich es“, sagt Luise Oberlader. Sie findet es schön, dass sie zwei so unterschiedliche Hunde mit in die Kindergartengruppe einbringen kann. Das Konzept ist mit der Stadtverwaltung, vor allem aber mit den Eltern der 17 Kindergartenkinder abgesprochen. Auch Eltern, die anfangs skeptisch gewesen seien, begrüßten nun die vierbeinigen Kumpels ihrer Kinder, wie die Erzieherinnen erläutern.

Die Kinder sind begeistert von ihren etwas anderen Kameraden. Wenn's zum Spazieren in den Wald geht, dürfen sie die Hunde an der Leine führen. Die Reihenfolge muss vorher genau besprochen werden, weil alle mal wollen. Wenn Rettungshundetag im Kindi ist, zeigen Sam und Tammy, was sie alles drauf haben. Sie suchen zum Beispiel ein Kind, das sich versteckt hat. Bei verschiedenen Prüfungen, die Luise Oberlader mit ihren Hunden und der Rettungshundestaffel des Roten Kreuzes gemeistert hat, wird so etwas geübt. Zum Beispiel bei der Trümmerprüfung. Auf dem Übungsgelände gibt es einen Trümmerberg mit Stellen, die nur für den Hund, nicht aber für den Hundeführer zugänglich sind, es gibt einen kleinen Brand und Lärm. Trotzdem bleiben die Hunde ruhig und suchen das Gebiet nach „Opfern“ ab. Dabei müssen sie durch Tunnel, über Leitern und Wippen. Spaßiger geht's bei der so genannten Rally-Obedience zu. Hund und Besitzer müssen dabei einen Parcours durchlaufen mit Slalom-Übungen, Hindernissen zum Überspringen und mit Sitz-, Platz- und Stehkommandos. Bei der Ausbildung zum Therapiebesuchshund lernen die Tiere zum Beispiel, dass Menschen im Rollstuhl, am Rollator oder an Krücken keine Gefahr darstellen. Die Hunde bleiben ruhig und lassen sich von den Leuten streicheln. Luise Oberlader erinnert sich an eine Situation in ihrem damaligen Kindergarten. Damals sei ein Kind an der Garderobe beim Anziehen zu schnell gerannt, ausgerutscht und direkt auf Sam gestürzt, der im Flur lag. Dem Hund habe das sicherlich weh getan. Sam sei ganz ruhig geblieben, habe kurz gejault, sei aufgestanden und zu ihr gekommen, erklärt die Hundehalterin.

Wie viele Stunden Luise Oberlader mit ihren Hunden pro Woche trainiert? „Puh, eigentlich investiere ich meine ganze Freizeit dafür“, sagt sie. Das tue sie aber gerne. Die Arbeit mit den Hunden bereite ihr viel Freude. Und sie hört nicht auf, denn wenn sich der alte Hase Sam in den Kindergarten-Ruhestand verabschiedet, wird sein Nachfolger den Platz im Naturkindergarten übernehmen. Der Weiße Schweizer Schäferhund Fino ist schon bei Luise Oberlader eingezogen. Er ist acht Monate alt und wird zurzeit zum Therapiebesuchshund ausgebildet. Wenn nichts dazwischen kommt, möchte die Erzieherin ihn im nächsten Sommer den Kindern vorstellen.

Es passiert einfach.“

Luise Oberlader , zum therapeutischen Einsatz ihrer Hunde
  • Das muss ein Besuchshund können
  • Therapiebesuchshunde dürfen keinerlei Aggressionspotenzial aufweisen, sie müssen offen und verspielt, ausgeglichen und ruhig sein, sie müssen eine hohe Toleranz bei Körperkontakt und ungewöhnlichem Verhalten zeigen. Sie dürfen weder schreckhaft, noch lärmempfindlich sein.
  • Die Ausbildung: Zusammen mit seinem Hund durchläuft der Hundeführer eine intensive, stufenweise Ausbildung in Theorie und Praxis. Das Team (Mensch und Hund) kann in Kindergärten, Kinderheimen, Senioren- und Pflegeheimen, Krankenhäusern und Hospizeinrichtungen eingesetzt werden. Im Kindergarten kann das Team dazu beitragen, dass eine lernförderliche Atmosphäre geschaffen wird. In Seniorenheimen kann er kognitive Prozesse fördern, indem sich die Bewohner an den eigenen Hund, Hundenamen oder Erlebnisse mit Hunden erinnern. Durch sein weiches, warmes Fell fordert der Hund zum Streicheln auf. Der Besuchshund soll Anlass geben, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Durch Blickkontakt, Streicheln oder Lächeln soll die Person in eine Beziehung mit dem Hund treten.
Therapiehunde Sam und Tammy Heubach

Zurück zur Übersicht: Heubach

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare