Uralte kleine Schätze ausgegraben

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Mit modernem Gerät sucht das Team der Universität Tübingen in der "Kleinen Scheuer" auf dem Rosenstein nach Überbleibseln aus längst vergangener Zeit.

Ein Team der Universität Tübingen findet in der "Kleinen Scheuer" auf dem Rosenstein viele weitere Relikte aus längst vergangener Zeit. Welche Rückschlüsse die Archäologen daraus ziehen.

Heubach

Etwas mehr als acht Tage lang hat ein Team der Universität Tübingen aus dem Bereich Altsteinzeit zum zweiten Male seit 2018 in der "Kleinen Scheuer" auf dem Rosenstein geforscht und gegraben. Ihre Suche konzentrierte sich dabei auf Spuren aus der rund 12 000 Jahre alten Magdalénien-Kultur. Und das Team wurde fündig. Mehrere wertvolle Artefakte aus längst vergangener Zeit kamen wieder ans Tageslicht.

Die ersten Grabungen in der "Kleinen Scheuer" seien bereits 1916 erfolgt, erklärt der Doktorand Stefan Wettengl. Damals seien viele Segmente in den Sedimenten nach vorn "gekippt" worden. Daher sei es das Ziel der aktuellen Ausgrabungen gewesen, brauchbare damals übersehene Segmente zu bergen. Klar sei, so Wettengl weiter, dass damals bereits die großen Artefakte gefunden und geborgen worden sind. Dennoch fanden die Archäologen in den beiden Ausgrabungen 2018 und 2020 viele weitere wertvolle Artefakte.

Unter anderem fand das Team der Uni Tübingen Einsätze für Jagdwaffen sowie Material zur Werkzeugherstellung – mit dem Ergebnis: "Wir haben durchaus neue Erkenntnisse gewonnen", stellt Wettengl fest. Aufgrund der Fundstücke sei nun klar geworden, erklärt Wettengl, dass die "Kleine Scheuer" wohl wesentlich länger und häufiger als relativ fester Wohnort gebraucht wurde als bisher angenommen, obwohl die Lebensweise vorwiegend nomadisch geprägt gewesen sei.

Das Team der Uni Tübingen datierte die Funde als rund 14 000 Jahre alt – das erschließe sich aus der gemeinsamen Fundschicht, erklärt Wettengl. Äußerst wichtig sei hier der Fund eines Nadelfragments aus Knochenmaterial, das sich zur Anwendung der Radiocarbonmethode c14 eigne. "Nadeln sind selten in Baden-Württemberg", fügt Grabungsleiter Professor Harald Floss hinzu, "und diese hier ist wohl beim Gebrauch gebrochen". Schon damals sei wohl schon effektiv genäht worden, so seine Vermutung. Nun würden die Funde gewaschen und für Publikationen ausgewertet.

Wir haben durchaus neue Erkenntnisse gewonnen.

Stefan Wettengl, Doktorand an der Uni Tübingen

Einige der Fundstücke aus der "Kleinen Scheuer" sollen zeitnah auch im Heubacher Schloss ausgestellt werden, sagt Bürgermeister Frederick Brütting. Allerdings werden dies überwiegend Leihgaben oder zum Teil auch Nachbildungen sein. Er bedankt sich bei den Ausgräbern für deren Einsatz: "Sie tragen zur Aufklärung der Geschichte der ‘Kleinen Scheuer' bei."

Für das Team der Uni Tübingen steht derweil fest: Die entdeckten Fundstücke seien "kleine Schätze", sagt Professor Floss. Sie sollen nun mit Funden von anderen Ausgrabungsstätten aus der näheren Umgebung verglichen und anschließend ausgewertet werden. Als gelungene Ergänzung zu den Grabungen auf dem Rosenstein sieht Wettengl die Ergebnisse der Grabungen auf dem Galgenberg. Sie wiesen auf eine große Übereinstimmung der Besiedlungszeiten hin. Weitere wichtige Funde erwartet das Team auf dem Gebiet Waldstettens.

Aus sämtlichen Erkenntnissen des Teams soll schließlich ein Buch im Rahmen eines Kolloquiums über hundert Jahre Grabungen entstehen. In dieser Zeit sei viel gefunden worden – allerdings sei auch viel verloren gegangen, sagt Professor Floss. Doch bei der Grabung auf dem Rosenstein seien viele gute, für die Magdalénien-Zeit typische Funde gemacht worden.

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