Viele Gastrobetriebe fast am Ende

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Entgegen manch anderslautender Gerüchte haben die Betreiber des Lamms in der Heubacher Hauptstraße nicht vor, ihre Gaststätte zu schließen. Trotzdem trifft die Pandemie viele Gastronomen ins Mark.

Mit welchen Gefühlen Heubacher Gastronomen in die Zukunft blicken und wie sie gegen die finanziellen Verluste ankämpfen.

Heubach

Um es vorweg zu nehmen, nein, der Gasthof Lamm in Heubach hat nicht vor zu schließen, erklärt Besitzer Hans Buchmann. "Das Gerücht kursiert jedes Jahr", sagt er. Tatsache ist aber, auch, die Buchmanns und ihren Gasthof Lamm hat die Krise schwer getroffen. Bereits vor dem "Lockdown light", der die Schließung aller Gastronomiebetriebe lediglich für den November vorsah, hatte das Lamm, trotz ausgefeiltem Hygienekonzept, zu kämpfen. Alle Weihnachtsfeiern, Geburtstagsfeste und Stammtische wurden abgesagt.

Jetzt hat das Lamm, wie alle anderen Lokale, seit über zehn Wochen geschlossen und kämpft ums Überleben. Mit warmen Gerichten "to go", die von Freitag bis Sonntag angeboten werden, versuchen sich die Buchmanns über Wasser zu halten. "Wir stehen der Situation hilflos gegenüber", meint Hans Buchmann der sich bewusst ist, dass jetzt zu Jahresbeginn auch der "to go"-Service eher verhalten angenommen wird. "Wie bei uns, flattern auch bei unseren Kunden zu Jahresbeginn vermehrt Rechnungen über Versicherungen und ähnliches ins Haus."

Trotzdem, Schimpfen und Wehklagen ist nicht Hans Buchmanns Ding, "andere Betriebe hat die Pandemie noch viel schlimmer getroffen", meint er hinsichtlich der Schaustellerbetriebe und kleinen Familienzirkusse, die praktisch seit fast einem Jahr ein "Auftrittsverbot" haben.

Für Buchmann ist jetzt eher die gegenseitige Hilfe angesagt: "Wir müssen jetzt die lokalen Händler und Betriebe durch unseren Einkauf bei ihnen unterstützen", wirbt der Gastronom, der sich besorgt zeigt, dass bei steigendem Internet-Einkaufsverhalten der Menschen "viele kleine Betriebe zugrunde gehen".

Andere sind schlimmer dran.

Hans Buchmann, Besitzer des Lamms

Mit gebührendem Zweckoptimismus schaut auch Joachim Ferner vom Traditions-Brauerei-Gasthof Goldener Hirsch in die Zukunft und das, obwohl der Goldene Hirsch gleich doppelt vom Lockdown betroffen ist. Als Hotelbetrieb bietet der Goldene Hirsch zehn Hotelzimmer für Urlauber und Geschäftsleute an. Hier sei der Umsatz bereits im vergangenen Jahr massiv eingebrochen, Erholungssuchende dürfen nicht reisen, die Zimmer dürfen nur an Geschäftsreisende vermietet werden, aber auch diese bleiben nahezu komplett aus. "Derzeit reisen wenig Geschäftsleute", so Ferner. Das vergangene "Hoteljahr" wird der Goldene Hirsch mit Umsatzeinbußen abschließen.

Nicht viel besser sieht es im Gastronomiebereich aus, ab Mitte Januar bietet der Goldene Hirsch wieder sonntägliche Mahlzeiten "to go" an, ein Tropfen auf den heißen Stein, meint Ferner, der mit diesem Service in der Heubacher Gastronomielandschaft weiterhin präsent bleiben möchte. Tägliches Abhol-Essen rechne sich nicht, meint der Geschäftsführer, zu unsicher ist der Bedarf an täglichen Mittagessen zum Abholen. Alle Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt, die finanziellen Hilfen vom Bund seien jetzt "teilweise" eingetroffen, sodass wenigstens die laufenden Kosten beglichen werden konnten, allerdings ist der angesparte "Puffer" aus den Sommermonaten jetzt auch geschwunden. Einem Ende des Lockdowns für die Gastronomiebetriebe sieht Ferner "optimistisch" bis Ende März entgegen, sehr viel wahrscheinlicher sei aber eine Verlängerung bis Ostern. Seine große Hoffnung setzt Ferner jetzt auf den kommenden Sommer.

Fürs Bahnhöfle als reine Kneipe ohne Speiseangebot bietet sich nicht einmal die Chance, mit kleineren "to go"-Angeboten etwas Linderung in die leidgeprüfte Kasse zu spülen. Die versprochenen Überbrückungsgelder seien auch noch nicht eingetroffen, erzählt Inhaberin Donatella Farrugia, die froh darüber ist, sich nie ganz auf die Gastronomie als Lebensunterhalt verlassen zu haben. Die laufenden Kosten müssen trotzdem irgendwie und irgendwann beglichen werden, Banken und Brauerei seien ihnen zwar sehr entgegengekommen, meint die Gastronomin, aber am Ende werden sämtlich Verpflichtungen nur aufgeschoben. Alle Kollegen, die als Vollgastronomen jetzt ohne Aussicht auf schnelle Wiedereröffnung und somit auf Umsatz dastehen, haben Farrugias volles Mitgefühl. "Nach der ganzen Geschichte werden nahezu alle Gastronomen mit einem Schuldenberg dastehen."

Info: Viele weitere Gastronomiebetriebe in Heubach bieten Gerichte zum Mitnehmen an, Infos und Speisekarten finden sich in den jeweiligen Homepages der Betriebe.

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