Viele Heubacher gegen den Disco-Zug

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Die Organisation "Querdenken 7171" hatte am Sonntagnachmittag zur Demonstration durch Heubach aufgerufen. Motto: "Disco-Umzug: mit Lebensfreude für ein gutes Immunsystem". Nach Zählung der Polizei waren rund 170 Teilnehmer dem Aufruf gefolgt.
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Die Polizei zählt rund 170 Teilnehmer bei der "Querdenker"-Demo am Sonntag in der Hauptstraße. Der SPD-Ortsverein organisiert eine Plakat-Protest-Aktion am Marktplatz.

Heubach

Vornweg fahren Polizisten auf Motorrädern, dahinter nach Angaben der Polizei rund 170 Personen, die dem Aufruf der Organisation "Querdenken 7171" gefolgt sind. Motto der Demonstration am Sonntag in Heubach: "Disco-Umzug: mit Lebensfreude für ein gutes Immunsystem". Sie tragen Schilder und Transparente, darauf zu lesen: "Wer viel misst, misst Mist. Zuviel Falsch positiv", "Mehr Selbstmorde im Oktober 2020 als ‘Coronatote' in 2020" oder "Nein zur Impfpflicht". Aus einem Lautsprecher tönt eine Stimme: "Weltweit gibt es keine Übersterblichkeit. Warum heißt es dann Pandemie?"

Maske schwächt Immunsystem

Zu Beginn der Demo stellt Organisatorin Tanja Buschbeck am Ende der Fritz-Spießhofer-Straße in der Stellung unterm Rosenstein die Teilnehmer der Demonstration als "bunt und tolerant" vor. "Da unten am Marktplatz warten Leute, die anderer Meinung sind als wir. Die dürfen auch ihre Meinung sagen. Wir laufen friedlich vorbei, winken und lachen ihnen zu", appelliert sie. Sie betont, dass die "Querdenker" keine Maskenverweigerer seien – bei einer Operation im Krankenhaus sei diese notwendig. Nicht aber im Alltag. Hier würden Masken schaden und das Immunsystem der Bevölkerung schwächen. Nun sei die Rede von einer "dritten Welle". Ja, meinte die Sprecherin, es werden Menschen sterben. Aber weniger durch das Virus als vielmehr durch die Anti-Corona-Maßnahmen. "Angst, Schrecken und Verbote" würden die Gesellschaft schwächen. Die "Querdenker" hingegen setzten sich für Minderheiten ein, etwa für Gastronomen oder Künstler. Hier dürfe es keine weiteren "Existenzvernichtungen" geben.

Plakate gegen "Querdenker"

Entlang der Hauptstraße vor dem Rathaus und in der Kurve am Marktplatz stehen Zuschauer, die Polizei spricht am Abend von rund 30 Gegendemonstranten. "Wir lieben euch", ruft eine "Querdenker"-Demonstrantin. Vom Marktplatz kommen Buhrufe, ein Mann fordert: "Weitergehen!". Ein Demonstrant sagt: "Informiert euch! Lasst euch nicht von eurem Bürgermeister, der eh nicht mehr lange da ist, instrumentalisieren!" Links und rechts der Straße wird der Demonstrationszug von Plakaten und Schildern empfangen. "Herz statt Hetze", heißt es da. Oder "Hier könnte ihre Verschwörung stehen", darunter ein Freiraum. Auf einem Schild klebt eine Getränke-Dose. Daneben steht: "Ich war mal ein Aluhut. Besser umdenken statt querdenken." Zum Gegenprotest aufgerufen hatte die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Yeliz Ayvaz-Brütting. Damit nicht allzu viele Menschen zusammenkommen, sollte der Protest kreativ auf Bannern zum Ausdruck gebracht werden. Diese konnten am Sonntag beim Organisationsteam am Marktplatz abgegeben werden. "Das hat wirklich alles super geklappt", zeigt sich Yeliz Ayvaz-Brütting zufrieden. Ein breites Bündnis stehe hinter dem Gegenprotest – von der Feuerwehr und dem DRK über sämtliche Gemeinderatsfraktionen bis zu Organisationen und Vereinen wie dem Familienzentrum MüZe, dem Schwäbischen Albverein oder dem QLTourRaum Übelmesser. "Ich bin glücklich und stolz, dass sich so viele, die das öffentliche Leben in Heubach gestalten, heute hinter uns gestellt haben", meint Yeliz Ayvaz-Brütting, die den Demonstrationszug persönlich als "gruselig und geprägt von unangenehmer Stimmung" erlebt hat.

Warum engagieren sich so viele gegen die Querdenker? Bei der Organisation handle es sich um den Gmünder Ableger der "Querdenker", heißt es im Aufruf der Gegendemonstranten. Und dieser werde vom Verfassungsschutz überwacht, weil er laut Verfassungsschutzbericht "eine Nähe zu Reichsbürgern und Extremisten" zeige. "Den Verantwortlichen geht es aus unserer Sicht nicht um sachlichen Protest gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, sondern darum, staatliche Entscheidungen durch falsche Behauptungen und Verschwörungsmythen zu diskreditieren", so die Gegendemonstranten. Die demokratischen Institutionen würden verächtlich gemacht, Personen, die sich gegen die Ausbreitung des Coronavirus engagieren, verhöhnt. "Dabei sollten wir gerade jetzt in der Gesellschaft solidarisch zusammenstehen, um diese Pandemie und ihre Folgen schnell zu überwinden", heißt es in dem Aufruf. Und weiter: "Deswegen wollen wir es nicht zulassen, dass diese Organisation unwidersprochen in Heubach ihre falsche Behauptungen kundtut."

Wie die Polizei am Abend auf Anfrage mitteilt, verliefen Demo und Gegendemo "ohne besonderen Vorkommnisse".

Die Gegendemo, organisiert vom SPD-Ortsverein, sollte vor allem über Plakate entlang der Straße wirken.
Etwa 30 Gegendemonstranten zählte die Polizei am Heubacher Marktplatz.

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