Warum die Stadt Heubach ein Ökokonto möchte

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Stellte die Stadt bislang etwa einen Bebauungsplan auf, musste sie früher darin auch die Ausgleichsmaßnahmen für die Natur erstellen, später seien diese auch am Rand des Baugebiets möglich gewesen. Mit einem Ökokonto könnte der Ausgleich auch extern erfo
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Heubacher Gremium folgt den Plänen der Verwaltung am Dienstagabend einstimmig. Was steckt dahinter und was bringt es der Stadt?

Heubach

Die Stadt Heubach bekommt ein Ökokonto. Dem Vorschlag der Verwaltung stimmten die Gemeinderäte am Dienstag in der Stadthalle einstimmig zu.

Warum ein Ökokonto?

Matthias Kolb vom Stadtbauamt erinnerte daran, dass jeder bauliche Eingriff in die Natur Ausgleichsmaßnahmen erforderlich mache. Seit 2010 könnten Kommunen hierzu ein Ökokonto einrichten. „Heubach ist da noch etwas schwach auf der Brust“, meinte Kolb. Deshalb habe die Verwaltung ein Planungsbüro gesucht, das so ein Konto erstellen und pflegen könne. Im Büro von Andreas Walter, „Plan Werk Stadt“ aus Westhausen, habe man ein solches aus Sicht der Verwaltung gefunden.

Wie läuft das ab?

Landschaftsarchitekt Andreas Walter machte das bisherige Verfahren deutlich. Stellte die Stadt etwa einen Bebauungsplan auf, musste sie früher darin auch die Ausgleichsmaßnahmen für die Natur erstellen, später seien diese auch am Rand des Baugebiets möglich gewesen. Mit einem Ökokonto könnte der Ausgleich auch extern erfolgen. Dazu müssten zunächst die Flächen im Stadtgebiet erfasst und bewertet werden, ob sie sich für ein Ökokonto eignen. Auf einem Ökokonto werden laut Andreas Walter die möglichen ökologischen Maßnahmen auf den bestimmten Flächen dokumentiert.

Auf Nachfrage von Dominik Frey betonte Walter: Ökopunkte gebe es nur für das „Delta“, also für die Verbesserung eines ökologisch nicht so guten hin zu einem bessern Zustand. Eine bestehende Orchideenwiese eigne sich nicht so gut, da diese von ihrem Zustand für die Natur ja schon recht optimal sei. Als gängiges Beispiel nannte Walter etwa die Umwandlung von Äckern zu Blumenwiesen, was zehn Punkte pro Quadratmete bringe. Auch im Wald sei dies möglich, dabei müsste aber zum Beispiel ein genutzter Forst zum Bannwald werden.

Was sind die Vorteile?

Dadurch, dass durch ein Ökokonto die Flächen für die Ausgleichsmaßnahmen ja schon vorliegen, könnten die Verfahren schneller vorangehen. Die „Bodenbevorratung“, so Walter, senke Kosten und steigere den Handlungsspielraum der Kommune, weil sie etwa nicht unter Zeitdruck stehe, weil sie einem Eigentümer schnell ein Grundstück abkaufen müsse, um ein Projekt zu verwirklichen. Die bisherige Verwendung der jeweiligen Fläche sei bis zur Abbuchung der Punkte möglich, auch der Bebauungsplan werde entlastet. Die Vorleistungen der Kommune seien vollständig refinanzierbar und überschüssige Punkte werden auf zehn Jahre mit drei Prozent verzinst. Nicht zuletzt schaffen die Maßnahmen eine größere biologische Vielfalt in der Gemeinde, so Walter.

Kosten und Zeitplan

Die Einrichtung des Kontos beziffert die Verwaltung mit einem Honorar von 4500 Euro. Die Verbuchung und Bewertung potenzieller Flächen kostet pro Maßnahme 450 Euro. Die Stadt möchte drei Flächen bewerten lassen. Die jährliche Weiterführung liege bei pauschal 480 Euro. Insgesamt betrage das Honorar rund 9200 Euro. Eingerichtet sein könnte das Konto bis zum Sommer. Zwischen Herbst 2022 und Frühjahr 2023 würden die Flächen bewertet. Ab Sommer '23 wäre das Konto „bewirtschaftbar“.

Die Diskussion

Bernhard Deininger nannte ein mögliches Ökokonto „ein wichtiges Thema“. Gerade am Albtrauf gebe es gute Flächen, weil diese für die Landwirtschaft nicht so geeignet seien. Karl Grötzinger bat um „Augenmaß und Rücksicht“ hinsichtlich der Landwirtschaft. Man solle nur die Flächen aufnehmen, die schwer zu bewirtschaften sein. Anika Sturm wollte wissen, ob auch Privatleute ein Ökokonto lassen machen könnten, was Andras Walter bejahte. Privateigentümer könnten Punkte auch zum Handel anbieten. Allerdings würde dies bei ihnen, anders als bei Kommunen, im Grundbuch als Last eingetragen.

Eine schon bestehende Orchideenwiese bringt kaum Punkte.“

Andreas Walter,, Landschaftsarchitekt

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