Wenn Bücher in Quarantäne müssen

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Wie die Heubacher Stadtbibliothek nach dem Lockdown gestartet ist, welche Bücher besonders gut ankommen und welche Einschränkungen es gibt.

Heubach

Kinderbücher, Jugendbücher, Romane, Krimis: Kunden kommen zahlreich in die Heubacher Bücherei, die seit Ende April nach dem corona-bedingten Lockdown wieder geöffnet hat. Der Renner: "Als die Kindergärten noch geschlossen waren, waren manchmal fast alle Bilderbücher entliehen", sagt Bibliothekarin Birgit Schmid-Röhrich. Und das, obwohl deren Bestand groß sei. Dafür sei das Regal mit den Reiseführern für die weite Welt prall gefüllt für einen Monat wie den Juni. Interessant seien nur Reise- und Wanderführer für Deutschland. "Pfalz statt Provence", sagt Birgit Schmid-Röhrich, die sehr froh ist, dass die Einrichtung wieder schnell öffnen konnte und dass die Stadtverwaltung erkannt habe, wie wichtig eine Bücherei für die Menschen sei.

Die Hygienemaßnahmen: Die Zeit des Lockdowns nutzten die Mitarbeiterinnen der Bücherei, um sich auf die Öffnung vorzubereiten. Eine Plexiglas-Scheibe trennt die Mitarbeiterinnen von den Kunden an der Theke, Pfeile am Boden weisen auf die Abstandsregeln hin. Mitarbeiterinnen und Kunden tragen Mundschutz. Die Besucher verhielten sich sehr diszipliniert, sagt Marie Mündler, eine Zusatz-Mitarbeiterin, die schon einmal in der Bücherei als Ferienjobberin gearbeitet hat und das Team aktuell bei der Ausleihe unterstützt.

72 Stunden Pause

Zwei weitere Zusatzkräfte kümmern sich um die Desinfektion der Bücher. "Die zurückgegebenen Bücher kommen für 72 Stunden in Quarantäne", erläutert Schmid-Röhrich. Bei der Buchabgabe steht eine große Pappkiste bereit. In dieser liegen die Bücher für drei Tage. Dann rücken Gabi Wettengl und Martina Dengler mit Tüchern und Desinfektionsmittel an und reinigen jedes Buch. Oftmals entdecke sie dabei Bücher, die sie selbst gerne lesen möchte, beschreibt Gabi Wettengl. Ihr sei aufgefallen, dass viele Kunden spirituelle Bücher ausleihen und Bücher zum Thema Kochen, Nähen und Basteln, ergänzt Martina Dengler. Sie ist eigentlich an der Heubacher und der Lauterner Schule fürs Schulessen zuständig. Gabi Wettengl ist normalerweise in der Mittagsbetreuung und in der Kunst-AG tätig. Beide vermissen den Kontakt zu "ihren" Schützlingen sehr, auch wenn ihnen die Arbeit in der Bücherei Freude bereite.

Pfalz statt Provence,

Birgit Schmid-Röhrich über nicht ausgeliehene Reiseführer in der Heubacher Bücherei

Die Einschränkungen: Kindergarten-Gruppen und Schulklassen, die regelmäßig in der Bücherei vorbei kamen, dürfen dies aktuell noch nicht, weiß Birgit Schmid-Röhrich. Für manche Schulklassen stelle die Bücherei Lesekisten mit Büchern zusammen. Auch dieses Angebot stagniere derzeit. "Wir vermissen die Kinder sehr und hoffen aufs neue Schuljahr", sagt die Bibliothekarin. Was ebenfalls nicht möglich ist: Zeitschriften und Zeitung lesen in der Bücherei. Es gibt keine Sitzmöglichkeiten, um die Verweildauer in der Einrichtung zu minimieren. Dafür kämen aktuelle Zeitschriften, wie beispielsweise der "Spiegel", direkt in die Ausleihe. Normalerweise dürften diese erst eine Woche nach Erscheinen entliehen werden.

Die Baustelle: Neben der Baustelle "Corona" steht in den kommenden Jahren eine umfangreiche Sanierung des Schlosses an. Derzeit steht laut Heubachs Bürgermeister Frederick Brütting aber noch nicht fest, wann die Sanierung beginnen wird. Brütting: "Wir werden aber während der Bauzeit sicher einen Zeitraum haben, in dem die Bibliothek an einen anderen Standort umziehen muss." Der Umfang der Sanierungen und die Sicherheit der Mitarbeiter und Besucher mache dies erforderlich. "Außerdem wollen wir eine durchgängige Öffnung der Bibliothek gewährleisten", ergänzt der Bürgermeister. Wo der vorübergehende Standort sein wird, sei aber noch unklar.

"Heiß auf Lesen" in neuer Form ab 21. Juli

Die Leseaktion "Heiß auf Lesen" für Kinder, die jedes Jahr in den Sommerferien läuft, wird es in neuer Form geben. Die Aktion startet am 21. Juli. Birgit Schmid-Röhrich: "Es müssen keine Fragen zu den gelesenen Büchern beantwortet werden, stattdessen darf in einem Lese-Logbuch eine Seite über den Buchinhalt gestaltet werden." Neu ist, dass im Team oder allein ein Buch oder ein Comic zum Thema "Freundschaft" verfasst werden kann. Am Ende gibt es Urkunden und Preise, aber – wegen Corona – keine Abschlussparty. me

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