Wie geht's im Heubacher Freibad weiter?

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Das Traditionsfreibad in Heubach wurde im Jahr 1936 von der Firma Spießhofer und Braun (später Triumph International) als eines der ersten modernen Bäder in Süddeutschland, für die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit errichtet. Seit dem 01.04.1974 ist die Stadt Heubach Pächterin und Betreiberin des Freibads. Quelle aller Fotos: Studie der IWTI Gebäudetechnik GmbH
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Welche Mängel und Schäden Experten in einer Studie zusammengetragen haben, was sie erhaltenswert finden und was der Förderverein zu den Ergebnissen sagt.

Heubach

Die Saison ist in vollem Gange, der Sommer macht Ernst. Im Heubacher Freibad sind derweil rund ums Rutschenbecken und einen Teil des Planschbeckens sind rot-weiße Absperrbänder gespannt. Hier braucht's neue Pumpen.

De Stadtverwaltung überlegt nun, zum ganz großen Besteck zu greifen: Die Instandhaltungskosten fürs Freibad hätten sich in den vergangenen zehn Jahren auf über eine halbe Million Euro summiert, heißt es in der Vorlage für die Sitzung des Gemeinderats am Dienstag, 17. Juli. Dies werfe „zwangsweise die Frage aus dem Gremium nach einer sinnvollen Generalsanierung in mehreren Etappen auf“. Nun sei „in Anbetracht der hohen Sanierungs- und Instandhaltungskosten der richtige Zeitpunkt, den aktuellen Zustand des Freibades zu dokumentieren und Lösungsansätze zu finden, die eine sinnvolle Sanierung der Anlage über mehrere Jahre in Etappen möglich macht“, schreibt die Verwaltung. Im Gespräch sei auch ein möglicher Erwerb des Freibads durch die Stadt, bislang gehört es der Firma Triumph.

Dazu wurde das Büro IWTI aus Stuttgart, das auch für die Sanierung des Hallenbades verantwortlich ist, mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. In der Sitzung wird die Studie vorgestellt. Die wichtigsten Erkenntnisse:

Das Ziel der Studie sei, zu sanierende Bauteile aufzuzeigen, um das Freibad nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik weiter betreiben zu könne. Das Ergebnis der Studie diene „als Grundlage für einen möglichen Erwerb des Freibads durch die Stadt Heubach“.

Das Schwimmbecken sei „augenscheinlich in einem soliden Zustand“. Größere Mängel konnten nicht festgestellt werden. Dennoch schlägt die Studie Maßnahmen vor, etwa die Einrichtung einer „Vertikaldurchströmung“. Hierzu müsse der Beckenboden teils geschlitzt werden, um die Leitungen einzubringen. Der Beckenkopf und die Fußrinne sollten aus witterungsbeständigem Edelstahl sein. Ausgekleidet werden könne das Becken mit Fliesen oder Folierung. „Wir empfehlen kein komplettes Edelstahlbecken, da dies das Erscheinungsbild des Bades massiv verändern würde“, so die Autoren der Studie.

Der geflieste Boden der beiden Bogenduschen sei in einem schlechten Zustand. Hier könne neu gefliest werden. „Die Bogendusche in Charme der 1930er-Jahre muss auf jeden Fall erhalten werden“, schreiben die Experten.

Der Sprungturm und das Sprungbrett müssten wegen der Umbauarbeiten der Technikzentrale und damit verbundenen statischen Problemen abgebrochen werden, so dass die Filteranlage entnommen werden könne. „Aus gestalterischen Gründen schlagen wir einen Sprungturm im Stile der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor“, heißt es in der Studie.

Am Nichtschwimmerbecken seien oft großflächig Fliesen abgeplatzt. Hier habe die Stadt jährlich mit hohen Instandhaltungskosten zu rechnen, um das Schwimmbecken über die Saison öffnen zu können. Weiteres Problem: Für die Rutsche gebe es keinen gesondert abgetrennter Bereich, was „ein erhöhtes Verletzungsrisiko“ darstelle. Die Studie schlägt deshalb vor, das Nichtschwimmerbecken zu vergrößern mit einem abgetrennten Rutschenbereich.

Fürs Kinderbecken sieht die Studie zwei Lösungsmöglichkeiten. Entweder den Abbruch der Fliesen und Neuabdichtung mit neuem Fliesenbelag mit Edelstahlrinne oder ein Komplettabbruch und den Einbau eines neuen Beckens als Edelstahlbeckens.

In den Gebäuden sollte nach Ansicht der Experten das Dach saniert und die gesamte Elektrik ausgetauscht werden. Auch die Gastro sollte „komplett erneuert“ werden, ebenso Duschen und Toiletten.

Technik: Um das Freibad wieder vollständig in den aktuellen Stand der Technik zu überführen, müssten die meisten Komponenten ausgetauscht werden. Am Ende werde so „der Charme der 1930er-Jahre“ erhalten, allerdings mit neuer Technik.

Die Autoren betonen, ihr Konzept werde im Gemeinderat als „maximal Variante“ vorgestellt und solle als Diskussionsgrundlage dienen.

Carmen Grau, die Vorsitzende des Fördervereins zur Erhaltung des Freibads, sagt auf Anfrage, sie habe die Studie mit großer Freude gelesen. Das „schlüssige Gesamtkonzept“ sei nicht nur technisch sachkundig, sondern blicke auch „liebevoll“ auf das Freibad. Es sehe kein Flickwerk an Sanierungsarbeiten vor, sondern wolle „den Charme des einzigartigen 30er-Jahre-Bades umfassend erhalten“ und das „in völligem Einklang mit den Zielen unseres Fördervereins“, so Carmen Grau.

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