Wie sich der Rosenstein verändert

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Förster Jürgen Sistermans-Wehmeyer vor einer oben gekappten Rotbuche auf dem Rosenstein etlang des Panoramawegs.
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Der Klimawandel beschert auch dem Heubacher Hausberg ein anderes Gesicht. Was das mit der langen Sperrung des Panoramawegs zu tun hat, erläutert ein Förster. Ein Waldspaziergang.

Heubach

Wenn Förster Jürgen Sistermans-Wehmeyer auf dem Panoramaweg auf dem Rosenstein unterwegs ist, bietet sich auch seinem geschulten Auge oft ein ungewohnter Anblick. Die Kronen vieler Bäume, vor allem Rotbuchen, entlang des Weges sind gekappt, meist etwa auf einer Höhe von sechs bis neun Metern. An manchen wächst schon wieder Grün, es bildet sich, wie der Fachmann sagt, eine „Sekundärkrone“. Andere, die etwas weiter vom Weg entfernt stehen, recken kahles, abgestorbenes Geäst in die Höhe. Totes Holz lieg auch auf dem Boden, dazwischen strecken junge Bäume vorsichtig ihre Köpfe raus, Spitzahorn, Buche, sogar, wie der Förster erläutert, die schon totgeglaubte Ulme. Aber auch eher seltenes Gewächs wie die Türkenbundlilie oder, um die Jahreszeit recht ungewöhnlich, Veilchen. Der Rosenstein verändert sein Gesicht. Wegen des Klimawandels, davon ist Sistermans-Wehmeyer überzeugt. Rotbuchen und Eschen haben es schwerer, die trockenen Sommer der Jahre 2018, 19 und 20 haben ihnen schwer zugesetzt. Deswegen musste auch der Panoramaweg lange gesperrt werden. Doch der Reihe nach.

Es war im Januar 2020, berichtet Sistermans-Wehmeyer, als der zuständige Revierförster Henning Fath auf dem Panoramaweg unterwegs war und ihn „fast der Schlag getroffen“ habe. Die Buchen entlang der Wege waren massiv geschädigt, teilweise schon abgestorben. Der Forst muss für sichere Waldwege sorgen, da war schnelles Handeln gefragt. Eigentlich. Hier auf dem Rosenstein aber treffen viele unterschiedliche Interessen aufeinander, sagt Sistermans-Wehmeyer. Naturschutzgebiet, FHH-Schutzgebiet, Vogelschutzgebiet für Wanderfalke und Uhu. Dazu die Nutzung als Erholungs- und Sportgebiet für Wanderer und Mountainbiker, durch Corona noch verstärkt, weil viele Leute nach draußen und in die Wälder drängten.

Noch ein Jahr Sperrung?

Die Zeit war knapp, weil ab 15. Februar Forstarbeiten wegen Balz und Brut der geschützten Vogelarten verboten sind. Dann wurde klar, berichtet Sistermans-Wehmeyer, dass auch die Mopsfledermaus in der Gegend vorkommt. „Das war eine schwierige Gesamtsituation“, erinnert sich der Förster. Es blieb nur, den Panoramaweg sofort zu sperren. Drei Kilometer Flatterband sei zum Einsatz gekommen. „Daran haben sich die Leute dann gehalten oder auch nicht“, meint der Förster und ergänzt: „Gerade Hennig Fath hat sich da schon einiges anhören müssen.“ Bei den insgesamt rund 20 Ortsterminen habe sich immer wieder ein neues Bild ergeben, es lagen Bäume plötzlich mitten auf dem Weg. Im März/April sei das Ziel definiert gewesen: Die Sicherheit muss gewährleistet sein, dabei sollte so viel Natur wie möglich erhalten bleiben, auch in Form von liegendem und stehendem Totholz, Letzteres eben die „oben abgeknipsten“ Bäume.

Zunächst sei geplant gewesen, die Baumkronen vom THW absprengen zu lassen. Wegen der großen Anzahl und des dabei entstehenden Lärms sei dies aber nicht durchführbar gewesen. Nächster Plan: Die Kronen mit einer speziellen Maschine abzuknipsen. „Von diesen gibt es aber nur drei oder vier in Baden-Württemberg“, sagt Sistermans-Wehmeyer. Mitte Oktober waren die Arbeiten ordnungsgemäß ausgeschrieben und der Zuschlag erteilt, im November sollte es losgehen. „Wer kann ahnen, dass es da auf der Ostalb noch zu warm ist?“, fragt der Förster. Denn die Mopsfledermaus gebe erst bei Temperaturen von konstant minus vier Grad Winterruhe. „Da standen wir kurz vor der Verzweiflung“, gibt Sistermans-Wehmeyer zu. Hätte es in dem Winter nicht geklappt, hätte der beliebte Panoramaweg nochmal ein Jahr gesperrt werden müssen. Im Dezember ließ die Witterung die Arbeiten zu und auch die Firma mit der Spezialmaschine, die eigentlich in Thüringen beschäftigt war, hatte Zeit. „Dann ging es rasend schnell“, sagt Sistermans-Wehmeyer. Elf Monate waren da ins Land gezogen.

Alle Beteiligten zufrieden

Immerhin: „Bisher sind alle Beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden“, sagt der Förster und bleibt in der Nähe des Ostfelsens an einem Baum stehen. Er deutet auf ein Loch im Stamm. Verantwortlich dafür sei der Schwarzspecht. Dessen Höhlen bis zu 30 Jahren von mehreren Generationen bewohnt werden. Und wenn die mal ausgezogen sind, dauere es nicht lange, manchmal nur wenige Minuten, bis es sich die Nachmieter in der Baumhöhle gemütlich machen, etwa die Hohltaube. Der Baum steht direkt am Wegesrand, auch er wurde oben abgezwickt. Von unten ist das kaum mehr zu sehen. Gerade der Baum mit seiner Spechthöhle ist für Sistermans-Wehmeyer ein gutes Beispiel für die seiner Ansicht nach hervorragende Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure bei den Maßnahmen auf dem Rosenstein. Der Naturschutz wollte den Baum wegen der Spechtwohnung erhalten, der Forst musste für die Sicherheit des Weges geradestehen. „Wenn etwas Schwerwiegendes passiert, was hätte verhindert werden können, dann kann der jeweilige Revierförsterei strafrechtlich persönlich haftbar gemacht werden“, betont Sistermans-Wehmeyer.

  • Der Rosenstein wird grün bleiben. Aber eben anders. Hier werden eher Winterlinde, Spitz- und Bergahorn sowie Eiche häufiger vorkommen als bisher. Die Rotbuche werde weiter stark vertreten sein. Allgemein, nicht auf den Rosenstein bezogen, wird in unseren Breiten auch Platz sein für „fremdländische Arten“, für Douglasie oder Tulpenbaum aus Amerika genauso wie ungarische Eiche oder orientalische Buche. Letztere seien trockenresistenter als die hiesigen, aber durch ihre Artverwandtheit könnten Pflanzen und Tiere etwas mit ihnen anfangen, so der Förster.
Förster Jürgen Sistermans-Wehmeyer vor einer oben gekappten Rotbuche auf dem Rosenstein etlang des Panoramawegs.

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