Zwölf Mal auf den Mount Everest

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Seit 25 Jahren klettern Schüler des Heubacher Rosenstein-Gymnasiums auf dem Hausberg, dem Rosenstein, aber auch im Gebirge. Derzeit verhindert Corona das Training der Kletterer.
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Die Kletter-AG des Heubacher Rosenstein-Gymnasiums besteht seit 25 Jahren. Rund 400 Schüler waren bislang dabei. Über Teamwork, wilde Jungs und die Corona-Bremse.

Heubach

Vor 25 Jahren startet eine kleine Schülergruppe um den damals neuen Bio- und Deutschlehrer Robert Felch die Kletter-AG des Rosenstein-Gymnasiums. Heute fragen viele angehende Fünftklässler schon vor dem Start an der Schule nach einer Beitrittserklärung für die AG, die viel mehr ist als eine Sportgruppe.

0 mal die Bergwacht

Mal ein aufgeschürftes Knie oder ein paar Kratzer: Mehr ist da aber tatsächlich nicht passiert in den vergangenen 25 Jahren, obwohl vielen Eltern schon beim Gedanken an Kletterseil und Karabiner schwindelig wird. „Es darf nichts passieren können“, erklärt Robert Felch. Und trotzdem müsse das Klettern für die Kinder ein spektakuläres Erlebnis sein. Dies erfordere eine aufwendige Planung – sei es bei den Schneeschuhwanderungen, wenn die Kinder bei Dunkelheit mit den Spezialschuhen bis zur Hütte marschieren, bei Hochtouren, Klettersteigen oder Bergwanderungen. „Die Kinder wachsen an diesen Aufgaben“, erklärt der Kletterlehrer, dem es wichtig ist, dass seine AG-Schüler um die Gefahren im Gebirge wissen, die Risiken kennen und sie kontrolliert zu meistern wissen..

100 Prozent Jungs

So fängt vor 25 Jahren alles an. Frisch als Lehrer am Gymnasium, denkt sich Robert Felch mit dem Rosenstein im Rücken: „Klettern ist hier ein Muss.“ Als Klassenlehrer begleitet er 1995 seine Siebte ins Schullandheim nach Südtirol. Danach gibt's kein Halten mehr. „Das müssen wir jetzt öfters machen“, lautet der Wunsch seiner Schüler. Die Kletter-AG ist geboren. Mit einer Gruppe von sechs oder sieben Jungs geht Robert Felch in dieser Zeit regelmäßig zum Klettern auf den Rosenstein. Aus einer kleinen Gruppe wird eine große Arbeitsgemeinschaft (AG). An den Rosenstein kann Felch mit so vielen Schülern nicht mehr. Die Kletterhalle im Waldstetter „Squash und Fit“ wird zum Trainingsort, später die selbst gestaltete Kletterwand in der Rosensteinhalle. Die wilde Jungsgruppe entwickelt sich nach und nach zur Mädchen-AG. „Ich hab fast keine Jungs mehr“, sagt Felch heute und erklärt die Unterschiede: Während die Jungs nach dem Prinzip höher, schneller, weiter kletterten, unterschätzten sich Mädchen oft und gingen realistisch-geduldig an Touren ran.

105 000 Höhenmeter

Etwa zwölf Mal auf den Mount Everest: Das kommt ungefähr hin, zählt man die Höhenmeter der vergangenen 25 Jahre zusammen. „Wir standen gemeinsam auf über 60 Gipfeln“, schwärmt Felch. Darunter fünf Viertausender, 21 Dreitausender und 27 Zweitausender in Österreich, der Schweiz und Italien. – und unzählige Kletterstunden am Sophienfelsen auf dem Rosenstein, um den Umgang mit Seil und Karabinerhaken zu üben. Hinzu kommen rund 20 Schneeschuh- und Mountainbike-Touren. Wobei es bei der Kletter-AG nie darum geht, möglichst schnell nach oben zu gelangen. „Wir nehmen an keinen Wettbewerben teil“, erklärt deren Leiter. Leistungsorientiertes Training sei nicht die Idee dahinter, sondern vielmehr Klettern im Team. Es gehe um Zuverlässigkeit, Konzentration und eine positive Selbstwahrnehmung – ein erlebnispädagogischer Ansatz.

400 Kletter- und Bergschuhe

In 25 Jahren kommt einiges zusammen. Rund 400 Schüler wandern in dieser Zeit mit Robert Felch in den Bergen. Mit dabei sind Schüler aller Altersklassen ab der fünften Klasse, anfangs zwischen acht und zwölf in einer Gruppe, später 18 bis 26. Die Kletterer des Gymnasiums sind auch unterwegs mit Schülern anderer Schulen, beispielsweise der Heubacher Mörikeschule, der Gmünder Agnes-von-Hohenstaufenschule, der Adalbert-Stifter-Realschule oder mit Leuten vom Deutschen Alpenverein.

150 Nächte im Schlafsack

Das kommt etwa hin, wenn man alle Mehrtagestouren der vergangenen 25 Jahre zusammenzählt. Übernachtungen auf der Schwarzwasserhütte oder auf der Ostlerhütte gehören zum Anfängerprogramm, das die Schüler gemeinsam mit Robert Felch zusammen stellen. Am Ende des Kletterjahres gibt's selbst gestaltete Erinnerungskarten für die Teilnehmer mit eigenem Fotomotiv von der schönsten Tour. Im Jubiläumsjahr 2021 sollte eine Reise mit Schülern der Partnerschule in Tarragona nach Andalusien auf Spaniens höchsten Berg dazu kommen. Dem macht Corona einen Strich durch die Rechnung. Die Reise soll aber 2022 nachgeholt werden. Eine Bergtour gehört dazu, ebenso Kulturelles wie eine Fahrt nach Granada. Was noch geplant ist? Ein gemeinsamer Abend mit Ehemaligen der Kletter-AG und mit den aktuellen Kletterfreunden. Auch der wird nachgeholt. Das wird spannend, glaubt Felch, denn so mancher Ehemalige sei noch heute mit den Bergen eng verbunden – beispielsweise als Übungsleiter beim Alpenverein, als Bergretter oder gar Höhenmediziner.

150 Liter Marschtee

So viel kommt weg in den vergangenen 25 Jahren. Abwarten und Tee trinken? Gerade eben schon. Corona bremst die Kletter-AG komplett aus. Derzeit dürfe sich keine AG treffen. „Es fehlt sehr“, sagt Felch traurig. Und hofft auf viele weitere Liter Tee und Saft bei den kommenden Touren.

So klettert

Deutschland

1,2 Millionen Mitglieder hat der Deutsche Alpenverein (DAV) in etwa.

29,2 Tage pro Jahr gehen Kletterer laut DAV-Umfrage in die Kletterhalle. Outdoor sind es im Schnitt 15,3 Tage, beim alpinen Klettern sind's 5,4 Tage.

500 Kletterhallen gibt es laut Schätzung des DAV in Deutschland. Tendenz steigend.

Nähere Infos zur Kletter-AG am Rosenstein-Gymnasium gibt'sunter www.rosenstein-gymnasium.de

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Robert Felch leitet die Kletter-AG von Anfang an.
Ein besonderes Erlebnis sind die Schneeschuhwanderungen der Kletter-AG.
Jedes Jahr gibt's selbst gestaltete Erinnerungskarten.
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