Tüftelnde Heuchlinger Sparfüchse bei der Feuerwehr

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Timo Altrock, Matthias Werner und Kommandant Patric Hülsken vor dem alten Löschfahrzeug mit den generalüberholten Atemluftflaschen
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Schlank gespart, aber funktionstüchtig: Was die Heuchlinger Feuerwehr alles auf die Beine stellt, um die Kosten fürs neue Einsatzfahrzeug zu senken.

Heuchlingen

Das alte Löschfahrzeug der Heuchlinger Feuerwehr hat 33 Betriebsjahre auf dem Buckel. Obwohl es treue Dienste geleistet hat und immer noch von den 39 Aktiven gepflegt und in Schuss gehalten wurde, muss es jetzt ersetzt werden.

„Nach 30 Jahren werden Löschfahrzeuge in der Regel ausgemustert“, erklärt Kommandant Patric Hülsken. Mit dem Wissen, dass Heuchlingen finanziell nicht auf Rosen gebetet ist, machte sich der sechsköpfige Fahrzeugausschuss daran, ein neues Fahrzeug zu konfigurieren, das der Vorgabe des Kreisbrandmeisters genauso entspricht wie dem Bedarf der Heuchlinger Feuerwehr nach einem „großen Allradfahrzeug mit ausreichender Nutzlast“.

Zuerst musste ein Feuerwehrbedarfsplan her, der wird normalerweise von Brandschutzingenieuren oder Berufsfeuerwehrleuten erstellt „und kostet bis zu 15 000 Euro“. In Abstimmung mit dem ehemaligen Kreisbrandmeisters Otto Feil konnte dieser Plan in Eigenregie und für lau erstellt werden. Federführend war Timo Altrock als Planer für Elektrotechnik und Brandschutz. Die Detailplanung für die Beladung des neuen Fahrzeugs wurde mit der Erfahrung des Gerätewarts Matthias Werner ausgeführt. Der Kommandant, als Kfz-Meister, war für die Wahl des geeigneten Fahrgestells zuständig. Ein „vernünftiges Fahrzeug“ stand auf der Wunschliste. Mit Pfiff und viel Know-how konnten bei der Gesamtplanung einige tausend Euro eingespart werden.

Was taugt, wird nicht ersetzt

Zuerst wurde „Inventur“ angeordnet, alle Ausrüstungsgegenstände wurden auf Tauglichkeit, Sicherheit und Haltbarkeit überprüft. „Was den Vorgaben standhält, muss nicht ersetzt werden“, lautete das Credo der Wehr. Schläuche, die in Ordnung sind, werden nicht ersetzt, auf neue Atemluftflaschen mit verringertem Gewicht wurde verzichtet. Von einer befreundeten Wehr aus der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein übernahmen die Heuchlinger 26 gebrauchte Atemluftflaschen, die in stundenlanger Handarbeit abgeschliffen und neu lackiert wurden. Auf vieles wurde aus beim neuen GW L1 aus Kostengründen verzichtet, ohne die Einsatzfähigkeit des neuen Fahrzeugs in Frage zu stellen, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber oder ein gefederter Beifahrersitz fielen genauso dem Rotstift zum Opfer wie ein Teleskopauszug für die Batterie. Abstriche gab's bei der Lackierung, ein spezieller Spritzschutz zur Verhinderung von Sprühnebel wurde ebenfalls als unnötig erachtet. Mehr Wert wurde darauf gelegt, ein Allradfahrzeug mit Automatikgetriebe zu erhalten. Vorteil: Für die Fahrzeugführer eine Erleichterung, gleichzeitig schütze das Automatikgetriebe vor ungewolltem Losrollen bei Steigungen und biete dem Trupp, der um das Fahrzeug beschäftigt, ist ein hohes Maß an Sicherheit. Die „eierlegende Wollmilchsau“, wie Werner zufrieden erklärt, bietet dank seiner umfangreichen Ausstattung, mit der es je nach Einsatz bestückt werden kann, noch mehr Einsatzmöglichkeiten. Auch hier zeigt sich die Findigkeit der Heuchlinger, der Rollwagen „Unwetter“ kann mit Werkzeugen bestückt werden, die für günstiges Geld von einem hiesigen Handwerksbetrieb erworben wurden. Die Tauchpumpe wird erst ausgewechselt „wenn sie ihre Verschleißgrenze erreicht hat“. Neu ist der extra Rollwagen zum Löschwasserrückhalt und Gewässerschutz, der kontaminiertes Löschwasser auffangen soll. Neu ist Rollwagen-Hygiene zur „Schwarz-Weiß-Trennung“, die den Einsatzkräften die Möglichkeit bietet, kontaminierte Kleidung zu wechseln und Gesicht und Hände zu reinigen. Ebenfalls wurde ein „Recover-E-Bag“ geordert, ein Berge- und Aufbewahrungssystem für verunfallte Elektroautos. Damit kann durch Kühlung verhindert werden, dass sich Batterien entzünden.

Das ist eine eierlegende Wollmilchsau.“

Matthias Werner,, Feuerwehr Heuchlingen
Timo Altrock, Matthias Werner und Kommandant Patric Hülsken vor dem alten Löschfahrzeug mit den generalüberholten Atemluftflaschen

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