Wohnen hui, Nahverkehr pfui

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Heuchlingen aus der Luft: Links die katholische Kirche St. Vitus, in der Bildmitte das Areal rund um den neuen Kindergarten und die Schule, am oberen Bildrand in der Mitte das neue Baugebiet „Lindenbrunnen“. Der Blick geht von Nordwesten nach Südosten. Foto: jps
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Heuchlingen punktet als „Wohngemeinde“ mit Natur, Vereinsleben und Sauberkeit. Die andere Seite der Medaille: unzureichender öffentlicher Nahverkehr und Betreuungszeiten für Kinder.

Heuchlingen

Die Perle des Leintals. So wirbt die Gemeinde Heuchlingen in ihrem Internetauftritt für sich. Wie bewerten die Bürgerinnen und Bürger das Leben in ihrer Gemeinde? Was ist gut, was ausbaufähig? Bei der großen Umfrage unserer Zeitung, dem „Ostalbcheck“, konnten die Teilnehmenden in verschiedenen Bereichen, vom Vereinsleben über die Kinderbetreuung bis zum Verkehr, Punkte vergeben, von null bis zehn. Wie hat Heuchlingen dabei abgeschnitten?

Heuchlingen belegt im Vergleich der Regionen den 29. Platz sowie in sieben von 15 Lebensbereichen einen überdurchschnittlichen Rang. Innerhalb von Heuchlingen schneiden die Themen Sauberkeit, Sport/Vereinsleben und Lebensqualität am besten ab. Besonders schlecht werden hingegen die Kategorien Gesundheitsversorgung, ÖPNV und Gastronomie bewertet. Auch die Angebote für Kinderbetreuung werden von vielen Teilnehmenden kritisch bewertet.

Bürgermeister Peter Lang betont gerne, dass Heuchlingen eben eine „Wohngemeinde“ sei. Will sagen, viele Bürgerinnen und Bürger pendeln zum Arbeiten und wohl auch für Freizeitangebote ins Umfeld, etwa nach Gmünd oder Aalen. Diese Lage mittendrin und in der Natur hat ihre Vorteile, es ist ruhig, grün und sauber.

Der öffentliche Nahverkehr

Aber eben auch Nachteile, wie ein Nutzer schreibt: „Die Anbindung an den öffentlichen Bahnverkehr ist eine Katastrophe! In den Schulferien fährt praktisch kein Bus. Auch in der Schulzeit muss man als Familie zwei Autos besitzen um die Kinder zur Schule bringen zu können oder auch einkaufen, zur Apotheke, etc. kommen zu können. Kinderbetreuung in den Ferien ist leider auch nicht vorhanden. Sehr schade.“ Ein anderer mahnt an: „Es sollte ein besseres Angebot des Nahverkehrs geben. Auch die Umsteigezeiten sollten angepasst werden, da die Anschlüsse meist schon weg sind, wenn man mit dem Bus ankommt.“

Die fehlende Arztpraxis

Zum Thema Gesundheitsversorgung: Mit knapp 69 Jahren hat Dr. Guido Hegele seine Praxis nach 29 Jahren im Juni aufgegeben. Wie geht es hier weiter? Neue Versorgungsformen für Patienten stehen an. Im Gespräch mit der GT brachte Hegele etwa das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Mögglingen ins Spiel, das im vergangenen Herbst eröffnet hat. „Das ist ein Modell der Zukunft“, ist er sich sicher. Auch die Teilnehmenden der Umfrage treibt das Thema um. „Jetzt im Alter muss man nach über 29 Jahren wieder auswärts zum Arzt“, schreibt einer. Ein Weiterer fragt: „Gibt es Anstrengungen zur Erhaltung der ärztlichen Versorgung im Dorf?“

Betreuungszeiten im Kiga

Ein weiterer großer Kritikpunkt sind die zeitlichen Angebote der Kinderbetreuung. „Bitte unbedingt die Öffnungszeiten des Kindergartens an die berufliche Situation der Eltern anpassen und erweitern“, so der Appell. Oder noch detaillierter: „Bitte das Angebot für die Ganztagesbetreuung (ab 1 Jahr) ausbauen. Betreuungszeiten im Kindergarten von 7.30 bis 13.30 Uhr sind komplett veraltet und für berufstätige Eltern nicht geeignet. Es sollte ein Umdenken stattfinden, dass viele Frauen trotz Kinder meistens einer Teilzeitbeschäftigung von 80 bis 95 Prozent nachgehen oder in Vollzeit arbeiten. Dies gilt auch für Gemeinden im ländlichen Bereich und würde die Attraktivität deutlich steigern. Ein Betreuungsangebot, wo man längere Betreuungszeiten flexibel buchen kann. Aufgrund der Berufstätigkeit wäre eine zehn Stunden Betreuung (7 bis 17 Uhr) von Montag bis Donnerstag super.“

Das Zehntscheuer-Gelände

Ein Teilnehmer der Umfrage verweist darauf, dass die Gemeinde die Zehntscheuer mit zugehörigem Gartengrundstück geerbt habe und bemängelt: „Es ist sehr schade, dass das alles brachliegt und keine erkennbaren Konzepte zur Nutzung vorliegen.“ Ein anderer Nutzer schlägt dazu vor, dass hier die Bürger aktiv bei der Ideenfindung und Umsetzung einbezogen werden sollten.

Alle Ergebnisse finden Sie auf www.tagespost.de/ostalbcheck

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