Heuchlinger Arzt hört altershalber auf

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29 Jahre waren Dr. Guido Hegele, Landarzt in Heuchlingen, und seine Frau Beate ein starkes Team für die Patientenschar. Zum 30. Juni 2022 gibt der Mediziner seine Praxis altershalber auf.
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Dr. Guido Hegele gibt zum 30. Juni seine kassenärztliche Zulassung zurück. Für die Praxis gibt es bislang keine Nachfolge.

Heuchlingen

Dr. Guido Hegele hebt beschwichtigend die Hände: „Ich bin ja noch ein Weilchen da.“ Das ist die gute Nachricht. Aber Fakt ist: „Ich gebe altershalber zum 30. Juni meine kassenärztliche Zulassung ab.“ Was bedeutet, dass er seine Praxis schließt. Wieder ein klassischer Landarzt, der einen Schlusspunkt setzt. Heuchlingen muss sich auf die Suche nach einem Arzt machen, denn eine Nachfolge für seine Praxis hat er bislang nicht gefunden. „Es gab immer wieder Interessenten, aber es wurde nie etwas Konkretes“, bedauert der promovierte Mediziner mit Diplom in Psychologie. Die Patientinnen und Patienten wissen Bescheid, „wir haben kein Geheimnis draus gemacht“, versichert Beate Hegele, seine Frau.

Warum er aufhört? „Ich werde 69 Jahre alt“, stellt Hegele pragmatisch fest. Er fügt lächelnd an: „Ich bin mit meinen Patienten gemeinsam alt geworden.“ Dank der 29 Jahre, in denen er in Heuchlingen praktiziert, kennt er deren Lebensgeschichte aus dem Effeff. „Heute behandle ich die Kinder oder auch Enkel meiner ersten Patienten“, beschreibt er.

Was ihm am Herzen liegt: dass „Hausbesuche sehr wichtig sind“. Die macht er täglich. „Nur so kennt man das Umfeld des Patienten.“ Kann beispielsweise Senioren Tipps geben, wie der Alltag in den eigenen vier Wänden nicht so beschwerlich ist. Etwa durch Umbauten, damit Rollstuhl oder Rollator mühelos zu handhaben sind. „Das Zusammenspiel zwischen Arzt und pflegenden Angehörigen sowie Pflegediensten wird immer wichtiger“, sieht Hegele deutliche Veränderungen zu seiner Zeit als junger Arzt. Vieles hat sich geändert dank neuester Medizin und Medikamentenversorgung. Vieles werde aber auch immer komplizierter. Im Blick hat er unter anderem die Einführung der elektronischen Patientenakte. Zwar erneut verschoben, „wird sie kommen“. Was bedeutet, dass die Herausforderungen für Mediziner und deren Mitarbeitende immer größer werden. Dankbar stellt er fest, dass er ein sehr gutes, loyales Team im Rücken hat. Immer schon. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass seine Frau Beate als Krankenschwester selbst in der Praxis mitarbeitet. „Das ist eine große Hilfe.“

Neue Versorgungsformen für Patienten stehen an. Hegele denkt etwa an das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Mögglingen, das im vergangenen Herbst eröffnet hat. „Das ist ein Modell der Zukunft“, ist er sich sicher. Wie auch genossenschaftliche Formen, die aktuell vom Landratsamt und den Kommunen forciert werden. Ebenfalls sehr positiv bewertet er die Tatsache, dass seit zehn Jahren eine Wochenendbereitschaft im Stauferklinikum gibt. Sie gebe den Hausärzten Luft und somit auch mal Freizeit. „Früher hatten wir am Wochenende Bereitschaftsdienst von Samstagvormittag bis Montagmorgen. Dann startete wieder der reguläre Dienst in der Praxis“, schildert Hegele. Das sei „Gott sei Dank“ vorbei.

Die Praxisräume wären da

Beim Praxisstart vor 29 Jahren beschloss Hegele, Teil des Notfallbezirks Schwäbischer Wald zu werden. Weil es dort viel weniger Hausärzte gab als in der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein. „Das hab‘ ich nie bereut“, beschreibt er das gute Miteinander. Gegenseitig unterstützt man sich, übernimmt Urlaubsvertretungen. Krankheitsvertretungen bedurfte es aus seiner Sicht kaum. „In all der Zeit fehlte ich höchstens mal zwei Tage wegen eines grippalen Infekts“, freut er sich über seine Gesundheit.

Was Hegele ebenso freut: dass seine Patientinnen und Patienten, deren Zahl im vierstelligen Bereich liege, „großes Verständnis“ für die Aufgabe seiner Praxis zeigen. „Mit 69 Jahren darf man aufhören“, sagt er. Wobei sein Wunsch ist und bleibt, dass es wieder einen Hausarzt in Heuchlingen geben möge. Die Praxisräume, die er angemietet hat, wären vorhanden.

Mit

Dr. Guido Hegele,, Landarzt

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