Hopfen und Malz sind in Heubach nicht verloren

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Alexander Caliz (l.) und Thomas Mayer von der Heubacher Hirschbrauerei bleiben zuversichtlich, obwohl die Schließungen in der Gastronomie und der Wegfall zahlreicher Veranstaltungen einen starken Umsatzeinbruch nach sich ziehen.

Wie ist es der Hirschbauerei im Corona-Lockdown ergangen und wie blickt das Traditionsunternehmen in die Zukunft?

Heubch

Seit Beginn der Pandemie hagelt es Absagen. Es gab keine Gartenfeste, viele Vereinsheime und Bewirtungsstationen waren seit dem Frühjahr geschlossen, der Lockdown light trifft die Gastronomie nun ein zweites Mal. Damit hinterlässt sie auch Spuren bei der Heubacher Hirschbrauerei. Die verzeichnete in diesem Jahr einen starken Einbruch, besonders beim Fassbier, das gerne auf Gartenfesten und in Gastronomiebetrieben ausgeschenkt wird. Auch beim Verkauf von Flaschenbier sei ein merklicher Umsatzrückgang zu verzeichnen, erklärt Geschäftsführer Thomas Mayer. Wobei: "Der Umsatz in den heißen Monaten war verhältnismäßig in Ordnung, konnte aber an die vergangenen Jahre nicht anknüpfen."

Der schmerzhafte Einschnitt begann Mitte März, ob sich eine Stabilisierung der Lage zum Jahresende abzeichnen wird? "Bestimmt nicht", sagt Mayer. Selbst wenn die Gastronomiebetriebe Anfang Dezember wieder öffnen, rechnet der Geschäftsführer mit "eher verhaltenem Zuspruch der Gäste". Firmen- und Vereins-Weihnachtsfeiern werden nicht stattfinden können. Daher stellen sich Geschäftsleitung und Mitarbeiter der Brauerei auf einen ruhigen Winter ein.

Malz, Hopfen, Wasser und Hefe sind die einzigen Zutaten, die das Deutsche Reinheitsgebot zum Bierbrauen erlaubt. Das Malz wird in der Heubacher Brauerei über "Malzkontrakte" geordert. Die Kontrakte legen Abnahmemenge und Preis für ein Jahr fest. Auf Hopfen und Malz sitze die Brauerei derzeit nicht, meint Mayer, "die Kontrakte können entsprechend verlängert werden, einzig der verhandelte Preis ist zu bezahlen".

Zu Jahresbeginn wurden in der Flaschenfüllerei umfangreiche Umbaumaßnahmen vorgenommen, die Produktion stand während dieser Zeit still und das Lager wurde nahezu vollständig abverkauft. Genau zu dem Zeitpunkt, als wieder abgefüllt werden konnte, kam der Lockdown. Trotz geringer Verkaufszahlen musste der Lagerhallenbestand Zug um Zug wieder aufgefüllt werden, weshalb die Brauerei intern in den ersten Wochen nichts vom Lockdown spürte.

Wir stehen zu unserem Wort, auch in schwierigen Zeiten.

Thomas Mayer, Geschäftsführer

Der häusliche Bierverbrauch sei während der ersten Lockdownphase zwar gestiegen, meint Mayer, das liege aber nicht am Trinkverhalten der Menschen, sondern an einem Umverteilungseffekt weg von Veranstaltungen und Wirtschaften. Der fehlende Absatz im öffentlichen Bereich sei bei weitem nicht durch den im privaten Bereich ausgeglichen worden.

Bis zu sechs Wochen dauert die Bierherstellung, Absatz und Bedarf am Markt müssen mit entsprechend viel Vorlauf geplant werden. Das "frische Blonde" könne vor der Abfüllung ohne Qualitätsverlust in den gekühlten Tanks des Lagerkellers bleiben. Der "langsam und schonend produzierte Gerstensaft" kann nach der Abfüllung in Flaschen bei guten Bedingungen ebenfalls einige Zeit lagern, meint der Fachmann.

Trotzdem wurde auch in der Heubacher Brauerei die Produktion dem Markt angepasst. Bereits zum ersten Lockdown einigten sich Geschäftsleitung und Betriebsrat darauf, das Mittel der Kurzarbeit zu nutzen. Auch jetzt rechnet Mayer damit, dass die Mitarbeiter wieder vermehrt tageweise in Kurzarbeit gehen müssen. Diese Maßnahmen sind nötig, "denn die Fixkosten laufen auch bei geringerer Produktion weiter", erklärt Mayer und spricht unter anderem den Lagerkeller an, dessen Kühlung stets in Betrieb sein muss, egal, ob viel oder wenig Bier darin lagere. Man versuche, mit Fingerspitzengefühl dranzugehen und habe "die Belegschaft auch voll hinter sich", lobt Mayer.

Umsatz und Verkauf mit neuen Produkten anzukurbeln, dafür sieht Mayer momentan keine Notwendigkeit. "Wir haben diesen Sommer bereits einige Neuerungen auf den Markt gebracht, welche wahrscheinlich erst nächste Saison so richtig durchstarten können." Die Brauerei versuche jetzt, "wo es geht, unsere Gastro- und Vereinskunden zu unterstützen und ihnen Mut zu machen". Sponsoringverträge und zugesagte Gastroinvestitionen erfülle die Brauerei trotz teilweise dramatischer Umsatzeinbrüche. "Wir stehen zu unserem Wort, auch in schwierigen Zeiten, und wünschen den Kunden und Wirtsleuten der Region, dass in absehbarer Zeit wieder ein Stück Normalität zurückkehren kann", hofft Mayer und stellt klar: "Unser Betrieb existiert seit bald 300 Jahren. In dieser langen Zeit wurden schon bedeutend schlimmere Krisen überwunden.". Die aktuelle Situation sei zwar schwer, aber mit dem Zusammenhalt in der Region und einem treuen Kundenstamm auch zu meistern.

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