Kuh Wilma war nach Berlin beleidigt

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Josef Holl vom Riedhof in Heuchlingen macht sich seit der Gründung des Zuchtvereins Limpurger Rind 1987 stark für die Rasse. Er verabschiedete sich jetzt aus dem Vorstand.
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Josef Holl aus Heuchlingen hat altershalber seinen stellvertretenden Vorsitz in der Züchtervereinigung Limpurger Rind abgegeben.

Heuchlingen-Riedhof.

Der Dodo aus Mauritius ist ausgestorben. Wer diesen Vogel sehen will, muss in Souvenirläden gehen. Dort gibt es ihn in allen Variationen und Materialien. Aber in der Tierwelt ist er nicht mehr auffindbar. Dasselbe Schicksal drohte einst dem Limpurger Rind, auch Leintäler genannt. Doch es ist einer handvoll Landwirten zu verdanken, dass dies nicht passierte. Sie setzten sich 1986 für die Rasse ein, die speziell im Leintal und im Raum Schwäbisch Hall in früheren Zeiten sehr gute Arbeitsdienste auf dem Acker verrichtet hatte.

Einer dieser „Rasseretter“ ist Josef Holl vom Riedhof in Heuchlingen. Man hauchte dem 1963 aufgelösten Zuchtverband im Sommer 1987 neues Leben ein. Die Züchtervereinigung Limpurger Rind wurde wieder gegründet. Bis jetzt war Gründungsmitglied Josef Holl 28 Jahre lang zweiter Vorsitzender. Nun hat er seinen Posten altershalber abgegeben. Bereits seit 2012 Ehrenmitglied, bekam er eine hölzerne Sitzbank mit eingraviertem Namen der Züchtervereinigung auf den Hof gestellt. Doch er ruht sich auf dem Erreichten nicht aus. Jeden Morgen ist er am Melkstand.

Beim Besuch auf dem Riedhof nimmt er schmunzelnd auf der Bank Platz und erinnert sich an den ersten Besuch bei der „Grünen Woche“ in Berlin mit seiner Limpurger Dame Wilma. Sehr viel Aufmerksamkeit erhielt das Tier allemal, sind die Limpurger doch hübsche Mädels. Wieder zuhause im Stall, schien sie aber irgendwie verändert. „Was sie wohl hat“, fragte sich Holl. „Dann hab ich sie einfach öfters gestreichelt – und alles war gut.“ Des Rätsels Lösung war, dass das Rind auf der Messe viele Streicheleinheiten von den Besuchern bekommen hatte – und nun, im heimischen Stall, eben nicht mehr. „Sie war nur beleidigt“, winkt Josef Holl ab.

Die ruhige Rinderrasse, die über ein gutes Fundament und feinmasriges Fleisch verfügt, hat noch weitere Vorteile: Sie gibt leckere Milch. Was die Berliner Gäste zu beginn nicht so richtig zu schätzen wussten. Nach dem Melken bot Josef Holl den Besuchern die frische Milch an. Aber nur sehr zögerlich wurde daran genippt. Waren die Großstädter doch gewöhnt, dass die Milch aus dem Tetrapack kommt. Aber schnell wurde die köstliche Milch genossen. „Und jeden Abend standen die Leute fortan schon wartend da, wollten wieder ein Glas Milch haben“, schildert Holl. Dabei zwinkert er verschmitzt. „Stadtvolk“, hebt er die Achseln.

Immer noch gerät er ins Schwärmen, wenn er von seinen vierbeinigen Schützlingen im Stall redet. „Ihr Körper hat sich optimal unserer kargen Landschaft mit den Hängen angepasst.“

Blick in den neuen Stall

Heute ist das Fleisch der Limpurger Rinder wieder sehr begehrt. Was dem Engagement der Züchtervereinigung zu verdanken ist. Etwa der „Weideochse“ bleibt von der Geburt bis zur Schlachtung in der Region. Und die ist Räumlich begrenzt: Nordöstliches Baden-Württemberg mit den Landkreisen Ostalb, Rems-Murr, Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Main-Tauber.

Beim Blick in den neuen Stall sieht der Betrachter Kühe, die genüsslich vor sich hin kauen und mit sanftem Blick den Gast neugierig mustern. Ihr Fell ist blond-gold. Die Rasse gilt als „futterdankbar“, das heißt, sie ist genügsam. Dazu haben die Tiere beste Muttereigenschaften und einen guten Charakter. Als Josef Holl in den 80er Jahren sich dieser Rasse annahm, entfernte er sein Fleckvieh aus dem Stall und setzte auf die drei Limpurger Rinder darin. Als Jürgen Holl die Landwirtschaft vom Vater 2003 übernahm, war der Bestand bereits merklich angewachsen.

Heute präsentieren sich 25 Mutterkühe mit Zucht im Stall. Und pro Jahr werden zwei bis drei Zuchtbullen verkauft. Schön ist zudem, dass sich Sohnemann Jürgen Holl ebenfalls von ganzem Herzen dieser Rasse annimmt. Bei der Jahreshauptversammlung vor wenigen Wochen erhielt er die Plakette für die Lebensleistung seiner Kuh Dani, die über 40 000 Liter Milch gab.

Bemühungen tragen Früchte

Übrigens, Jürgen Holl ist Kassier in der Züchtervereinigung. Die sich darüber freut, dass ihre Bemühungen um die alte Rasse Früchte trägt. Die Populationsentwicklung ist beachtlich, der aktuelle Tierbestand von rund 750 Herdbuchkühen spricht für sich. Nicht nur sehr zur Freude der Vorsitzenden, Clara Dompert, wie sie in ihrem Rück- und Ausblick betonte. Um die Zukunft muss es bei den Limpurgern nicht bange sein, denn der überwiegende teil des Bestands wird in der Mutterkuhhaltung gehalten.

Dann hab ich sie einfach öfters

Josef Holl,, Züchter

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