Den Ort von innen heraus beleben

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Die Renovierung der ehemaligen Molke Lautern.
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Warum alle Vereine Lauterns an einem Strang ziehen, um die „Molke“ wieder zu beleben und was vom Gebäude erhalten werden soll.

Heubach-Lautern

Jahrzehntelang ruhte der Betrieb in der „Molke“. Das Molkereigebäude im Herzen von Lautern wurde 1950 errichtet und war für das „Gärtner- und Bauerndorf“ Lautern ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, erzählen Dietmar Fahrian und Georg Enssle. Hier wurde früher die Milch in großen Kannen von den Bauern angeliefert und gesammelt bevor sie an die milchverarbeitenden Betriebe weiterverkauft wurde.

Georg Enssle kann sich noch gut daran erinnern, wie er als Kind die schweren Milchkannen die Stufen hinaufgetragen hat. „Die Kannen wurden nicht ganz vollgemacht, damit sie für mich leichter zu tragen waren“, erinnert er. 1986 wurde der Molkereibetrieb eingestellt. Das letzte Mal belebt wurde das Gebäude 2018 beim traditionellen historischen Markt, als der Musikverein Lautern in den Räumlichkeiten verschiedene Milchprodukte feilbot und Besucherinnen und Besuchern dabei auch die Möglichkeit gab, selbst Butter zu schlagen.

Ein Ort muss von innen heraus leben“.

Bernhard Deininger,, Ortsvorsteher

An dem kleinen Gebäude, direkt an der Ortsdurchfahrt und der Lauter gelegen herrscht seit vergangener Woche reger Betrieb, die Fassade wurde eingerüstet, dutzende Ehrenamtliche haben sich jetzt der Molke angenommen und verschaffen ihr ein neues Gesicht.

Für den Ortsvorsteher Bernhard Deiniger ein Grund zur Freude, die Renovierungsmaßnahmen werden von Mitgliedern der Lauterner Vereinslandschaft ehrenamtlich umgesetzt. Denn die Molke soll nun eine neue Nutzung erfahren. Das Gebäude soll allen Vereinen von Lautern für die unterschiedlichste Nutzung, wie Ausstellungen, als Treffpunkt oder als Vesperstube, zur Verfügung gestellt werden. Dem Heubacher Bürgermeister Frederick Brütting sei es ein großes Anliegen gewesen, den Vereinen die Molke als zusätzliches Angebot zur Verfügung zu stellen, erklärt der Ortsvorsteher die Gründe, warum die Stadt Heubach das Gebäude angemietet hat.

Jeden Tag werkeln hier jetzt Mitglieder der einzelnen Vereine am Gebäude herum. Am Dienstag war die „musikalische Fraktion Lauterns“ mit Mitgliedern vom Musikverein Lautern und vom Liederkranz anzutreffen. Als Erstes musste die Fassade ordentlich vom Staub und Ablagerungen der letzten 70 Jahre befreit werden, erklärt Fahrian, der „Bass vom Liederkranz“. Enssle, als Vorstand des Musikvereins, ergänzt: „Alle Dachrinnen wurden gesäubert.“ Danach hieß es, die Risse an den Fassaden zu spachteln, bevor mehrfach gestrichen werden konnte. Der fehlende Wasseranschluss bereitet Enssle kein Kopfzerbrechen, zum Säubern der Fenstergitter hilft hier das Wasser der Lauter. „Erst den Staub weg, dann die Farbe drauf“, ulkt der ehrenamtliche „Anstreicher“ während Reinhard Müller vom Musikverein sich auf die Suche nach einem Pinsel macht.

Joachim Hieber vom Musikverein hat sich in der Zwischenzeit der Fenstereinfassungen angenommen, die farblich abgesetzt zur Fassade in weiß gestrichen werden. Rund 130 Stunden werden benötigt, schätzt der Ortsvorsteher, dann ist die „Molke“ von außen wieder in Topzustand. Dann geht es im Inneren weiter zur Sache, die Einrichtung soll von den Ehrenamtlichen gestaltet werden, für die benötigten sanitären Anlagen, müssen allerdings Fachkräfte ran, erklärt der Ortsvorsteher. Die alten Schachbrettfliesen sollen auf jeden Fall erhalten bleiben. Die Renovierung der maroden Treppenaufgänge kann ebenfalls nicht in Eigenleistung erbracht werden.

Wenn alles fertig ist, wird die Molke ein weiteres Schmuckstück an der charmanten Ortsdurchfahrt von Lautern sein und wie früher könnte sich hier wieder ein Großteil des dörflichen Lebens abspielen. „Ein Ort muss von innen heraus leben“ erklärt Deininger dazu. Die Molke wird dann auch wieder der Mittelpunkt des historischen Marktes sein „der Termin im September 2022 steht bereits“, freuen sich Deiniger und Ortschaftsrätin Heike Hieber.

Die Renovierung der ehemaligen Molke Lautern.

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