Ein letzter Besuch im Gasthof Adler in Lautern

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Mit der Schließung des Adlers in Lautern geht eine 110-jährige Gasthaus-Ära zu Ende. Seit 1912 ohne Unterbrechung in Familienbesitz.

Heubach-Lautern

Am Donnerstag öffnete der Gasthof Adler in Lautern das letzte Mal seine Gaststuben für Gäste. Damit geht eine 110-jährige Familientradition zu Ende. Der „Adler“ ist zudem die letzte verbliebene Gaststätte im Dorf.

Nachdem Maria Hirner, die Großmutter des jetzigen Inhabers Ludwig Sorg, im Jahre 1912 die Schankerlaubnis erhielt, war das Traditionsgasthaus ohne Unterbrechung in Familienbesitz. Ludwig Sorg übernahm den Betrieb 1980 von seinem Vater Alois Sorg. Neben der Gastronomie führten Ludwig und seine Frau Birgit parallel dazu eine eigene Metzgerei. Die Metzgerei wurde vor fünf Jahren geschlossen, der Wirtshausbetrieb fand in der Vergangenheit noch an zwei Tagen in der Woche statt.

Für die Herren vom Stammtisch geht jetzt eine Ära zu Ende bedauert Bernhard Hutter. Der Herrenstammtisch bestehe seit mehr als 60 Jahren und diente als regelmäßiger Treffpunkt zum Austausch. Neuigkeiten aus dem Dorfleben konnte man hier aus erster Hand erfahren. Der Stammtisch erhielt in den letzten Jahren Verstärkung durch einige Damen, weiß Birgit Sorg. Ein Gast blickt auf eine über 60-jährige Stammtisch-Karriere zurück, „er sei schon als kleiner Bub immer mitgekommen“, erzählt Birgit Sorg.

Verlust fürs Vereinsleben

In regelmäßigen Abständen hat sich im Adler auch die Kartenspielgruppe getroffen, die saßen immer am Uhrentisch erzählt Hutter. Wenn es die Schulferien erlaubten, unterstützte Enkelin Pia gerne Oma Birgit und Opa Ludwig. Die Schließung des Adlers bedauert die 13-jährige sehr. Nahezu unzählige Versammlungen der örtlichen Vereine wurde hier abgehalten, Birgit und Ludwig Sorg konnten in den vergangenen 40 Jahren ihre Gäste buchstäblich „von der Taufe bis zum Leichenschmaus“ auf ihrem Lebensweg begleiten. Jung und Alt trafen sich im „Adler“, hier konnte man „vespern, oder auch nicht“ und einfach auch nur sitzenbleiben, es wurde diskutiert, auch mal gestritten und viel gelacht. Im Gastraum fanden rund 35 Gäste Platz, ein Nebenzimmer konnte für Familienfeiern und Versammlungen angemietet werden. Ein besonderer Magnet war die Außenbewirtschaftung, die im Sommer bei Ausflüglern und der Dorfgemeinschaft so beliebt war, dass Birgit und Ludwig Sorg ohne weitere helfende Hände ihrer Kinder den Ansturm nicht geschafft hätten.

Corona nur bedingt ein Grund

Birgit und Ludwig Sorg schließen jetzt ihre Gasthaustüren für immer. Einen Nachfolger gibt es nicht, bedauert das Paar. „Wir schließen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, bekennt Birgit Sorg, der bewusst ist, dass die Vereinslandschaft und auch die Bürgerschaft einen beliebten Treffpunkt verlieren und dies auch bedauert. Aber alles habe einmal ein Ende, meint die stets gut gelaunte Wirtin. Jetzt soll das Leben „gemütlich angegangen werden“, das Betreiberehepaar ist noch in einem „Alter“, in dem man etwas vom Leben haben kann, erklärt Birgit. Klar, nach der Schließung der Metzgerei trat etwas Entspannung in das arbeitsreiche Leben, aber Ludwig ist jetzt 70 Jahre alt und die Sorgs möchten jetzt einmal etwas „nur für sich und gemeinsam“ unternehmen. Corona habe mit der Schließung nur bedingt zu tun, meinen die Sorgs, aber „man weiß nicht, was noch kommt“.

Am Donnerstag verabschiedeten sich alle Stammgäste, die, den Coronavorschriften genügend, im Gastraum Platz nehmen durften. Für eine Familie hieß es ein letztes Mal im Adler Geburtstag feiern, junge Männer saßen ein letztes Mal mit einem Getränk gemeinsam am Tisch und am Stammtisch wurden ein letztes Mal Rostbraten oder Bratwürste bestellt. Beim Bedienen vergaß auch die junge Pia kurz ihren Abschiedsschmerz. Mit warmen Worten an die Gastwirtsfamilie und einem Blumenstrauß als Symbol, der den großen Dank für die langjährige, freundliche und familiäre Stimmung, die von den Sorgs in den Gasträumen verströmt wurden, diente, verabschiedeten sich die Stammtischler. Nach den derzeitigen Vorgaben musste der Abschiedsabend um 22.30 Uhr beendet werden, obwohl „unsere Gäste teilweise ein gutes Sitzfleisch haben und länger geblieben wären“, meint Birgit schmunzelnd.

Wir schließen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“

Birgit Sorg, , Wirtin
Birgit und Ludwig Sorg mit Enkelin Pia hinterm Tresen.
Der letzte Stammtidsch im Adler.

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