Für Hermann Schmid ein bitter Kraut

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Seit Mitte der 1960er Jahre – damals noch mit seinem Vater – steht der Gemüsegärtner Hermann Schmid aus Lautern auf dem Aalener Wochenmarkt. Dass er jetzt aus gesundheitlichen Gründen aufhören muss, ist für den 64-Jährigen ein bitter Kraut.
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Der Lauterner Gemüsegärtner wird am 30. Dezember zum letzten Mal auf dem Aalener Wochenmarkt stehen. Warum er die alte Familientradition beendet.

Aalen/Heubach-Lautern

Im Oktober hat Hermann Schmid in seinen Gewächshäusern zum letzten Mal 150 Kisten Ackersalat gesetzt. Junge Pflänzchen, die Mitte Dezember geerntet werden wollen. Den Zeitablauf hat der 64-jährige Gärtner gut durchdacht. Denn am Mittwoch, 30. Dezember, wird er zum letzten Mal seinen Stand auf dem Aalener Wochenmarkt aufbauen.

Es wäre sicher vermessen zu sagen, Hermann Schmid ist der "Mister Aalener Wochenmarkt". Denn davon gibt es einige. Gärtnerfamilien, die seit Generationen den Aalener Markt mit frischem Obst und Gemüse, hauptsächlich aus eigener Herstellung, bestücken. Hermann Schmid ist einer von ihnen. Schon als "kloiner Bua", so erzählt er, durfte er in den Schulferien seinen Vater Hermann Schmid senior auf den Aalener Wochenmarkt begleiten. Und das tat er gern.

Der Bub vom Land

Mitte der 1960er Jahre war das. Hermann Junior stand dann hinter dem Stand – damals noch vor dem früheren "Kayser's Kaffeegeschäft" (heute Reno) – und konnte seinen Blick nicht lösen von dem "riesigen Gebäude" gegenüber. Der hohe Bau der alten gewerblichen Berufsschule (heute steht dort das Rathaus, Anm. d. Red.) beeindruckte den Bub vom Land schwer. "Wir standen damals mit den Gärtnern Waschek von der Aalener Gartenstraße, Feldmayer aus Pflaumloch und Hudelmeier aus Mögglingen in einer Reihe", erinnert sich Hermann Schmid, der von diesen als einziger heute noch auf dem Aalener Wochenmarkt steht. Allerdings auf der anderen Seite, vor dem früheren Leder-Böhringer. "Dass ich wie mein Vater Gärtner werde, war gar keine Frage", erzählt er.

Nach der Lehre arbeitete Hermann Schmid bei der Stadtgärtnerei Gmünd und hängte eine zweijährige Ausbildung zum Gartenbautechniker dran. 1982 stieg er ein in den väterlichen Gärtnereibetrieb, den sein Großvater August 1920 gegründet hatte. "Der hat damals einen Gaul vor sein Sennwägele gespannt und ist mit seinem Gemüse auf Handelsschaft gefahren. Bis hinauf nach Bartholomä und Böhmenkirch und dann wieder runter nach Mögglingen und ins Leintal", weiß der Enkel. Der bis 1999 übrigens selbst auch noch auf Handelsschaft durch die Dörfer getourt ist. Dann allerdings mit einem VW-Transporter. "Ich hatte allein in Böhmenkirch 38 Haltestellen. Und weiß heute noch, wer wo wohnt."

Die Sätze sprudeln, der Gärtner lacht viel und gerne. Die kräftigen Hände mit noch frischer Erde unter den Nägeln sind dabei ständig in Bewegung. Hermann Schmid ist eine Frohnatur, die so schnell nichts Negatives an sich heranlässt. Vielleicht wäre er sonst schon früher kürzer getreten. Drei Bandscheibenvorfälle hat er hinter sich, dazu eine Hüft-OP, drei Herzinfarkte und vier Bypässe.

Herzstillstand im Februar

"Nach all den Vorfällen konnte ich wieder ganz gut schaffen", meint er. Bis zum 15. Februar dieses Jahres. Die Ärzte diagnostizierten Kammerflimmern und Herzstillstand. "Wenn das daheim passiert wäre, würde ich heute nicht mehr leben", gesteht der Gärtner. Sein Glück: Es passierte während einer Abteilungsversammlung der Feuerwehr. Er wurde bewusstlos. Ein Feuerwehrkollege, der zugleich Rettungssanitäter ist, leitete sofort Wiederbelebungsmaßnahmen ein, mit Hilfe eines Defibrillators. In der Klinik wurde ihm ein Herzschrittmacher eingesetzt.

"Seitdem funktioniert das Schaffen nicht mehr", sagt Hermann Schmid. Er wird für einen Moment ganz ernst. Er sei kaum noch belastbar, dabei müssen seine Frau und er zu zweit 2400 Quadratmeter Gartenbau bewirtschaften, unter anderem sieben Gewächshäuser.

Früher ist der 64-Jährige mit den langen Arbeitstagen, wie sie Gärtner eben haben, immer klar gekommen. Dienstags und donnerstags für die Fahrt zum Großmarkt um 2 Uhr morgens aufstehen. Mittwochs und samstags um 3.45 Uhr aus den Federn, um rechtzeitig um 5 Uhr in Aalen auf dem Markt zu sein. Freitags auf den Wochenmarkt in Bartholomä. Und dazwischen muss noch Zeit sein zum Säen, Setzen und Ernten. Das Meiste auf den Knien, mit den Händen tief in der Erde. "In der Hauptarbeitszeit im Frühjahr und Sommer bis es dunkel wird, bis 22 und 23 Uhr." Unter diesen Bedingungen wundert es nicht, dass Hermann Schmids Bemühen, einen produzierenden Gärtner als Nachfolger für seinen Standplatz auf dem Aalener Wochenmarkt zu finden, bisher erfolglos war.

Verkauf wird eingestellt

Doch Schmids Entschluss steht. Auch wenn das "Muss" für ihn ein bitter Kraut ist: Ab Januar wird er seinen Verkauf – auch ab Hof – komplett einstellen.

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