"Historischen Ortskern in Lautern erhalten"

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Lauterns Dorfmitte mit dem Gärtnerbrunnen an der Breulingschule und der Kirche. Die Verwaltung möchte den gewachsenen Ortskern erhalten, helfen soll eine Ortsgestaltungssatzung, aufbauend auf der bestehenden Gestaltungsfibel.
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Ortsvorsteher Bernhard Deininger erläutert, warum Lautern eine Weiterentwicklung der "Gestaltungsfibel" brauche und wie Leerstände und Baulücken mit Leben gefüllt werden sollen.

Heubach-Lautern

Ein Ort muss sich im Lauf der Zeit weiterentwickeln, sollte aber seine historisch gewachsene Identität und sein Dorfbild nicht aufgeben. In diesem Spannungsfeld befindet sich Lautern, meint Ortsvorsteher Bernhard Deininger. Er möchte deswegen eine "Ortsgestaltungssatzung" auf den Weg bringen. Das begleitende Büro "Landsiedlung" bietet dazu einen Infoabend am 18. Januar (siehe Infokasten).

Herr Deininger, warum eine Ortsgestaltungssatzung?

Bernhard Deininger: Wir wollen das Ziel ernst nehmen, dass Innenentwicklung vor Außenentwicklung kommt. Problem: In der Innenentwicklung ist die Gemeinde meist nicht der Eigentümer der betreffenden Flächen. Das ist bei neuen Baugebieten draußen meist anders, da erwirbt die Stadt die Fläche und veräußert sie wieder. Im Innenbereich wollen wir, dass der historische Ortskern sein Gesicht nicht verändert. Wenn, was wir sehr begrüßen, eine Baulücke bebaut werden soll, dann sollte das Gebäude sich den historischen Bauformen anpassen. Das heißt natürlich nicht, dass nicht modern gebaut werden dürfe.

Wie denn dann?

Wir sind ja auch Teil des wichtigen Programms "unser Dorf hat Zukunft". Das wird von einem ganz großen Kreis Ehrenamtlicher getragen. Betrachtet man das Ergebnis der Bewertungskommission, dann spricht diese in Lautern "von einem intakten Dorfbild". Genau darum geht es, dieses zu erhalten. Dass die Strukturen weiter stimmen.

Haben Sie da ein Beispiel?

Ein positives Beispiel ist hier gleich bei mir um die Ecke. Da wurde ein Haus abgerissen und neu aufgebaut. Wir konnten als Verwaltung nur den Wunsch äußern, das neue Gebäude in alter Form aufzubauen. Der Eigentümer hat das auch so gemacht. Da ist das gut gelungen. Er hätte ja aber auch sagen können: "Was interessiert mich das Ortsbild? Paragraf 34 der Landesbauordnung gibt mir weitreichendere Möglichkeiten." So ist es aber gelungen, das Ortsbild zu erhalten sowie Wohnen, Arbeiten und Leben zu vereinen.

Am 18. Januar gibt es eine Infoveranstaltung zum Thema Ortsgestaltung. Wozu dient diese?

Vorläufer und Basis der geplanten Gestaltungssatzung ist unsere Gestaltungsfibel, die wir vor knapp zehn Jahren vorgelegt haben. Diese wollen wir weiterentwickeln und konkretisieren. Das Stadtbauamt leistet die Vorbereitungsarbeiten. Bei der Infoveranstaltung soll das uns begleitende Büro "Landsiedlung" in Form einer Power-Point-Präsentation gelungene Beispiele aus anderen Ortschaften zeigen.

Können Sie eines verraten?

Das Verlagshaus Ihres Mitbewerbers, der Schwäbischen Zeitung, am Marktplatz in Aalen. Das ist ein modernes Gebäude in alter Form. Das passt hier rein. Leider gibt es in Lautern auch nicht so schöne Beispiele. Klar ist aber, für die gilt Bestandsschutz. Da muss niemand sein Gebäude ändern. Aber es gibt Baulücken und Leerstände, da müssen wir einen guten Weg finden und auch Anreize schaffen, die Leerstände umzunutzen, Baulücken freizugeben. Da ist ein langer Prozess. Aber den müssen wir beginnen, mit dem Ziel, dass der Ortskern beziehungsweise, der abgegrenzte Geltungsbereich, der noch beschlossen werden muss, sein historisches Bild bewahrt. In der Klausursitzung des Ortschaftsrats wurde deutlich, dass dabei die Bürgerinnen und Bürger einbezogen werden sollen. Das wollen wir mit der Informationsveranstaltung erreichen.

Und so wollen Sie Privatleute animieren, etwas zu tun?

Lautern ist Teil des ELR, Heubach bei der "Sozialen Stadt". Bei Letzterer ist es so, dass das Land Privatmaßnahmen fördert, und zwar dann, wenn auch die Stadt fördert. Dieses Zusammenspiel muss kleinere, zusätzliche Anreize für Bauherrschaften schaffen, dass sie neben dem ELR auch von der Stadt unterstützt werden. Solche Dinge müssen wir diskutieren. Das haben wir bisher nicht gemacht und auch im Haushaltsplan 2022 ist nichts vorgesehen. Das müssen wir jetzt in diesem Jahr vorbereiten. Wenn alles gut geht, könnten wir die Satzung 2023 beschließen.

Zum Jahresbeginn kam ein neuer Leerstand dazu, als der „Adler“ seine Türen schloss.

Das ist sehr traurig und ewig schade, dass die einzige Wirtschaft in Lautern zumacht, wobei man die Entscheidung des Ehepaars Sorg sicher verstehen muss. Das hat ja aber auch eine geschichtliche Dimension, die sogar noch weiter zurückgeht als die 110-jährige Tradition der Wirtsleute Sorg.

Nämlich?

In den Zeiten, als es noch keine Mehrzweckhalle gab, war der Adler das kulturelle und gesellschaftliche Zentrum Lauterns. Dazu kommt die gesellschaftliche Entwicklung: Noch vor wenigen Jahrzehnten ist man nach dem Training oder der Singstunde oder der Musikprobe wie selbstverständlich in die Wirtschaft gegangen. Der Besucherstrom hat hier nachgelassen. Dennoch braucht Lautern eine Wirtschaft und ich hoffe, dass sich beim "Adler" möglicherweise doch wieder etwas entwickelt. Dasselbe gilt für unsere "Krone". Da ist einmal im Monat Treff des Vereins "Älter werden in Lautern". Bis dato sind wir sehr froh, dass die Bäckerei Köhler mit ihrem Café ein Angebot macht für Wanderer und Radfahrer, vor allem im Sommer an der Lauter.

Wie ist der Stand beim geplanten Heimatmuseum?

Da hat uns Corona etwas zurückgeworfen, weil wir vom Heimat- und Geschichtsverein nicht in großen Gruppen im Haus arbeiten konnten. Wir wollen nun noch vor Beginn der Vegetationszeit die Gartenanlage roden. In den nächsten Wochen wollen wir dann das Gebäude komplett räumen und unten mit dem ersten Raum beginnen. Auch hier wollen wir eine bewirtschaftete "Heimatstube" einrichten. Wir brauchen das Leben und die Gaststätten im Dorf. Und dann ist da ja noch der Historische Markt in diesem Jahr.

Wird der stattfinden?

Wir stecken vom Heimat- und Geschichtsverein schon voll in den Planungen. Wir sind da ja aber nicht alleine, von den anderen Vereinen kam ein klares Ja, dass sie wieder mitmachen. Das schultern wir nur gemeinsam.

Die bisherigen Empfehlungen der Gestaltungsfibel in Lautern gibt es im pdf-Format online angehängt an diesen Artikel.

  • Infoabend zur Ortsgestaltung in Lautern
  • Termin: Am Dienstag, 18. Januar, findet um 18 Uhr im Anna-Rohleder-Saal in der Pfaffenberghalle in Lautern eine Informationsveranstaltung zum Thema "Ortsgestaltungssatzung" statt. Stadt- und Regionalplaner Matthias George von der Landsiedlung Baden-Württemberg erläutert in einer Power-Point-Präsentation, wie sich eine Ortsgestaltung positiv auf die Entwicklung historischer Stadt- und Ortskerne auswirken kann.
  • Zu dieser Informationsveranstaltung ist die Einwohnerschaft sehr herzlich eingeladen. Es gelten die aktuellen Corona-Regeln.

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