Von Spitzenunterhosen und Bürsten

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Der Frack von Ortsvorsteher Bernhard Deininger wird durch Brigitte Kuhn und Marie-Luise Zürn-Frey (re.) in Form gebracht und gesäubert für den Historischen Markt.
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Waschfrauen reinigen Kleidung für den "Historischen Markt" in Lautern. Was es damit auf sich hat und was am 24. und 25. September alles geboten ist.

Heubach-Lautern

In Lautern wird am 24. und 25. September das Rad der Zeit um 122 Jahre zurückgedreht. Der „Historische Markt“ wird die Besucher in das Jahr 1900 entführen. Und das so authentisch wie möglich. Hinter den Kulissen wird seit rund zwölf Monaten an den Vorbereitungen gearbeitet.

Alle vier Jahre wird dieser Markt in dem Heubacher Stadtteil ausgerichtet, alle Generationen ziehen hierfür an einem Strang. „Und wir erwarten wieder Gäste bis aus Stuttgart“, beschreibt Ortsvorsteher Bernhard Deininger. Was ihm am meisten an dieser Veranstaltung gefällt, bei der in Lautern nahezu alle 1350 Einwohner in irgendeiner Art und Weise involviert sind? „Das wirklich alle an einem Strang ziehen.“

 Diese Feststellung trifft Deininger, während ihm Marie-Luise Zürn-Frey energisch mit einer Bürste über den Ärmel seines schwarzen Fracks fährt. Und Brigitte Kuhn prüft, ob das historische Gewand auch an den Schultern ordentlich sitzt. Schließlich muss der Ortsvorsteher etwas darstellen, wenn er den Hochzeitszug anführt, der sich in Lautern durch den Ort schlängeln muss. Lüften, waschen, ausbürsten, bügeln ist aktuell angesagt. Denn die spitzenbesetzten Unterhosen, Wams, Leibchen, Nachthemden und Fräcke haben jetzt vier Jahre lang in Kartons, Schränken und Unterbettkommoden sowie an Kleiderstangen ihr Dasein gefristet.  „Ich habe alles in einem separaten Zimmer“, erklärt Deininger. „Und ich in Schränken auf dem Dachboden“, beschreibt Zürn-Frey.

Brigitte Kuhn lächelt, während sie ankündigt, wie nun die Wäsche aufbereitet wird. „Denn sonst kratzt sie oder ist schmutzig. Das geht ja nicht.“ Und so trafen sich die Lauterner Waschfrauen zur großen Reinigungsaktion der Kleidung, die beim „Historischen Markt“ für die richtige Optik der einzelnen Gruppen sorgen. Die einen sind Handwerker, die anderen eben Waschfrauen. Schulleiter Sven Albrecht wird zum Märchenerzähler. Hans Müller kümmert sich darum, dass die Waschfrauen immer heißes Wasser im Waschzuber haben. Um dann lautstark ihre Wäsche mit einer großen Portion Kernseife wieder sauber zu kriegen. Derbe und flotte Sprüche inklusive. Da muss sich mancher Promi warm anziehen, besser gesagt ausziehen. Denn es wird nicht nur die Wäsche gewaschen, auch manches Körperteil. „Der Landrat, der erste Bürgermeister von Gmünd und natürlich Bürgermeister Dr. Joy Alemazung werden ordentlich sauber gemacht“, kündigen die Waschfrauen mit hörbarer Vorfreude an. Marie-Luise Zürn-Frey hält dabei eine Bürste hoch. „Für die Kleidung?“, erkundigt sich Deininger bei ihr. „Pfeifadeggl, die isch für die Zähne“, grinst sie frech. Wohl wissend, dass diese für Zahnreinigung zu groß dimensioniert ist.

Dankbar stellen die Waschfrauen fest, dass sie die gereinigten Kleidungsstücke in den leeren Räumen der Raiffeisenbank deponieren können, bis der Markt seine Pforten öffnet. „Dann werden sie verteilt.“

Es hält ein Auto und „Hochzeitslader“ Josef Breitmeier schaut mit Gattin Martha vorbei. Beide sind von Anfang an dabei, haben mit den übrigen mittlerweile rund 100 Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins den "Historischen Markt" 1995 aus der Taufe gehoben. „Wir freuen uns schon sehr“, wird versichert. Keine Frage, in ganz Lautern ist Vorbereitungsstimmung. „Und wir müssen wie immer auf unsere Kübel aufpassen, sonst schnappen sich diese wieder die Feuerwehrleute“, weiß Marie-Luise Zürn-Frey. „Und wenn das fahrende Volk vorbeizieht, behalten wir unsere Wäsche im Auge“, kündigt Brigitte Kuhn an. Spannend wird es auch, wenn der Förster einen Wilderer durchs Dorf jagt.

Los geht’s am Samstag, 24. September, um 13 Uhr. Und am Sonntag, 25. September, wird nach dem Gottesdienst, der um 9 Uhr startet, zum fröhlich-bunten Markttreiben eingeladen.

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