Wie soll in Lautern gebaut werden?

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Um den Charakter von Lauterns historischem Ortskern zu erhalten, strebt die Verwaltung eine Gestaltungssatzung an, die bestimmte Regeln fürs Bauen vorsieht. Welche, müsste der Ortschaftsrat und der Gemeinderat festlegen. Matthias George vom Büro Landsied
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Welche Regeln sollen in Lauterns historischem Ortskern für Bauherren gelten? Eine Möglichkeit wäre eine Ortsgestaltungssatzung. Dazu gab es am Dienstagabend eine Infoveranstaltung.

Heubach-Lautern

Wie wird Lautern in fünf, in zehn Jahren aussehen? Welche Gebäudeformen sollen erlaubt sein, welche will man eher nicht sehen? Welche Regeln sollen für Bauherren gelten? Das sind die Fragen, die am Dienstagabend im Anna-Rohleder-Saal in Lautern behandelt wurden. Ortsvorsteher Bernhard Deininger erläuterte die Hintergründe des Termins: Seit rund acht Jahren gebe es im Heubacher Teilort die „Gestaltungsfibel“ mit Leit- und Richtlinien für Bauherren. Diese gelte es weiterzuentwickeln. Deininger schwebt eine „Ortsgestaltungssatzung“ vor. Was es damit aus sich hat, berichtete Matthias George von der „Landsiedlung Baden-Württemberg“.

Wieso eine solche Satzung?

Den Sinn und Zweck einer solchen Satzung erläuterte George anhand des Gemäldes „Das Abendmahl“ von  Leonardo Da Vinci. Jeder sehe sofort, dass die Proportionen stimmen und das Bild durch Techniken wie den „Goldenen Schnitt“ geordnet wirke. „Dahinter steckt System“, so George.

Bei historischen Ortskernen sei das ähnlich. Bei gelungenen Beispielen fühle man sich als Besucher sofort „heimelig“ und eingeladen. Wer eine Ortsgestaltungsatzung anstrebe, der schaue sich genau an, wie früher gebaut wurde, und versuche die neuen Gebäude in Stil, Form und Größe anzugleichen, den „Staffelstab der Vorfahren“ weiterzureichen, so George. Anders Investoren, die „nur mit dem Blick des Geldes“ schauten, sich nicht um das Ortsbild scherten und Gebäude bauten, die möglichst viel einbrächten, ohne Rücksicht auf das historisch Gewachsene. Wichtig dabei: Nach dem Baurecht, dem Paragrafen 34, seien solche Bauten nicht zu verhindern. Denn der Paragraf regle eben nur, ob sich der Neubau in die Umgebung einfüge. Das sei rein rechtlich gesehen eben auch bei modernen Mehrfamilienhäusern mit Flachdach der Fall. „Dann addieren sich die Einzelfälle und die schöne Einheit des Ortskerns geht nach und nach verloren“, meinte George. 

Orientierung an den Vorfahren

Bei Neubauten sei also darauf zu achten, welche Dachformen, Fassadengestaltungen, Farben und Materialien zum Ortskern passen.

In Lautern sei es beispielsweise so, dass die Grundfarben der Gebäude eher zurückhaltend seien, die Schmuckelemente, etwa Fensterläden oder Fensterumrandungen (sogenannte Faschen) gerne kräftiger im Farbton. Es gehe bei der Gestaltungssatzung darum, nicht die Moderne auszuschließen, es stecke kein „Verhinderungsgedanke“ dahinter, betonte George. „Wir bringen keine Reglen von außen, sondern übertragen Vorhandenes in moderne, neue Bauten“, so der Referent. Dabei sei wichtig, dass die vorhandenen Gebäude vor dem Beschluss der Satzung genau erfasst würden, um sich daran orientieren zu können. „Wir wollen weg vom subjektivem Gefallen“; betonte George. Wie die Vorfahren gebaut haben, das sei ja aber genau messbar.

So ist der Zeitplan

Ortsvorsteher Deininger betonte, man stehe erst am Anfang des Prozesses. Der exakte Geltungsbereich und die dann geltenden Regeln würden ja erst vom Ortschafts- und Gemeinderat diskutiert und später beschlossen. Der Infoabend solle dazu dienen, als ersten Schritt die Öffentlichkeit einbeziehen. Laut Matthias George stünde zunächst eine ausführliche Begehung des Ortes auf dem Programm, dann werde ein Konzept ausgearbeitet, danach ein ausformulierter Satzungstext. Das dauere ungefähr ein Jahr, die Kosten dafür betrügen rund 15 000 Euro. 

Bei den Zuhörern stieß das Konzept nicht nur auf Wohlwollen. Georg Schmid etwa wandte er, er wolle sich auf seinem Grund und Boden nicht vorschreiben lassen, wie er zu bauen habe. Noch dazu seien mehr Auflagen mit höheren Kosten verbunden. Stadtbaumeisterin Ulrike Holl betonte, man wolle „niemanden gängeln“. Die Frage sei, wie man moderne Wohnbedürfnisse im Ortskern verträglich gestalten könne. Sie machte aber klar: „Wenn wir nichts tun, wird der Ortskern in seiner jetzigen Form verschwinden.“ Die Chance einer Gestaltungssatzung sollte man sich nicht entgehen lassen. 

Die Einheit des Ortskerns geht sonst nach und nach verloren.“

Matthias George,, Landsiedlung

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